Altersvorsorge
Keine Geschenke, bitte

Die Deutschen finden Altersvorsorge wichtig, verzichten aber in großem Stil auf staatliche Zulagen. Dabei verschenken sie mehr Geld als sie denken.

HB DÜSSELDORF. Die neue Berliner Regierung ist wohl selbst noch nicht so ganz überzeugt. Im 142 Seiten starken Koalitionsvertrag sind dem Thema "Private Altersvorsorge" auf Seite 97 genau fünf Sätze gewidmet. Die zusätzliche Altersvorsorge müsse künftig einen noch höheren Stellenwert erhalten, um den im Berufsleben erreichten Lebensstandard im Alter aufrecht zu erhalten, steht da lapidar. Und sollte sich zeigen, dass die bisherige Förderung vom Staat nicht reicht, dann werde 2007 über weitere Maßnahmen nachgedacht.

So viel zu einem Programm, das die alte Regierung noch mit großem Geläut eingeführt hat. Die Schleusen zur Eigenvorsorge wollte sie in Deutschland öffnen, als sie 2001 das "größte Altersvermögensprogramm aller Zeiten" auf den Weg brachte, wie der damalige Arbeitsminister Walter Riester es ausdrückte.

Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Dass die staatliche Rente bald nicht mehr reicht, haben die Deutschen inzwischen verstanden. Doch dass ihnen der Staat bei der privaten Vorsorge kräftig unter die Arme greift, ist vielen offenbar nicht so ganz klar. Gespart wird hier zu Lande fleißig, aber ausgerechnet die steuerlich geförderten Produkte finden nur zögerlich Zuspruch.

Eine Reihe steuerlich begünstigter Modelle sorgt seit fast vier Jahren dafür, dass Sparer mit Produkten wie der Riester-Rente oder der staatlich geförderten Betriebsrente hohe zweistellige Renditen erzielen können. Trotzdem verzichten vier von fünf Beschäftigten auf das eigentlich lukrative Riester-Sparen. Und die Variante, in der Ansparphase steuerbefreit über den Betrieb Geld zurückzulegen, nutzen bisher gar nur sechs Prozent aller Beschäftigten.

"Damals hatten wir richtige Träume", sagt etwa Heribert Karch, Geschäftsführer des Versorgungswerks der Metallrente, "doch wir müssen jetzt erst mal durch die Mühen der Ebene." Selbst die im vergangenen Jahr eingeführte Rürup-Rente, die vor allem Selbstständigen die Vorsorge schmackhaft machen soll, hat bis jetzt kaum Anhänger gefunden. Nun richtet die Branche die größten Hoffnungen auf die Riester-Vorsorge. Nach deren Einführung erlebten die Vermittler einen echten Verkaufsschub. Doch schnell brach der Absatz ein. Erst seit Anfang 2005 kommt das Geschäft wieder etwas besser in Fahrt.

Die Riester-Rente ist eine geförderte Sparform, bei welcher der Staat den abhängig Beschäftigten auf private Rentenverträge oder Sparpläne staatliche Zuschüsse und Steuerersparnisse gewährt. In diesem Jahr wurden mehr als eine halbe Million Verträge abgeschlossen. Damit summierte sich die Gesamtzahl der Verträge auf knapp fünf Millionen.

Doch über Jahre hinweg verkauften Versicherungsvertreter lieber Kapitallebensversicherungen, weil dort die Provisionen höher und die Produkte einfacher waren. Allein in den Jahren 2003 und 2004 brachten die Versicherungsgesellschaften 20 Millionen Lebensversicherungen unters Volk.

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