Amoklauf: Polizei stoppte Täterin mit 17 Schüssen

Amoklauf
Polizei stoppte Täterin mit 17 Schüssen

Die Polizei hat neue Details zum Amoklauf von Lörrach bekannt gegeben und den Tatablauf rekonstruiert. Die Sportschützin schlug ihren kleinen Sohn bewusstlos, erstickte ihn und erschoss ihren Ex-Partner. Dann setzte sie die Wohnung in Brand.
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HB LÖRRACH. Zwei Tage nach dem Amoklauf von Lörrach hat die Obduktion grausige Details ans Licht gebracht. Die Sportschützin schlug ihren fünfjährigen Sohn erst bewusstlos und erstickte ihn dann mit einer Plastiktüte. Die 41-Jährige selbst wurde schließlich von der Polizei erschossen. Nach Polizeiangaben trafen die Beamten sie 17-mal, mehrere der Schüsse seien tödlich gewesen. Ihren 44-jährigen Ex-Partner, den Vater des Kindes, tötete die Anwältin mit zwei Schüssen in Kopf und Hals. Höchstwahrscheinlich sei der Tod des Kindes durch das Ersticken eingetreten, teilten die Ermittler mit.

Vater und Sohn wurden nach Informationen aus Polizeikreisen nebeneinanderliegend auf dem Bett gefunden. Nach der ersten Bluttat setzte die Täterin die Wohnung, in der sie auch ihre Anwaltskanzlei hatte, mit Nitroverdünner in Brand. Ob noch andere Chemikalien im Spiel waren, untersuchen derzeit Spezialisten des Landeskriminalamts. Nitroverdünner werden zur Verdünnung und zum Lösen von Lacken verwendet und können in Baumärkten gekauft werden. Die Chemikalie explodierte und zerstörte eine Wand der Wohnung, ein Feuer brach aus, durch das 15 weitere Personen in dem Gebäude Rauchvergiftungen erlitten. Erst als der Brand gelöscht war, wurden die Leichen entdeckt.

Als die Wohnung brannte, stürmte die Anwältin ins gegenüberliegende St.Elisabethen-Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin verletzte sie zwei Passanten und erschoss in der Klinik einen 56 Jahre alten OP-Pfleger. Ihn trafen drei Schüsse in Kopf und Hals. Außerdem hatte die Täterin, die zuletzt als psychisch stark angespannt galt und offenbar die Trennung von Mann und Kind nicht verkraftet hatte, ihn mit mehreren Stichen in den Oberkörper verletzt. Einen Polizisten verletzte sie schwer.

Weiter unklar ist, warum Sabine R. in die Klinik gelaufen ist und ob es einen Zusammenhang mit einer Fehlgeburt gibt, die sie dort 2004 hatte. Die Frau lebte seit Juni getrennt von ihrem Mann. Das Kind lebte beim Vater und war zum Zeitpunkt der Bluttat bei der Mutter zu Besuch. Als der Vater das Kind abholen wollte, kam es zu den Schüssen. Ein Sorgerechtsstreit sei nicht anhängig gewesen, hatte die Polizei zuvor mitgeteilt.

Kommentare zu " Amoklauf: Polizei stoppte Täterin mit 17 Schüssen"

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  • Desweiteren wäre zu klären an welchen Fällen die Anwältin arbeitete.

    An welchen Fällen arbeitete die Anwältin?

    Hat Sie etwas aufgearbeitet, was anderen nicht in den Kram gepasst hat? Wurde sie unter Druck gesetzt durch ihre Arbeit? ihre Familie bedroht?

  • "ist die Polizeimunition die richtige zur Mannstoppung???"
    Richtig !!!
    Früher wurde das Kaliber als "Hirsch schlapp" bezeichnet (wg. burkhard Hirsch und der geringen Energie des Vollmantelgeschosses)
    Nur, wenn jemand getroffen wird, heißt das nicht, daß man sofort tot umfällt. Es gibt die berühmten "10 Sekunden des toton Mannes", d.h. bevor lebenswichtige Funktionen aussetzen, dauert es noch ein Weilchen. bei Teilmantel- oder schlimmeren Patronen, die allerdings sofort wirken, sieht der Straftäter etwas deformiert aus, und vor der Öffentlichkeitswirkung solcher Anblicke schreckt man wahrscheinlich zurück. Auch, wenn unbeteiligte verletzt würden, hätte das fatale Folgen.

  • Es ist wahrlich kein Ruhmesblatt unserer Polizei, wenn auf einen Täter 17 Schuss abgegeben werden müssen. Wie gut ist die Schießausbildung der Polizei??? Wie werden Polizisten auf einen Einsatz mit der Schusswaffe vorbereitet??? ist die Polizeimunition die richtige zur Mannstoppung??? Es werden seit geraumer Zeit sehr viele Fehler bei Einsätzen der Polizei in baden-Württemberg registriert. Was ist los mit der viel gerissenen Polizei in baden-Württemberg??? Sind sie nur da gut, wo sie Autofahrer, Fußgänger oder Fahrradfahrer als Gegner haben??? Ob in Heidenheim oder jetzt in Lörrach, die Polizei hat große Probleme. Die Führung der Polizei und der innenminister müßen sich fragen lassen? Wird bei der Polizei alles richtig gemacht??? Auf diese Fragen sollten die Führung der Polizei antworten haben.
    Danke

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