Achenbach vor Gericht
Unglücklicher Prozessauftakt für Kunstberater

Schlechtes Omen für Helge Achenbach: Zu Beginn des Zivilprozesses um angeblich überhöhte Provisionen hat der Richter erhebliche Zweifel an der Version des Kunsthändlers geäußert. Achenbach drohen bis zu zehn Jahre Haft.
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DüsseldorfIm millionenschweren Schadenersatzprozess der Familie des gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht gegen Helge Achenbach hat das Gericht die Version des Kunstberaters angezweifelt. Es gebe „erhebliche Zweifel“ an Achenbachs Darstellung der Geschäftsbeziehung, sagte der zuständige Richter Joachim Matz am Dienstag zum Auftakt des Zivilprozesses am Landgericht Düsseldorf in einer vorläufigen Einschätzung. Eine Entscheidung will das Gericht am 20. Januar 2015 verkünden.

Dem seit fünf Monaten inhaftierten Kunstberater wird vorgeworfen, dem 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht 21 hochkarätige Kunstwerke und elf Oldtimer zu höheren als tatsächlich bezahlten Einkaufspreisen vermittelt zu haben. Dadurch habe Achenbach auch höhere Provisionen und Mehrwertsteuer kassiert.

Achenbach habe Albrecht Objekte zu einer Gesamtsumme von rund 97 Millionen Euro verkauft. Die Erben Albrechts fordern laut Gericht nun 19,3 Millionen Euro Schadensersatz von Achenbach.

Achenbach (62) selbst erschien nicht im Gericht. Ihm geht es nach Angaben seines Anwalts Franz-Joseph Krichel gesundheitlich schlecht. Dem bekanntesten deutschen Kunstberater droht auch ein Strafprozess. Die Staatsanwaltschaft Essen hat wegen mutmaßlichen Betruges an drei reichen Kunden Anklage erhoben. Den weitaus größten Schaden soll Berthold Albrecht erlitten haben. Achenbach drohen im Fall eines Strafprozesses bis zu zehn Jahren Haft.

Nach Angaben Achenbachs habe es einen mit Albrecht mündlich vereinbarten „Ermessensspielraum“ für Aufschläge auf die Verkaufsobjekte gegeben, sagte Richter Matz. Damit sollten das Risiko für Achenbach abgefedert und die Beschaffungskosten, etwa die Teilnahme an Oldtimer-Rallyes, kompensiert werden.

Kriterien sollen auch das Wertsteigerungspotenzial der Kunstobjekte sowie eine Rücknahmegarantie gewesen sein. Achenbach habe Albrecht eine Rücknahme nach fünf bis sieben Jahren mit einer vierprozentigen Verzinsung garantiert. Das alles sei nur mündlich vereinbart worden, damit die Ehefrau Albrechts angesichts der Preise nicht misstrauisch würde.

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Argumentation voller „Ungereimtheiten“

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  • Gibt es tatsächlich keinerlei schriftliche Vereinbarungen zwischen den Parteien, wird es grundsätzlich schwer, wenn beide nur auf Zeugenbeweis abstellen können.

    Logik und Üblichkeiten werden dem Gericht im Zweifel dann auch nicht helfen können.

    Im Kunstgeschäft ist jedenfalls eines ganz sicher: es gibt nichts, was es nicht gibt.

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