Allensbach-Studie
Die meisten Menschen bauen auf ihre Familie

Allen gesellschaftlichen Umbrüchen zum Trotz ist die eigene Familie für die Allermeisten immer noch der wichtigste Rückhalt. Gerade wenn es hart auf hart kommt, vertraut kaum einer auf Vater Staat, sondern hofft auf sein Familiennetz von Eltern, Kindern und Geschwistern.

HB BERLIN. Die Mehrheit baut vielmehr darauf, vom Netz aus Eltern, Kindern und Geschwistern aufgefangen zu werden, und webt auch selbst kräftig an diesem Netz. Das geht aus dem „Generationen-Barometer 06“ hervor, das das Institut für Demoskopie Allensbach am Dienstag in Berlin vorstellte.

Ein „Generationenkrieg“ findet demnach so nicht statt: Dass die Älteren auf Kosten der Jungen lebten, glaube nur eine Minderheit der Jüngeren, erklärte Allensbach-Chefin Renate Köcher. Vielmehr gewinne der Generationenverbund als Garant von Sicherheit zunehmend an Bedeutung. „Die Familie ist besser als ihr Ruf“, sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Sie werde vor allem in Notsituationen immer wichtiger, „obwohl sie kleiner und bunter wird“.

Dabei erweitert sich der Familienbegriff, wie Köcher schilderte: Über den engen Kern hinaus würden zunehmend auch Onkel, Tanten, Kusinen und andere Verwandte in den Kreis derer mit einbezogen, mit denen man in besonderer Solidarität verbunden ist.

Das eigene Erleben jedoch unterscheidet sich deutlich von der Einschätzung der anderen und den Erwartungen an die Zukunft. Da zeige sich ein „relativ düsteres Zukunftsszenario“, berichtete Köcher. In den nächsten zehn Jahren erwarte die Mehrheit zunehmende soziale Unterschiede, mehr Vereinsamung und Egoismus bei weniger Zusammenhalt und Sicherheit.

Nur jeder Dritte ist überzeugt, dass die meisten Familien einen starken Zusammenhalt haben und damit auch als Solidargemeinschaft funktionieren. Bei sich selbst dagegen schätzen 84 Prozent den Zusammenhalt in ihrer engeren Familie als stark ein, 42 Prozent auch im weiteren Verwandtenkreis. Darauf vertrauen sie verstärkt auch in Notsituationen: Bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder im Alter bauen 51 Prozent der Bevölkerung am ehesten auf ihre Familie. 32 Prozent verlassen sich auf sich selbst, und nur sieben Prozent erwarten Hilfe vom Staat.

Für die Allermeisten ist die Familie vor allem ein Verbund von Menschen, die sich gegenseitig helfen (82 Prozent), auf die man bauen und vertrauen kann (78 Prozent) und für die man selbst auch Opfer bringen würde (69 Prozent). Dabei wird die Solidarität nicht als Einbahnstraße betrachtet; die Mehrheit akzeptiert eine Verpflichtung der Älteren gegenüber den Jüngeren und umgekehrt.

Bei den jungen Familien profitieren 82 Prozent zumindest gelegentlich von materieller Unterstützung der Älteren, 92 Prozent von anderer Hilfe wie Kinderbetreuung. Umgekehrt greifen sie den Eltern mit Hilfe im Haushalt, Versorgung bei Krankheit und sonstigen Handgriffen unter die Arme. Grundsätzlich hoch ist auch die Bereitschaft, zumindest teilweise die Pflege von Angehörigen zu übernehmen: 47 Prozent der unter 55-Jährigen könnten einen Beitrag zur Pflege ihrer Eltern leisten, sieben Prozent trauen sie sich ganz zu.

Zur „Problemgruppe“ dürften sich Köcher zufolge die älteren kinderlosen Singles entwickeln, deren Zahl in den nächsten Jahrzehnten stark zunehmen wird. Sie verfügen der Untersuchung zufolge in der Regel nicht über ein tragfähiges privates soziales Netz. So sind bei den über 50-jährigen Familienmenschen 77 Prozent sicher, sich in schwierigen Situationen auf die Hilfe ihrer Angehörigen verlassen zu können, aber nur 32 Prozent der älteren Alleinstehenden ohne Kinder. Zwei Drittel der älteren kinderlosen Singles sind überzeugt, dass sie in Krankheit und Alter auf sich selbst angewiesen sind.

Für die Untersuchung führte Allensbach im März 2 608 Interviews, repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren.

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