Airbus-Absturz über dem Sinai
Airline und Ermittler widersprechen sich

Die über der Sinai-Halbinsel abgestürzte russische Passagiermaschine gibt weiter Rätsel auf. Während die Fluggesellschaft erklärt, die Absturzursache müsse von außen kommen, schließen Ermittler wohl genau das aus.

MoskauDas im Sinai abgestürzte Passagierflugzeug aus Russland wurde nach Angaben aus Ermittlerkreisen nicht von außen getroffen. Einer ersten Auswertung des Flugschreibers zufolge setzte der Pilot auch keinen Notruf ab, bevor die Maschine vom Radar verschwand, sagte ein Insider am Montag. Die russische Fluggesellschaft Metrojet schloss einen technischen Defekt oder ein Versagen der Besatzung aus. Als einzige Ursache komme ein anderer "technischer oder physikalischer Vorgang" infrage. Um was es sich dabei handeln könne, müssten die Ermittler herausfinden.

Aus dem Ermittlungsteam wurden zunächst keine weiteren Einzelheiten bekannt. In Luftfahrtkreisen hieß es, die Auswertung der Flugschreiber durch ägyptische, russische und französische Experten laufe noch. Der Airbus A321 war am Samstag kurz nach dem Start vom Flughafen des Badeorts Scharm el-Scheich abgestürzt. Ersten Erkenntnissen zufolge zerbrach die Maschine in der Luft. Alle Insassen kamen ums Leben.

„Das Flugzeug war in einem hervorragenden Zustand“, erklärte Alexander Smirnow, Vize-Generaldirektor der Metrojet-Mutter Kogalymavia. „Wir schließen aus, dass es ein technisches Problem gab oder die Besatzung einen Fehler gemacht hat.“ In den bis Montagmittag veröffentlichten Unterlagen fand sich kein Hinweis auf technische Probleme. Kogalymavia zufolge wurden die Triebwerke am 26. Oktober getestet. Der in Irland registrierte Jet erhielt in diesem Jahr von den dortigen Behörden ein Lufttüchtigkeitszeugnis.

Ein Sprecher des russischen Präsidialamts erklärte auf die Frage nach einem etwaigen Anschlag, bislang könne keine Ursache ausgeschlossen werden. Zwar haben sich Verbündete der Extremistenmiliz Islamischer Staat zu einem Anschlag bekannt. Experten zweifeln jedoch, dass sie in der Lage sind, einen Jet in fast zehn Kilometern Höhe abzuschießen.

Am Pulkowo-Flughafen in St. Petersburg trafen die ersten Leichen an Bord einer Regierungsmaschine ein. Sie wurden von Gerichtsmedizinern untersucht. Ein weiterer Flug soll am Abend Kairo verlassen. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte der Nachrichtenagentur Itar-Tass, es müsse alles getan werden, damit man sich ein objektives Bild vom Unglück machen könne.

Keiner der 224 Insassen überlebte den Absturz der Maschine 23 Minuten nach dem Start im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich. Ziel war St. Petersburg, wohin am Montag auch die Opfer zur Identifizierung gebracht wurden. Mit einer Regierungsmaschine wurden am Montagmorgen 140 Leichname überstellt. Der russische Notfallminister Wladimir Putschkow sagte, ein weiteres Flugzeug würde am späten Abend die sterblichen Überreste der übrigen Toten zurückzubringen. Bis dahin sollte die Suche nach den Leichen abgeschlossen sein.

Neben russischen Experten sind auch Ermittler aus Frankreich, Deutschland und vom Flugzeugbauer Airbus in Ägypten, um die Ursache des Unglücks zu klären. Klarheit könnten die Flugschreiber der Maschine schaffen. Diese sollen in gutem Zustand sein.

219 der 224 Insassen der Maschine waren Russen. Flaggen wehten am Montag im ganzen Land auf halbmast. Präsident Wladimir Putin rief einen nationalen Tag der Trauer aus. In St. Petersburg, der Heimatstadt vieler der Opfer, dauert eine dreitägige Trauerphase noch bis Dienstag.

dpa 
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