Amoklauf in den USA
Bloggen über den Albtraumtag

Im Internet reagiert die bestürzte Öffentlichkeit auf den schlimmsten Amoklauf in der Geschichte der USA. Wie selbstverständlich filmen jungen Mensche die Geschehnisse auf dem Campus, bloggen, stellen Infos online, teilen ihren Schmerz. Doch als es darum ging, vor dem Amoklauf zu warnen, nutzten all die technischen Möglichkeiten nichts.

WASHINGTON. Als Jamal Albarghouti die ersten Schüsse hört, zückt er sein Handy und drückt auf „record“. Was die Kamera seines Nokia N 70 Smartphone danach aufnimmt, flimmert wenige Stunden später bei CNN über die Bildschirme. Zu sehen sind Polizisten, die mit gezogenen Waffen in Richtung Norris Hall rennen. Zu hören sind eine Folge von 27 Schüssen und die Windböen, die über den Campus fegen. Albarghouti lässt die Kamera weiterlaufen – auch als es richtig gefährlich wird. „Mein Land befindet sich im Krieg“, zitiert den 24-Jährigen palästinensischer Herkunft später die „Washington Post“. „Vielleicht bin ich einfach nur daran gewöhnt, dass solche Dinge passieren“.

Albarghouti heißt seither nur der „Handy-Typ“. Aber er steht symptomatisch für eine ganze Generation von jungen Menschen, die selbstverständlich die moderne Technik nutzt. „Invent the Future“, Erfinde die Zukunft, heißt der Werbespruch der Virginia Tech Universität in Blacksburg. Und genau das machen die „Techies“ an diesem Albtraumtag, den über 30 Studenten nicht überleben sollen. Sie filmen, bloggen, stellen Infos online, teilen ihren Schmerz – alles über das Internet. Schnell finden sich alleine auf „YouTube“ Dutzende von Videos, die die Geschehnisse rund um den Amoklauf festhalten. Alles kommt da zusammen: Von echter Hilfe bis zu Voyeurismus.

Doch die schlechte Nachricht ist: Als es darum geht, vor dem Amoklauf zu warnen, nützen all die technischen Möglichkeiten nichts. Vielleicht verschlimmern sie am Ende sogar noch die Lage. Um 9.26 Uhr informiert die Uni-Verwaltung zwar in einer ersten E-Mail über die Schüsse im Wohnheim West Amber Johnston, doch abgesagt werden die Vorlesung nicht. Und das, obwohl bei der ersten Schießerei, die zu diesem Zeitpunkt gerade mal zwei Stunden zurück liegt, zwei Menschen starben.

Doch die Polizei behandelt die Sache zunächst als isolierten Vorgang. Wer etwas Verdächtiges bemerke, solle die Uni-Polizei anrufen, heißt es nur lapidar in der Mail. Wären die Studenten zu diesem Zeitpunkt aufgefordert worden, zu Hause in ihren Appartements zu bleiben – sehr wahrscheinlich hätte dies die Folgen begrenzt. Denn viele Veranstaltungen beginnen erst um 10 Uhr. Zumindest ein Teil der Studierenden, die auf oder in unmittelbarer Nähe des Campus wohnen, hätte zu dieser Zeit wohl noch erreicht werden können.

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