Achenbach-Prozess
„Mein Handeln war unmöglich“

Kunstberater Helge Achenbach zeigt sich am Ende seines Prozesses bereit zur Buße. Seine Anwälte finden, dass im Kunsthandel andere Spielregeln als bei anderen Geschäften gelten. Sie fordern Milde für den 62-Jährigen.
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EssenAuch am Ende seines Prozesses hat sich der wegen Millionenbetrugs am deutschen Geldadel angeklagte Kunstberater Helge Achenbach reuig gezeigt - und Tränen vergossen. „Mein Handeln bei den Kunstgeschäften mit Albrecht war unmöglich“, sagte Achenbach am Mittwoch in seinem Schlusswort am Essener Landgericht. Er bezog sich dabei auf seine verdeckten Millionen-Preisaufschläge bei Geschäften mit dem 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht.

„Ich weiss, dass ich eine Freiheitsstrafe zu erwarten habe“, sagte Achenbach mit brüchiger Stimme. Sein „einziger Trost“ sei, dass alles, was er Albrecht verkauft habe, „von hoher Qualität war und heute viel mehr wert ist“. Er selbst sei ruiniert, sagte der 62-Jährige, der der einer der bekanntesten Kunstexperten Deutschlands ist. „Einen Kunstberater Helge Achenbach wird es nicht mehr geben.“

Achenbachs Verteidiger Thomas Elsner forderte eine geringe Freiheitsstrafe für seinen Mandanten. Sie müsse jedenfalls erheblich unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten sieben Jahren Haft liegen. Er wies einen Großteil der Betrugsvorwürfe zurück. „Wo Kunst und Geld zusammentreffen, gelten etwas andere Spielregeln.“

Elsner forderte für den seit rund neun Monaten in Untersuchungshaft sitzenden bekanntesten Kunstberater Deutschlands Haftverschonung. Das würde bedeuten, dass Achenbach mit der am kommenden Montag geplanten Urteilsverkündung (16. März) zunächst auf freien Fuß gesetzt würde.

Bei sieben von mehr als 20 millionenteuren Kunstverkäufen habe Achenbach seinem Duz-Freund Albrecht verdeckte Preisaufschläge berechnet, räumte Elsner ein. Bei neun Oldtimer-Geschäften habe er den Milliardär aber gar nicht betrogen. Albrechts auf 7,8 Milliarden Euro geschätztes Vermögen habe zudem „keine Schmälerung erlitten“. Alle verkauften Kunstwerke und Oldtimer seien vielmehr im Wert „erheblich gestiegen“.

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Achenbach handelte „nicht aus Profitgier“

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