Affäre um Teddy Mohammed
Demonstranten fordern Hinrichtung von britischer Lehrerin

Die Affäre um den Teddybären mit Namen Mohammed erhitzt weiter die Gemüter: In der sudanesischen Hauptstadt Khartum haben am Freitag tausende Demonstranten die Hinrichtung einer britischen Lehrerin gefordert. Die Demonstranten versammelten sich vor dem Präsidentenpalast und riefen „Schande über Großbritannien“ und „Keine Toleranz: Hinrichtung“.

HB KHARTUM.Ein Gericht hatte die Lehrerin am Donnerstag zu 15 Tagen Haft verurteilt, weil in ihrem Unterricht ein Teddybär nach dem Propheten Mohammed benannt worden war. Sie soll nach Verbüßung der Strafe abgeschoben werden. Einige der Demonstranten trugen Schlagstöcke, Messer und Äxte bei sich, allerdings keine automatischen Waffen – ein Hinweis darauf, dass die Demonstration nicht von der Regierung organisiert wurde. Sie verbrannten Bilder der Lehrerin und zogen auch vor die zwei Kilometer entfernte Schule, in der sie unterrichtet hatte. Bei dem Versuch, vor der britischen Botschaft zu protestieren, wurden sie von Sicherheitskräften gestoppt. Die Kundgebung endete nach rund einer Stunde.

Während der Freitagsgebete hatte der Geistliche in der größten Moschee der Stadt die Lehrerin scharf verurteilt. „Diese Dame zu inhaftieren stillt nicht den Durst der Muslime im Sudan“, erklärte der bekannte Hardliner. „Aber wir begrüßen die Inhaftierung und Ausweisung.“ Gibbons sei eine arrogante Frau, die Hass auf den Propheten Mohammed gelehrt habe. Der Geistliche rief aber nicht Protesten auf.

Die Verurteilung der Lehrerin galt als ein Versuch der Regierung in Khartum, die Fundamentalisten des Landes zufriedenzustellen, dabei aber gleichzeitig den Ärger London abzuwenden. Gibbons hätte dem Gesetz zufolge mit bis zu 40 Peitschenhieben und sechs Monaten Gefängnis bestraft werden können.

Großbritannien bemühte sich unterdessen auf diplomatischem Weg um eine Lösung der Krise. Premierminister Gordon Brown sprach mit einem Angehörigen der Lehrerin und übermittelt ihm sein Bedauern, wie eine Sprecherin des Regierungschefs erklärte. Außenminister David Miliband hatte bereits am Donnerstagabend den sudanesischen Botschafter einbestellt und ihn darüber informiert, dass London enttäuscht sei von dem Urteil gegen Gibbons. Die britischen Muslime kritisierten das Vorgehen gegen die Lehrerin. Der Generalsekretär des Muslimischen Rates in Großbritannien, Muhammad Abdul Bari, warf den sudanesischen Behörden eine Überreaktion vor.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%