Absturz von Germanwings-Flieger
„Auf eine solche Katastrophe nicht vorbereitet“

Bis zur Absturzstelle der Germanwings-Maschine in den Felsen ist es ein vierstündiger Fußmarsch. Bewohner der Region bieten Unterkunft für Angehörige aus Deutschland. Die Prominenz kommt per Helikopter.
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Seyne-les-AlpesRettungskräfte stehen Spalier, als die Kanzlerin in der Nähe der Absturzstelle in den französischen Alpen eintrifft. Angela Merkel steigt aus einem grauen Hubschrauber der französischen Luftwaffe. Mit ihr treffen auch der französische Staatspräsident François Hollande und der spanische Regierungschef Mariano Rajoy auf dem Feld südlich der Kleinstadt Seyne-les-Alps ein.

Die drei werden von den Verwaltungschefs der Region begrüßt, unter ihnen Bürgermeister Françis Hermitte und die Präfektin Patricia Willaert in ihrer dunkelblauen Amtstracht mit Hut. Merkel nimmt sich viel Zeit für die Rettungskräfte. Sie schreitet ihre Reihen ab, schüttelt Hände. Lange unterhält sie sich mit einzelnen Helfern: Bergretter der Gendarmerie, Rotkreuz-Sanitäter, Feuerwehrmänner, Zivilschutzkräfte und Soldaten. Dann ziehen sie sich zum Gespräch in einem erst am Morgen aufgebauten Zelt zurück. Merkel, Hollande und Rajoy sind nur wenige Stunden in der Bergwelt mit dem Unglücksmassiv, dem Tête de l'Estrop (2961 Meter). Sie versichern sich ihrer Solidarität, drücken ihr Mitgefühl aus. Dann werden sie in ihre Hauptstädte zurückfliegen.

Unterdessen fliegen von dem kleinen Bergdorf aus Hubschrauber zur Absturzstelle der Germanwings-Maschine in den französischen Hochalpen. „Ich bin oft zum Jagen dort oben“, sagt der pensionierte Feuerwehrmann Louis Boisson bei seinem täglichen Espresso im Café und blickt in die Richtung der schneebedeckten Bergkette. Der 75-jährige ist etwas genervt, hat aber auch Verständnis für die Unruhe, die Journalisten aus ganz Europa in den sonst so beschaulichen Ort gebracht haben. „Das ist ja nicht nur für uns eine Tragödie, sondern für die ganze Welt.“

Alle 150 Menschen an Bord sind bei dem Absturz am Dienstag wohl ums Leben gekommen, unter ihnen laut Germanwings 72 Deutsche. Es ist einer der schwersten Unfälle in der deutschen Luftfahrtgeschichte. „Das Wichtigste ist, das Gebiet abzusichern und die Leichen zu bergen“, sagt Polizeichef David Galtier.

Der Felsen im Massiv des Tête de l'Estrop (Gipfel bei 2961 Metern), an dem am Dienstag der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter zerschellte, liegt nur 15 Kilometer entfernt. Bilder der Flüge vom Vortag zeigen zahllose Trümmerteile in den Felsen. Auf einem Video scheint sogar ein Teil des Germanwings-Logos erkennbar zu sein.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • "Die Prominenz kommt per Helikopter"
    Die meisten davon sind nicht prominent, sondern primitiv!

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