Allerheiligen in Polen
Vom Stress, der Toten zu gedenken

In Polen ist Allerheiligen nicht irgendein Feiertag. An diesem Tag wird dort der Toten gedacht - und die Gräber für den Winter bereit gemacht. Das sorgt für Reisewellen, Staus und Lieferengpässen bei Kerzen.
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WarschauDanuta und Stanislaw Mirowski hatten ihren Kurzurlaub nach Ägypten sorgfältig geplant. „Am 24. Oktober sind wir wieder zurück“, rechnet der Warschauer Ingenieur einige Wochen im Vorfeld vor. „Da bleibt uns immerhin eine Woche, die Gräber vorzubereiten.“ Seine Frau nickt bestätigend. „Da schaffen wir noch alles bis Allerheiligen.“

Am 1. November wird in Polen der katholische Feiertag Allerheiligen begangen. Der Tag, an dem der Toten gedacht wird und die Gräber für den Winter abgedeckt werden. Ehe der lange Winter kommt - grau, kalt und ziemlich trostlos - pilgern die Polen noch einmal zu den Gräbern, stellen Kerzen auf und versichern den verstorbenen Angehörigen und Freunden, dass sie nicht vergessen sind. Das will gut vorbereitet sein.

Der Feiertag will vorbereitet werden. Schon jetzt haben sich alle großen Supermarktketten mit Sonderaktionen für den Ansturm gewappnet: Kerzen und Grablichter in allen Größen, Farben und Formen stehen auf Paletten gestapelt. Rentner warten gebückt unter der Last der Ewigen Lichter an den Kassen. Die 78-jährige Justyna Kaminska zählt noch einmal in Gedanken schnell durch, ob der Vorrat in ihrem Warenkorb auch wirklich reicht. „In unserem Alter werden die Gräber schließlich immer mehr, und es bleiben immer weniger, die sie schmücken können“, seufzt sie.

Viele jüngere Polen stehen ebenfalls vor logistischen Problemen. Sie mögen seit Jahren oder Jahrzehnten in den Großstädten des Landes leben - aber zu Allerheiligen ist der Besuch an den Familiengräbern Pflicht. Nicht ganz einfach, wenn ein Ehepartner aus dem westpolnischen Zielona Gora stammt und der andere aus Allenstein oder Bialystok im Osten. Notfalls muss der eine oder andere Urlaubstag genommen werden, um auch auf jedem Grab eine Kerze aufzustellen.

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