Aldi-Erbin im Achenbach-Prozess
„Wir wollten keinen Albrecht-Aufschlag zahlen“

Finale im Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach: Als Zeugin erscheint die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht. Sie hatte Achenbach vor Gericht gebracht. In die Details war sie aber nicht eingeweiht.
  • 0

EssenKirchner, Gerhard Richter und Picasso - im Betrugsprozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach hat die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht einen Einblick in das Millionengeschäft mit Kunst gegeben. Unter großem Medienandrang sagte Babette Albrecht, die einst gut befreundet mit dem angeklagten Achenbach war, am Montag vor dem Landgericht Essen aus.

Die Aldi-Familie, die zu den reichsten Familien Deutschlands zählt, gilt als äußerst verschwiegen und zurückgezogen. Und nach eigenen Angaben war die Milliardärs-Witwe in Details nicht eingeweiht. Die Staatsanwaltschaft wirft Achenbach vor, den 2012 gestorbenen Berthold Albrecht bei Kunst- und Oldtimerverkäufen um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben.

Babette Albrecht (54) hatte nach dem Tod ihres Mannes die Rechnungen prüfen lassen. Eine Strafanzeige der Familie Albrecht hatte die Ermittlungen gegen den bekanntesten Kunstberater Deutschlands in Gang gebracht. Die Geschäftsbeziehung sei auf „Vertrauensbasis“ gelaufen, sagte Babette Albrecht. Es habe keinen schriftlichen Vertrag mit Achenbach gegeben.

Mündlich vereinbart worden sei eine fünfprozentige Provision, sagte die 54-Jährige. „Das heißt, das war kein Freundschaftsdeal, sondern schon Geschäft.“ Sie sei aber nicht in die Preisvereinbarungen zwischen Berthold Albrecht und Achenbach einbezogen gewesen. Ihr verstorbener Mann habe die Rechnungen immer selbst bezahlt.

Insgesamt hatte Achenbach 28 hochkarätige Kunstwerke innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren an Albrecht verkauft, unter anderem Bilder von Kokoschka, Kirchner, Picasso und Gerhard Richter. In 14 Fällen soll Achenbach laut Anklage nicht abgesprochene Preisaufschläge vorgenommen haben.

Achenbach sollte als Berater und Fachmann „den bestmöglichen Preis ergattern“, sagte Babette Albrecht. „Wir wollten doch keinen Albrecht-Aufschlag zahlen.“ Achenbach sitzt seit Juni 2014 in Untersuchungshaft. Er hatte in einem Teilgeständnis eingeräumt, teilweise „unberechtigte Aufschläge“ bei den Kunstverkäufen an seinen Duzfreund Albrecht vorgenommen und Rechnungen eigenhändig manipuliert zu haben. Bei den Oldtimergeschäften will er Albrecht über die Millionenaufschläge vorab informiert haben.

Seite 1:

„Wir wollten keinen Albrecht-Aufschlag zahlen“

Seite 2:

„So entwickelte sich eine ganz nette Freundschaft“

Kommentare zu " Aldi-Erbin im Achenbach-Prozess: „Wir wollten keinen Albrecht-Aufschlag zahlen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%