Adria-Fähre „Norman Atlantic“
Knapp die Hälfte der Fahrgäste gerettet

Hunderte verzweifelte Menschen sitzen seit Sonntag auf einer Fähre in der Adria fest. Mindestens einer ist tot. Die sichtbaren Flammen sind gelöscht, doch das Schiff ist noch in Rauch gehüllt. Erste Vorwürfe werden laut.
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Athen/RomDie Rettung von weniger als 300 verzweifelten Passagiere der brennenden Adria-Fähre „Norman Atlantic“ gerät zur zermürbenden Geduldsprobe. Am Montag gegen 6 Uhr morgens waren 251 Menschen in Sicherheit gebracht worden, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Marine des Landes meldete. 227 weitere befanden sich noch auf der „Norman Atlantic“.

Schlechtes Wetter und dichter Rauch behindert die Arbeit der Einsatzkräfte. Mindestens ein Mensch kam bei der Katastrophe ums Leben, zwei wurden verletzt. In der Nacht wurde der heikle Rettungseinsatz rund 80 Kilometer nordwestlich der Insel Korfu fortgesetzt. Die italienische und griechische Marine und Küstenwachen rückten mit Schiffen und Helikoptern aus.

Die meisten Passagiere wurden per Hubschrauber von Bord geholt und zu den in der Nähe wartenden Schiffen gebracht. Neun von ihnen - darunter drei Kinder und eine Schwangere - wurden direkt in eine Klinik im süditalienischen Lecce transportiert. Dort wurden sie wegen Unterkühlung behandelt.

Am Montagmorgen lief ein Containerschiff mit 49 Geretteten im Hafen von Bari ein. Das italienische Fernsehen zeigte Bilder von dem Frachter „Spirit of Piraeus“, der zur Hamburger Rickmers-Gruppe gehört. Im Hafen bereiteten sich die Rettungskräfte auf einen Großeinsatz vor, Krankenhäuser der süditalienischen Stadt waren in Alarmbereitschaft. Laut Medienangaben waren auch Deutsche an Bord des Frachters.



An der rot markierten Stelle sendete die „Norman Atlantic“ den Notruf ab.

Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, dass es vermutlich keine schwerer Verletzten auf der „Spirit“ gebe. Eigentlich sollte das Handelsschiff in Brindisi anlegen - dies sei aber wegen schlechten Wetters nicht möglich gewesen.

16 Stunden nach Ausbruch des Brands seien die aus dem Schiff dringenden, sichtbaren Flammen gelöscht worden, teilte die italienische Küstenwache zuvor mit. Allerdings sei das Schiff immer noch in dichten Rauch gehüllt, der womöglich aus Brandnestern im Innern des Schiffs stamme.

Die „Norman Atlantic“ war am frühen Sonntagmorgen auf dem Weg vom griechischen Hafen Patras in die italienische Stadt Ancona in Brand geraten. Das Feuer brach im Autodeck aus. Die Passagiere retteten sich auf das obere Deck. Dort seien jedoch Regen und Hagel auf sie niedergeprasselt, dichter Rauch raubte ihnen zudem den Atem, sagten Passagiere griechischen Medien telefonisch. Rettungsboote umliegender Frachter hätten die Fähre wegen des stürmischen Seegangs nicht erreichen können. An Bord herrsche schiere Panik, berichtete ein Betroffener.

Noch immer sitzen Passagiere auf der Unglücksfähre fest, die vor der griechischen Insel Korfu in Brand geraten war. Zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 3 Uhr MEZ am Sonntagmorgen waren fast 500 Menschen auf dem Schiff, darunter 18 Deutsche. Die Fähre gehört der italienischen Reederei Visemar, fährt aber in Charter für die griechische Anek Lines. Nach offiziellen Angaben starb ein Grieche beim Sprung von Bord. Mehrere Menschen, darunter eine Schwangere und Kinder, kamen ins Krankenhaus.

Der griechische Handelsmarine-Minister Miltiadis Varvitsiotis sprach von der kompliziertesten Rettungsaktionen der vergangenen Jahre. Zehn Handelsschiffe seien vor Ort an den Rettungsmaßnahmen beteiligt. Sie bildeten eine Mauer, um die Fähre vor dem Sturm zu schützen. Griechische und italienische Rettungshubschrauber kämpften beim Versuch, sich dem Schiff zu nähern, gegen heftige Böen an.

Was den Brand an Bord der „Norman Atlantic“ auslöste, war zunächst unklar. Zuletzt inspiziert wurde die Unglücksfähre am 19. Dezember von der Hafenbehörde in Patras. Dabei seien sechs „Mängel“ entdeckt worden, von denen jedoch keiner so schwerwiegend gewesen sei, um das Schiff im Hafen zu belassen, hieß es in einem Bericht der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs. Zu den Mängeln gehörten demnach eine „schlecht funktionierende“ Feuertür sowie „fehlende“ Notfallbeleuchtung und Batterien und darüber hinaus defekte „wasserdichte“ Türen.

Kommentare zu " Adria-Fähre „Norman Atlantic“: Knapp die Hälfte der Fahrgäste gerettet"

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  • Adria-Fähre „Norman Atlantic“ Knapp die Hälfte der Fahrgäste gerettet?

    Wieso dürfen diese unsicheren Seelenverkäufer überhaupt noch in See stechen???

    Warum muß zuerst ein Unglück passieren, bevor man solche Seelenverkäufer verschrottet???

    Alle Fähren und Passagierschiffe, müssen viel öfters auf ihre Sicherheit überprüft werden, von einer unabhängigen Institution, nur dann dürften solche Unglücke der Vergangenheit angehören.

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