Adria-Fährunglück
Verwirrung um Vermisste nach Fährbrand

Die Behörden jonglieren täglich mit anderen Zahlen. Wie viele Menschen nach dem Adria-Fährunglück noch vermisst werden, scheint immer unklarer. Aufklärung soll das Schiffswrack bringen.
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Auch vier Tage nach dem Fährunglück in der Adria geht die Verwirrung um die Zahl der Vermissten weiter. Die italienische Küstenwache korrigierte die Liste der Geretteten nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa auf 477, das sind 50 mehr als ursprünglich bekanntgegeben. Da aber nicht gesichert ist, wie viele Menschen auf der „Norman Atlantic“ unterwegs waren, bleibt auch die Zahl der Vermissten unklar. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin ist der Verbleib von zwei Deutschen noch nicht geklärt. Aufklärung über die Zahl der Opfer und Vermissten soll auch das Wrack bringen, das in Italien erwartet wird.

Der ermittelnde Staatsanwalt von Bari, Giuseppe Volpe, hatte am Vortag von 98 Menschen gesprochen, von denen es bisher keine Nachricht gebe. Auf der „Norman Atlantic“ war am Sonntag ein Feuer ausgebrochen - es folgte eine dramatische Rettungsaktion. Bisher wurden 13 Tote gezählt, darunter zwei Einsatzkräfte. Die Zahl der Menschen an Bord variiert zwischen etwa 470 und etwa 500.

Das Wrack, das tagelang vor der albanischen Küste trieb und wegen schlechten Wetters nicht abgeschleppt werden konnte, soll am Freitag im italienischen Brindisi eintreffen. Dort soll überprüft werden, ob in den Decks mehr Opfer sind. Im Inneren der Fähre hatten sich vermutlich Migranten versteckt.

Ein Schlepper zog das Schiff Richtung der italienischen Hafenstadt Brindisi. Die Aktion, die nahe der albanischen Küste begonnen habe, werde abhängig vom Wetter schätzungsweise 15 Stunden dauern, sagte der Eigentümer der Schlepper-Gesellschaft, Giuseppe Barretta, der Nachrichtenagentur AP. In Brindisi soll die Fähre nach weiteren Opfern durchsucht werden. Die Aktion hatte sich wegen Sturms und hoher Wellen verzögert.

Die Vorwürfe der Passagiere der „Norman Atlantic“, die zur griechischen Anek Lines gehörte, werden derweil immer lauter. „Es war wie in der Hölle, die ganze Zeit Rauch, Rauch, Rauch“, sagte eine Überlebende aus München, Ute Kilger, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Crew war nicht anwesend, es gab keinen Ansprechpartner, niemanden, der Informationen hatte, niemanden, der einen beschützt hat.“

Der Kapitän Argilio Giacomazzi wurde nach der Ankunft in Brindisi in der Nacht mehr als fünf Stunden befragt. Gegen ihn und die italienische Reederei Visemar, die das Schiff verchartert hatte, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Herbeiführens einer Havarie. Laut Nachrichtenagentur Ansa erklärte der Kapitän, zunächst - um keine Panik auszulösen - wie vorgesehen die Besatzung alarmiert und dann den Alarm im ganzen Schiff ausgelöst zu haben. Passagiere hatten kritisiert, dass es keinen Alarm auf der Fähre gegeben habe.

Am Donnerstag meldete sich der Kapitän vor Journalisten zu Wort. „Ich bin sehr müde, nennt mich nicht Held“, sagte Giacomazzi in seiner Heimatstadt La Spezia. In Italien war er gelobt worden, weil er als letzter von Bord gegangen war.

Spekuliert wird weiter über die Ursache des Feuers, das im Fahrzeugdeck ausbrach. Dort waren laut Zeugen viele Laster mit Olivenöl geparkt. Mutmaßungen, wonach blinde Passagiere sich mit einem Feuer wärmen wollten und so den Brand auslösten, bestätigten die Behörden bisher nicht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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