Am Online-Pranger
Die verlorene Ehre des Steve R.

Im Internet kann man vieles verlieren. Sein Geld, den Ehepartner, seinen Ruf, den Job, die gute Kinderstube, Ehre, sich selbst. Steve Rattner musste diese Lektion erst lernen; er war ein Gewinner, ehe das Internet einen Verlierer aus ihm machte. Rattner verlor seinen Top-Job bei der Schweizer Großbank Credit Suisse, weil ein gehörnter Ehemann wochenlang Schmutz veröffentliche.

FRANKFURT. Die Wall Street fürchtet nun, dass Rattners Beispiel Schule machen könnte. "Im Internet verbreiten sich Informationen rasend schnell, Gerüchte machen in wenigen Sekunden die Runde. Ist der Ruf erst einmal ruiniert, ist es ganz schwer, etwas daran zu ändern", sagt David Nelles vom Internetspezialisten Ethority. In den USA wiegt das besonders schwer, denn dort werden Blogs und Meinungsforen viel häufiger genutzt als in Europa. Jeder ist angreifbar - so wie Steve Rattner.

Rattner gehörte zu New Yorks aufstrebenden Top-Managern. Bei Credit Suisse leitet er den Milliarden schweren Private-Equity-Ableger DLJ Merchant Banking. Seine Kollegen schätzen ihn, die Konzernlenker sind mit seiner Arbeit zufrieden. Rattner verkehrt mit den Reichen und Mächtigen, sammelt Spendengelder für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Und auch privat läuft fast alles nach Plan. Frau, Kinder, hübsches Anwesen, heile Welt. Wäre da nicht Kelly Cosgrove gewesen und ihr Mann, ein australischer Discjockey, dessen Vorname klingt wie der eines finnischen Skispringers: Tommii.

Begonnen hatte der ganze Schlammassel bereits vor fünf Jahren, in London. Der verheiratete Rattner ließ sich in der englischen Hauptstadt auf eine Affäre mit der schönen Kelly Cosgrove ein, die dort als Callgirl arbeitete. 500 000 US-Dollar soll Rattner Kelly geboten haben, falls die ihren Mann Tommii verlassen würde. Einen nagelneuen Ferrari gab es obendrauf, dazu Juwelen, Designerklamotten und teure Reisen in ferne Länder.

Begeistert schien die Dame aber nicht von dem Angebot, jedenfalls war das Techtelmechtel kurze Zeit später beendet. Reumütig kehrte Steve Rattner nach New York zu seiner Ehefrau zurück. Er beichtete ihr den Fehltritt, sie verzieh ihm; alles war gut - dachten die Rattners.

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