Aktion gegen Anti-Lanz-Petition: Nuhr eine Petition

Aktion gegen Anti-Lanz-Petition
Nuhr eine Petition

Das Netz hetzt gegen Lanz: In einer Petition fordern Zehntausende die Entlassung des Moderators. Kabarettist Dieter Nuhr nahm dies zum Anlass für eine Gegenaktion. Doch Ironie scheint bei „Open Petition“ nicht erwünscht.
  • 17

BerlinDie Kritik an Markus Lanz reißt nicht ab. Auch während und nach seiner „Wetten dass“-Sendung am Samstag lästerten etliche Nutzer auf Facebook und Twitter über seine Moderation. Die Online-Petition für die Absetzung des Showmasters sammelte auch am Wochenende weiter fleißig Stimmen, inzwischen ist die Grenze von 200.000 Unterschreibern geknackt. Anlass für die Petition war eine Sendung mit Sahra Wagenknecht gewesen. Lanz hatte die Linken-Vize in dem Gespräch mehrfach unterbrochen – zu oft nach Meinung der Netzgemeinde: In einer Petition forderten Zehntausende binnen kürzester Zeit den Rauswurf von Markus Lanz.

Der Kabarettist Dieter Nuhr reagierte auf ironische Art und Weise auf das Geschehen: Er startete am Sonntag seine eigene digitale Unterschriftensammlung. „Gegen digitales Mobbing, binäre Erregung und Onlinepetitionswahn“ lautete der Titel der Petition. Der Grund für Nuhrs Aktion: Er fände die „Returntastendrückerrevolutionäre nur noch peinlich“, schrieb der Kabarettist auf Twitter.

Auf der Plattform „Open Petition“ ging kurz darauf sein Gegen-Projekt online. In der Beschreibung stand, Nuhr wolle zum „König des Internets“ erklärt werden und dann bestimmen, wer sich äußern dürfe und wer nicht. Im Netz sei der „digitalen Mobbildung und der allgemeinen Verbreitung des gesunden Volksempfindens keine Grenzen mehr gesetzt“, schrieb Nuhr auf der Plattform. Verantwortliches Zusammenleben sei aber nur möglich, „wenn jeder für sein Tun haftbar gemacht werden kann“. „Die Rückgewinnung zivilisatorischer Grundgesetze ist deshalb nur durch Einsetzung eines guten König zu erreichen“, schrieb Nuhr nicht ganz ironiefrei.

Doch der Rückschlag folgte schnell: Nach nur wenigen Stunden löschte das Portal die Petition – wegen „Missachtung der Nutzungsbedingungen“. Die Nutzungsbedingungen sehen es demnach vor, „Spaß- und Troll-Petitionen“ von der Webseite zu verbannen. In diesen Bereich zählte für „Open Petition“ auch Nuhrs Experiment.

Der Komiker fühlte sich prompt in seiner Meinungsfreiheit eingeschränkt:

Doch das Netz wäre nicht das Netz, wenn es nicht auch für dieses Problem eine Lösung bereit hielte: Ein Nutzer eröffnete prompt eine Petition für Nuhrs Petition. Die hatte am Montagmorgen bereits rund 500 Unterstützer.

Übrigens müssten laut den Nutzungsbedingungen von „Open Petition“ auch beleidigende Unterschriftensammlungen von der Plattform verschwinden. Die Online-Petition für die Absetzung von Markus Lanz zählt für das Portal scheinbar nicht dazu.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Aktion gegen Anti-Lanz-Petition: Nuhr eine Petition"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer beschwert sich eigentlich über Wagenknechts Äußerung auf die Frage, was sie einer Mutter sagen würde, deren Kind am 20.5.`89 an der Mauer erschossen wurde? Zur Erinnerung, Frau Witschaftsgenie sagte: "Sie hätte ihren Sohn besser erziehen sollen."

  • Nichts gegen unbequeme Fragen, die sind ja (eigentlich) der Sinn solcher Labershows (vulgo Talkshow) ... Aber, wie auch in einem anderen Beitrag hier im HB vom Autor erkannt, stellt Lanz die Fragen nur, hat aber gar kein Interesse an Antworten. Wozu also stellt er die Fragen dann? Dieses uninteressierte Gelaber bei seiner Abendshow, wie auch bei "Wetten dass...?" wird wohl noch mehr Leute auf die Palme bringen und das Staatsfernsehen immer stärker in Erklärungsnöte, wieso man eigentlich Rundfunksteuer zahlen soll.
    Ein anderes Blatt beschrieb den megapeinlichen Auftritt gegen die Wagenknecht zusammen mit dem "Journalisten" Jörges übrigens unter der Überschrift: "Hinrichtung gescheitert" - das sagt wohl alles. (Wohlgemerkt - dieses andere Blatt ist stockkonservativ, nicht "kommunismusverdächtig"!!)

  • Die Sperrung zeigt doch dass Herr Nuhrs Forderung bereits in die Tat umgesetzt wird. Im Petitionstext will er sich zum König des Internets. Das kann man nicht ernst nehmen also wird es gesperrt, genau wie die Anti Nuhr Petition. Wo die Petition gegen Lanz beleidigend war, muss man mir noch erklären

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%