Aktienemissionen
Börsengänge werden 2006 zum Renner

Die deutschen Banken haben zahlreiche Aktienemissionen in der Pipeline. Das verspricht hohe Provisionen. Die Investmentbanker hören schon die Kassen klingeln.

FRANKFURT. 2005 werden die Banken schätzungsweise rund 400 bis 420 Mill. Euro an Provisionen verdienen. "Das kann im nächsten Jahr deutlich mehr sein, wenn das Börsenklima stimmt und die erhofften großen Börsengänge kommen", sagt ein Banker.

Dann müssten allerdings die erwarteten bis zu 30 Unternehmen, mit denen Berater wie Volker Fitzner von Pricewaterhouse Coopers rechnen, den Weg in das Top-Segment der Deutschen Börse, den Prime Standard, finden. Im laufenden Jahr wird die Zahl der Aktienemissionen (IPO) in diesem Segment vermutlich bei 14 stehen bleiben. "Die Dax-Entwicklung treibt die IPO-Entwicklung", sagt Fitzner. Aktienstrategen wie Roland Ziegler von der BHF-Bank sehen ein Dax-Ziel von 6 000 Punkten im kommenden Jahr durchaus als erreichbar an. Das wäre ein Plus von 15 Prozent.

Die Verdoppelung der Börsengänge im kommenden Jahr lässt allerdings keine direkten Rückschlüsse auf das künftig Prämienaufkommen zu. Denn der Wettbewerb in Deutschland ist deutlich härter geworden. Wegen der verschärften Konkurrenzlage könne es sich jedoch kein Spieler erlauben, trotz niedriger Gebühren bei einer Transaktion nicht dabei zu sein, stimmen die großen Spieler bei Neuemissionen überein.

Angesichts der derzeitigen Situation würden im Durchschnitt nur noch 2,50 bis 2,75 Prozent des Emissionsvolumens an die begleitenden Institute ausgeschüttet, wenn die Börsengang in einer Größenordnung von 100 bis 200 Mill. Euro liege, klären Banker auf. Dazu kommen noch ein Erfolgshonorar durch die Unternehmen, die an die Börse gehen. Das liege oftmals bei etwa einem halben Prozentpunkt.

Die niedrigen Provisionen schrecken inzwischen auch große Investmentbanken wie die Deutsche Bank, Morgan Stanley oder Credit Suisse First Boston (CSFB) nicht mehr ab. Sie sind in diesem Jahr selbst bei kleinen Emissionen von unter 100 Mill. Euro mit von der Partie, obwohl sie sich für sie nicht rechnen. Da sie größere Mannschaften für Börsengänge vorhielten und nicht genug Transaktionen in Deutschland liefen, seien sie aber selbst bei Mini-Emissionen dabei, urteilt ein Investmentbanker.

Große Börsengänge von über einer Milliarde Euro sind zwar wegen des Volumens deutlich attraktiver für die Konsortialbanken. Hier müssen sich die Institute nach Einschätzung von Bankern jedoch mit einer Provision begnügen, die insgesamt nur noch 1,5 bis zwei Prozent gemessen am Emissionsvolumen ausmacht. Doch damit können sie sich noch glücklich schätzen. Electricité de France (EdF) zahlte den Investmentbanken, die die gut sechs Mrd. Euro schwere Privatisierung im November an die Börse begleiteten, nur Gebühren von 0,8 Prozent. Das sind nach Einschätzung von Bankern die niedrigsten Provisionen, die in Europa in den letzten Jahren für die Begleitung eines Börsengang bezahlt wurden. Dagegen sind die USA für die Banken noch immer ein Eldorado, wenn es um Aktienemissionen geht. Doch auch dort geraten die Provisionen unter Druck. Sie sind im Durchschnitt mit fünf bis sechs Prozent aber immer noch doppelt so hoch wie in Deutschland.

Durch die Belebung des IPO-Sektors dürfte sich im kommenden Jahr auch das Personalkarussell bei den Investmentbanken wieder deutlich schneller drehen. "Wir sehen eine deutlich Belebung im gesamten M&A-Sektor", sagt Tim Zühlke, Headhunter bei der Personalberatung Smith & Jessen in Frankfurt. Gerade Banker mit einer Berufserfahrung von zwei bis fünf Jahren seien derzeit besonders gefragt. Das Problem ist allerdings, dass gerade diese Experten schwer zu finden ist, weil die Banken in den schwachen Jahren 2002 bis 2004 massiv Personal in diesem Bereich abgebaut haben.

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