Affäre
Neuer Sex-Skandal erschüttert US-Republikaner

Mehr Aufmerksamkeit für einen Ehebruch kann man nicht wecken: Sechs Tage blieb der Gouverneur des US-Bundesstaates South Carolina spurlos verschwunden - um dann am Mittwoch unter Tränen und mit bebender Stimme vor den versammelten US-Medien eine außereheliche Affäre einzugestehen.

HB WASHINGTON. Mark Sanford gehört damit zu den Spitzenpolitikern, die in jüngster Zeit mit Affären und Skandalen die US-Gesellschaft mit ihrem hohen moralischen Anspruch aufschreckten. Ausgerechnet die konservative und stets die „Familienwerte“ hochhaltende Republikanische Partei ist davon besonders betroffen.

„Ich habe eine Menge Menschen enttäuscht“, gestand der 49 Jahre alte Vater von vier Söhnen bei einer von vielen US-Fernsehsendern live übertragenen Pressekonferenz in Columbia ein. Sanford entschuldigte sich ausdrücklich bei seiner Familie, seinem besten Freund, allen „gläubigen Menschen“ und bei „jedem, der in South Carolina lebt“.

Der republikanische Gouverneur verkündete seinen Rücktritt vom Vorsitz der Gouverneursvereinigung seiner Partei; sein Amt als Gouverneur, das vergleichbar ist mit dem eines Ministerpräsidenten in Deutschland, will er weiter ausüben. Allerdings läuft seine zweite Amtszeit im Januar 2011 ab und er wird gemäß der Verfassung seines Staates nicht zum dritten Mal kandidieren können.

Sanfords spurloses Verschwinden löste bei seiner Rückkehr am Mittwoch einen ungeheuren Medienrummel aus. Der 49-Jährige, der bisher als möglicher republikanischer Präsidentschaftsbewerber 2012 galt, hatte sich nach eigenen Angaben klammheimlich nach Buenos Aires in Argentinien verdrückt, um sich vom politischen Stress zu erholen, wie er zunächst behauptete. „Ich wollte etwas Exotisches tun. (...) Es ist eine großartige Stadt“, sagte er einem Reporter der Zeitung „The State“, der ihn am Morgen bei der Rückkehr auf dem Flughafen von Atlanta (Georgia) erwischt hatte.

Auch seine Frau hatte nach eigenen Angaben nicht gewusst, wo er geblieben war. Der braun gebrannte, aber übermüdet und angestrengt wirkende Gouverneur berichtete auf der Pressekonferenz, seine Frau wisse schon seit mehreren Monaten von der Affäre mit der „lieben, lieben Freundin“. Er kenne sie schon seit mehreren Jahren, sagte Sanford, aber erst 2008 habe sich daraus eine Liebesgeschichte entwickelt.

Am Dienstag hatten seine Mitarbeiter noch in einer Presseerklärung mitgeteilt, ihr Chef sei in den nordamerikanischen Appalachen zum Wandern, dann war von einer Kur die Rede. Der Aufruhr um sein Verschwinden sei völlig übertrieben, meinte der Heimkehrer in ersten Stellungnahmen - um dann Stunden später reumütig vor die Presse zu treten.

Vergangene Woche hatte sich der einflussreiche republikanische John Ensign zu einer Affäre mit einer jungen Wahlhelferin bekannt. Sanford und Ensign gehören zu einer Reihe republikanischer Politiker, die mit Sexskandalen die Glaubwürdigkeit der ohnehin politisch angeschlagenen US-Konservativen, die stets die „heilige Institution der Ehe“ preisen, gefährden. Einige von ihnen, wie der Ex-Abgeordnete Mark Foley oder Ex-Senator Larry Craig, waren sogar in homosexuelle Affären verwickelt, obwohl sie sich ihr Leben lang öffentlich sehr wenig freundlich zu sexuellen Minderheiten geäußert haben.

Aber auch die Demokraten haben eine lange Geschichte von Skandalen aller Art. Dazu gehört die Affäre von Ex-Präsident Bill Clinton mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky, der New Yorker Ex-Gouverneur Eliot Spitzer orderte sündhaft teure Prostituierte, Präsidentschaftskandidat John Edwards belog und betrog seine krebskranke Frau. Ein ganz anderes Skandal-Kaliber hat das Verfahren gegen den Ex-Gouverneur Rod-Blagojevich, der jüngst im US-Bundesstaat Illinois versuchte, den freigewordenen Senatssitz von Barack Obama meistbietend zu verhökern.

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