Alle Geiseln in malischer Obhut
Sahara-Touristen sind endlich frei

Die Sahara-Geiseln sind nach Angaben der malischen Regierung frei und befinden sich in malischer Obhut. Ein Sprecher des malischen Präsidialamts sagte am Montagabend der Nachrichtenagentur Reuters in der Hauptstadt Bamako: „Wir bestätigen offiziell, dass sie freigelassen worden sind, alle Geiseln.“

Reuters BAMAKO/BERLIN. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Jürgen Chrobog, sprach in Bamako von einem großartigen Tag. Die Deutschen unter den Entführten sollen Dienstagnacht nach Deutschland zurückkehren. Der malischer Sprecher sagte nicht, wo sich die neun Deutschen, vier Schweizer und ein Niederländer befanden. Eine libysche Stiftung spielte nach eigenen Angaben eine wichtige Rolle bei der Freilassung der seit knapp sechs Monaten festgehaltenen Touristen.

„Das ist ein großartiger Tag für uns, ein großartiger Tag auch für die Bundesregierung“, sagte Chrobog im ZDF „heute journal“. „Wir erwarten sie hier, sie werden zurückgeholt ... aus Gao, und morgen vom (malischen) Präsidenten (Amadou Toumani Toure) empfangen und verabschiedet werden. Und dann werden wir hoffentlich morgen Nacht zurückfliegen nach Köln-Bonn.“ Ihm sei von der malischen Regierung gesagt worden, dass die Geiseln wohlauf seien. Chrobog sagte, er habe selbst noch keine Einzelheiten zur Freilassung.

Malis Regierung hatte am Montagmorgen die Hoffnung geäußert, die Entführten könnten noch im Laufe des Tages frei kommen. Demnach sollten sie zunächst zur Grenzstadt Tessalit gebracht werden, bevor sie nach Gao und dann nach Bamako geflogen werden würden. Ein zunächst von Bamako nach Gao aufgebrochenes deutsches Flugzeug kehrte im Laufe des Tages ohne die Geiseln zurück. In Diplomatenkreisen hieß es, die Maschine könne nach Einbruch der Dunkelheit nicht dorthin fliegen, wo die Geiseln seien. Chrobog war am Sonntagnachmittag in Bamako eingetroffen.

Medien hatten unter Berufung auf malische Kreise berichtet, es sei ein Lösegeld von rund 4,6 Millionen Euro vereinbart worden, das von der malischen Regierung gezahlt werden solle. Das Geld solle später in Form von deutscher Entwicklungshilfe zurückfließen. Der außenpolitischen Sprecher der Grünen- Fraktion, Ludger Volmer, hatte sich nicht dazu geäußert, ob von Deutschland Lösegeld gezahlt wurde. Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte, die Bundesregierung lehne die Zahlung von Lösegeld grundsätzlich ab.

Ursula Grüne, die Mutter des Entführten Christian Grüne, sagte Reuters am späten Montagabend, sie habe noch keine Bestätigung erhalten. „Wir warten. Wollen wir hoffen, dass morgen oder übermorgen etwas kommt - lieber Morgen“, sagte sie. Zu der Frage, ob sie erleichtert sei, sagte sie: „Nein, im Moment nicht. Kommen Sie in acht, zehn oder 14 Tagen wieder. Im Moment bin ich dazu nicht fähig.“

Die Sahara-Urlauber waren zusammen mit anderen Touristen vor rund sechs Monaten vermutlich von radikalen Moslems in Algerien verschleppt worden. Eine erste Geisel-Gruppe kam im Mai frei. Eine deutsche Geisel der zweiten Gruppe war Ende Juni an Erschöpfung gestorben. Die Entführer sollen der radikal- islamischen Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) angehören. Sie kämpft für einen islamischen Religionsstaat in Algerien. Während ihrer Gefangenschaft waren die Europäer in der Wüste Temperaturen von 45 Grad ausgesetzt und wurden von ihren Entführern offenbar immer wieder an andere Orte gebracht.

Die Internationale Gaddafi Stiftung spielte nach eigenen Angaben eine wichtige Rolle bei der Freilassung. Eine Gruppe Libyer habe in Abstimmung mit der malischen Regierung Kontakt mit den Entführern hergestellt, sagte ein Sprecher Reuters: „Am 7. August haben die Entführern an die Stiftung Forderungen übermittelt, die wir an die betroffenen Regierungen weitergeleitet haben.“ Details nannte er nicht. Auch Angaben zur Lage der Entführten machte er nicht. Zuvor hatte die Stiftung erklärt, an der Befreiung sei auch der Bundesnachrichtendienste (BND) beteiligt gewesen. Dabei sei es einem Mitarbeiter der Stiftung gelungen, die Höhe des Lösegeldes zu reduzieren. Der BND äußerte sich nicht zu der Darstellung. Die Stiftung ist nach dem libyschen Staatschef Muammar Gaddafi benannt. Libyen hatte bei der Freilassung von auf den Philippinen verschleppten Geiseln eine wichtige Rolle gespielt.

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