Alpenmord
Radfahrer soll nicht im Visier des Killers gewesen sein

Nach dem mysteriösen Vierfachmord in den Alpen wird weiter ermittelt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die britische Familie und nicht ein französischer Radfahrer das Ziel des Killers war.
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GrenobleBei den Ermittlungen um den mysteriösen Vierfachmord in den französischen Alpen gehen die Behörden weiter davon aus, dass die britische Familie al-Hilli Ziel des brutalen Angriffs war. „These Nummer eins“ sei nach wie vor, dass der am 5. September ebenfalls ermordete französische Radfahrer Sylvain Mollier zufällig zum Opfer wurde, sagte Staatsanwalt Eric Maillaud am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Mollier sei höchstwahrscheinlich einfach „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen, sagte der Staatsanwalt von Annecy. „Das Umfeld von Sylvain Mollier wurde äußerst sorgfältig untersucht. Das war eine der ersten Fragen der Ermittler: War er das Hauptziel?“

Maillaud wies damit erneut Medienbericht zurück, wonach anders als bislang angenommen womöglich nicht die irakischstämmige Familie al-Hilli, sondern der 45 Jahre alte Mollier das eigentliche Ziel des Mörders war. Die Internetausgabe der französischen Tageszeitung „Le Parisien“ und die britische „Daily Mail“ hatten am Wochenende unter Berufung auf Ermittlungsergebnisse berichtet, die ersten Schüsse seien auf Mollier abgegeben worden.

Die französischen Ermittler wiesen die Berichte umgehend entschieden zurück. „Nichts lässt den Schluss zu, in welcher Reihenfolge die vier Opfer getötet wurden“, sagte der Leiter der Ermittlungen, Benoît Vinnemann, am Samstag zu AFP. Ähnlich äußerte sich Maillaud: kein Experte habe bisher die Reihenfolge der Schüsse feststellen können.

Der aus dem Irak stammende Brite Saad al-Hilli, seine Ehefrau Ikbal, deren Mutter und Sylvain Mollier waren am 5. September auf einem Waldparkplatz nahe der ostfranzösischen Ortschaft Chevaline bei Annecy mit Kopfschüssen getötet worden. Die al-Hillis machten in der Region Urlaub. Die vierjährige Tochter überlebte unverletzt, weil sie sich im Auto ihrer Familie versteckte. Ihre siebenjährige Schwester wurde schwer verletzt.

Maillaud betonte am Montag, es werde weiterhin „in alle Richtungen“ ermittelt. „Alle Hypothesen, selbst die abwegigsten, werden in Betracht gezogen.“ Seinen Angaben zufolge war Mollier, der für ein Tochterunternehmen des französischen Atomkonzerns Areva arbeitete und in Elternzeit war, am Tag der Morde zum ersten Mal am Ort des Verbrechens. Seine Familie habe ihm Tipps für eine Radtour gegeben, er habe sich aber verfahren.

Der Staatsanwalt hatte schon kurz nach der Tat erklärt, die Morde hätten vermutlich der Familie al-Hilli gegolten. Dabei hatte er drei mögliche Gründe für die Bluttat genannt: Den Beruf von Familienvater al-Hilli, der als Ingenieur im sensiblen Luft- und Raumfahrtsektor arbeitete, seine irakische Herkunft und ein möglicher Streit um Geld mit seinem Bruder, den dieser aber abstreitet. Ein Onkel der ermordeten Ikbal al-Hilli warf den französischen Behörden am Montag in der britischen BBC vor, sich einseitig auf die Spur seiner Familie zu beschränken.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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