Aktion: „Nimmst du mein Tier, nehme ich deinTier“
Pünktlich zum Urlaub beginnt das Leiden der Haustiere

Ausgesetzt, verlassen, weggeworfen wie unnützer Hausrat: Namenlose Hunde und Katzen schauen verwirrt und traurig aus ihren Zwingern. Sie sind dem Familienurlaub zum Opfer gefallen.

HB/dpa HAMBURG. Im Hamburger Tierheim des Tierschutzvereins von 1841 in der Süderstrasse, der einzigen amtlichen Annahmestelle für herrenlose Tiere in der Hansestadt, sind jedes Jahr zu Ferienbeginn die Zwinger voll und die 80 Mitarbeiter überlastet. Für Geschäftsführer Wolfgang Poggendorf unfassbar: „Pünktlich zur Urlaubszeit geben die Menschen ihre Haustiere ab. Und immer wieder finden wir ausgesetzte Hunde an der Autobahn.“

Ein anhaltender Trend - die letzte Statistik des deutschen Tierschutzbundes (2000) beweist: 60 Prozent der Hunde und 40 Prozent der Katzen, die jedes Jahr in Tierheimen aufgenommen werden, sind „Urlaubstiere“.

Jahr für Jahr wiederholt sich die Herzlosigkeit: Gut 70 Prozent der insgesamt 12 000 vom Hamburger Heim betreuten Tiere werden zwischen Juni und September gebracht. Zwei Drittel von ihnen waren ausgesetzt, die anderen aus familiären oder beruflichen Gründen abgegeben worden. Mit der Aktion „Nimmst du mein Tier, nehme ich dein Tier“ wirbt der Deutsche Tierschutzbund seit zehn Jahren dafür, dass Tierhalter sich gegenseitig bei der Pflege ihrer Lieblinge im Urlaub helfen. Aus Egoismus oder Geldknappheit werden dennoch jedes Jahr eine Viertelmillion Tiere in Deutschland ausgesetzt. Wolfgang Apel, Präsident des Tierschutzbundes, glaubt an den Erfolg der Aktion: „Wir wissen nicht wie es wäre, wenn die Aktion nicht laufen würde.“

In der Süderstraße wurden am ersten Ferienwochenende mehr als 90 Tiere aufgenommen, über die vergangene Woche verteilt sogar über 100 Katzen und 50 Hunde. „Das entspricht einer Steigerung von über einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Poggendorf. Der Geschäftsführer des Vereins macht eine allgemeine Verrohung der Gesellschaft dafür verantwortlich: „Schon vor den Ferien jammern die Menschen über die hohen Tierarzt- oder Spezialfutterkosten. Für den Urlaub auf Mallorca ist aber das Geld da.“

Viele Hundebesitzer schrecken vor Drohungen nicht zurück, um ihre Tiere loszuwerden. „Die Leute drohen, das Tier auszusetzten, falls wir es nicht aufnehmen. Das Aussetzen oder Misshandeln von Tieren ist eine Straftat, die von der Staatsanwaltschaft verfolgt wird“, sagt Poggendorf. Der Tierschützer gibt sich resolut: „Wir haben die Namen dieser Menschen und die Beschreibung ihrer Tiere. Wenn Hund oder Katze bei uns ankommen, suchen wir nach dem Besitzer. Wir haben eine Erfolgsquote von fast 20 Prozent.“

Dabei hätten dem Schäferhundwelpen, der angeleint gefunden wurde, der Ringelnatter, die in ihrem Behälter unter der Bank einer Bushaltestelle lag, und der Katzenmutter mit drei Babys im Karton dieses Schicksal erspart bleiben können. Die tierfreundliche Alternative ist einfach und heißt Tierpension: Für 5 bis 16 Euro pro Tag genießen auch Vierbeiner den Urlaub.

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