Academy Awards
Erst der Oscar, dann die Millionen

Einen guten Film drehen und dann hoffen reicht nicht: Für die Aussicht auf den Oscar für den besten Film geben die Macher Millionen aus, um die Jury zu überzeugen. Schließlich bedeutet der begehrte Preis bares Geld.
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New YorkDie Trophäe ist 34 Zentimeter hoch, wiegt 3,8 Kilo und ist weniger als 400 Euro wert. Das dürfte noch nicht einmal für einen einzelnen Schuh der Abendgarderobe reichen, mit der die Stars über den roten Teppich schreiten. Doch wer das Glück hat, die goldene Statue in den Händen zu halten, für den hat der große Geldregen ja auch gerade erst begonnen.

Wenn am heutigen Sonntagabend in Los Angeles zum 85. Mal die Oscars verliehen werden, freuen sich Schauspieler, Regisseure und Filmstudios nicht nur über die künstlerische Anerkennung. Ein Academy Award bedeutet in aller Regel vor allem: zusätzliche Millioneneinnahmen für die Filmfirmen und eine deutliche bessere Verhandlungsposition für die Darsteller beim nächsten Projekt. Eine bessere Werbung gibt es nicht.

Neun Produktionen rangeln in diesem Jahr um die prestigeträchtigste Trophäe, die für den besten Film. Und die meisten von ihnen sind bereits jetzt Kassenschlager: Mit „Argo“, „Les Miserables“, „Lincoln“, „Django Unchained“ und „Life of Pi“ haben bereits fünf die Marke von 100 Millionen Dollar in den USA überschritten. „Zero Dark Thirty“ und „Silver Linings Playbook“ stehen kurz davor.

Es kann aber gerne noch mehr werden: Heute Abend gibt es für die Macher eine Menge zu holen, denn ein Oscar kann die Wertschöpfungskette noch lange am Laufen halten. „Dieses Gütesiegel verstärkt den Wunsch der Zuschauer, die Filme zu sehen“, so Ira Kalb, Marketing-Experte Professor an der University of Southern California. „Zudem bleiben die Filme dadurch länger im Kino, was die Umsätze an der Kasse erhöht.“ Ganz zu schweigen von den Einnahmen aus DVD-Verkäufen, Streaming im Internet und bei den Kabelsendern.  

Vor allem die Trophäe für den besten Film bringt dem Studios einen kräftigen Umsatzschub. Laut der Analysefirma Ibisworld haben die Sieger in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt knapp 22 Prozent ihres Umsatzes nach der Oscarverleihung eingefahren. Konkurrenz-Filme, die nominiert, jedoch leer ausgegangen waren, erzielten nur 4 Prozent ihrer Einnahmen nach der Oscar-Nacht.  

So sprang der Umsatz des Vorjahres-Siegers „The Artist“, nachdem er den Preis für den besten Film und vier weitere Oscars abgeräumt hatte, um 34 Prozent nach oben, so Daten des Fachdienstes Boxoffice. Angesichts des plötzlichen Popularitätsschubs hatten die Macher die Zahl der ausstrahlenden Kinos rasch auf 1800 fast verdoppelt.

Wenige hatten zuvor damit gerechnet, dass ein französischer Schwarzweiß-Stummfilm in den USA ein Straßenfeger werden könnte. Ähnlich wie bei „The King`s Speech“ im Jahr 2011, einer Biographie über König George VI von England. Der Streifen legte nach vier Oscars, darunter für den besten Film, an den Kinokassen noch einmal um 42 Prozent zu.

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