Amerikas Nachrichtenwelt beschäftigt die Leibesfülle der Bürger
Fett, fetter und die Schuldfrage

In einem Land, in dem weit mehr als die Hälfte der Bürger mit kräftiger Wampe oder faltigem Doppelkinn fertig werden muss, vergeht kaum ein Tag ohne neue Berichte von der Front gegen das allgemeine Übergewicht. Darunter findet sich einiges Kurioses und viel Widersprüchliches. Eine Auswahl an entsprechenden Nachrichten aus den USA.

HB WASHINGTON. Angesichts enormer Folgekosten vor allem für die Gesundheit drängt die US-Regierung Restaurants dazu, mehr kleinere und gesündere Menüs anzubieten. Die jüngsten, oft widersprüchlichen Nachrichtensplitter zum Thema aus den USA, dem Land mit den vermutlich dicksten Menschen der Welt:

Cola-Bann in Schulen: Mit ganzseitigen Anzeigen preisen sich derzeit die drei Großen der US-Limonaden-Industrie, Coca Cola, Pepsi und Cadbury/Schweppes wegen der Verbannung kalorienreicher Süß-Getränke aus den Schulen. „In unserem Bemühen um das Wohl der Kinder haben wir uns entschieden, nur noch nahrhafte und kalorienarme Getränke in den Schulen zu verkaufen“, heißt es. Diese Revolution an den Schul- Getränkeautomaten – wo im Jahr 700 Millionen Dollar umgesetzt werden – soll bis 2010 abgeschlossen sein und ist vor allem einer Initiative von Ex-Präsident Bill Clinton zu verdanken. Kritiker bemängeln, dass alles nur eine Reaktion auf neue, strenge Regeln in mehreren US- Bundesstaaten ist – zudem mache das Limonadengeschäft in den Schulen gerade mal ein Prozent des Umsatzes der Limo-Industrie aus.

Fett und Fetter: Nur etwa ein Drittel der Amerikaner haben offiziellen Zahlen zufolge Normalgewicht. Nun gibt es Hinweise, dass selbst das zu optimistisch ist. Eine Studie der Harvard Universität (Boston) zeigt, dass viele ihr Gewicht bei Befragungen als zu niedrig angeben. Zum Teil werden Gesundheitsdaten telefonisch erhoben – und da schummelten die Leute.

Fett und fetter und Stopp: Die über 25 Jahre lang registrierte Zunahme der Zahl übergewichtiger Frauen scheint gestoppt. Die Gesundheits-Statistik zeige erstmals einen Stillstand seit 1999 auf hohem Niveau: Zwei Drittel der Amerikanerinnen seien zu dick, ein Drittel davon sei sehr stark übergewichtig, schreibt die „Washington Post“. Natürlich wären die Probleme damit „nicht mal im Ansatz gelöst“, meint Cynthia Ogden vom Nationalen Zentrum für Gesundheitsstatistik.

Latinos sind schuld: Konservative Publizisten haben einen neuen Sündenbock für das Übergewicht der Amerikaner entdeckt: dank der zwölf Millionen illegalen Einwanderer vor allem aus Lateinamerika müssten Millionen Amerikaner ihren Haushalt und Garten nicht selbst in Schuss halten. Der Einsatz billiger Arbeitskräfte ermögliche eine gesundheitsgefährdende Untätigkeit der Normalbürger, schreibt Arnaud de Borchgrave in der „Washington Times“. Seine Empfehlung: die Ausweisung der Millionen Illegalen würde auch das Übergewichts- Problem in den USA lösen helfen.

Mütter sind schuld: Rigorose Mütter, die Kinder zwingen, den Teller leer zu essen, tragen erhebliche Mitschuld an zu dicken Kindern. Strenge Mütter haben einer Studie der Universität Boston zufolge fünf mal so oft übergewichtige Kinder wie nachsichtige Mütter.

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