Afghanistan
Gewalt bei Protesten gegen Koran-Schändung

Auch nach der Absage der Koran-Verbrennung in den USA ist es in Afghanistan zu Protesten aufgebrachter Muslime gekommen, die in Gewalt eskaliert sind. Afghanische Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer auf die Menge. Der radikale evangelikale Pastor sagte die Koran-Verbrennung erneut ausdrücklich ab.
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HB PUL-E-ALAM/WASHINGTON/NEW YORK. In der Provinz Logar südlich von Kabul wurden nach Angaben der örtlichen Regierung am Samstag fünf Menschen verletzt, als die Sicherheitskräfte das Feuer auf Demonstranten eröffnete. Ein Sprecher der Regierung sagte, die Menge in der Stadt Pul-e-Alam habe versucht, in einige offizielle Gebäude einzudringen. Die Demonstranten hätten unter anderem das Ministerium für Frauenfragen mit Steinen beworfen. In der Provinz Badachschan gingen den zweiten Tag in Folge Tausende Menschen auf die Straße. Ein Nato-Sprecher sagte, die Militärstützpunkte der Isaf-Schutztruppe seien diesmal nicht betroffen. Am Vortag war ein Demonstrant vor einem Bundeswehrstützpunkt erschossen worden.

Radikaler US-Pastor sagt Koran-Verbrennung endgültig ab

Der Pastor Terry Jones von einer kleinen Christengruppe in Florida hatte ursprünglich angekündigt, am Jahrestag der Anschläge vom 11. September Korane zu verbrennen. Damit sollte der Islam als eine "gewaltsame und repressive Religion" entlarvt werden. Jones sagte die Aktion am Freitag ab. Am Samstag erklärte er dem Sender NBC: "Wir werden definitiv den Koran nicht verbrennen." Politiker, Geistliche aller großen Religionen und Militärs weltweit hatten die Ankündigung in den vergangenen Tagen scharf verurteilt.

In den vergangenen Tagen hatte Jones mit mehrdeutigen und widersprüchlichen Äußerungen über die angekündigte Aktion am Jahrestag der Anschläge vom 11. September große Verwirrung ausgelöst.

Seine Pläne für die Verbrennung von rund 200 Koran-Ausgaben auf dem Gelände seiner winzigen Gemeinde in Gainesville (Florida) hatten weltweit Empörung ausgelöst. Unter anderem riefen US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, islamische Führer und die Vereinten Nationen den Pastor und seine knapp 50 Gemeindemitglieder auf, die Aktion aufzugeben.

Zuvor hatte Jones in New York für Wirbel gesorgt. Der Fanatiker war am Freitagabend von Florida aus in die Millionenmetropole geflogen. Nach seiner Landung sei es am Flughafen La Guardia zu einem beispiellosen Polizeieinsatz gekommen, berichtete der Fernsehsender ABC. Ein Flughafenterminal sei praktisch komplett geräumt worden, berichtete eine Reporterin des Senders.

New Yorks Polizeichef Raymond Kelly sagte dem Fernsender CNN am Samstag, man werde Jones, der bis Montag in New York bleiben wolle, auf Schritt und Tritt beobachten. Als Begründung gab er an, die Polizei sei besorgt um die Sicherheit des Pastors.

Jones hatte angekündigt, er wolle sich mit New Yorker Imam Feisal Abdul Rauf treffen. Dieser solle ihm bestätigen, dass eine umstrittene Moschee nicht in der Nähe des Orts der Anschläge vom 11.

September gebaut werde. Damit hatte Jones seinen Verzicht der Koran- Verbrennung begründet. Allerdings habe er keinen Termin bei dem für das Projekt zuständigen Imam bekommen, sagte Jones. Rauf hatte auch entschieden bestritten, sich mit dem Pastor darauf geeinigt zu haben, die Moschee an einem anderen Ort zu errichten.

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