Amoklauf von Emsdetten
Jetzt sollen Psychologen an die „Schul-Front“

Mit einem Waffenarsenal von Gewehren, Sprengfallen und Rauchbomben hat ein hasserfüllter Ex-Schüler im westfälischen Emsdetten seine frühere Schule überfallen und fünf Menschen angeschossen, ehe er sich selbst tötete. Nach dem Blutbad ist eine neue Diskussion über Gewalt an Schulen sowie so genannte „Killerspiele“ ausgebrochen.

HB EMSDETTEN. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz ein Verbot Gewalt verherrlichender Computerspiele angeregt. „Ich bin sehr dafür, ein Verbot von Killerspielen in Betracht zu ziehen“, sagte Wiefelspütz der „Netzeitung“. Insgesamt wurden durch die Tat des jungen Mannes, der den Überfall im Internet angekündigt hatte, 27 Menschen verletzt. Ehemalige Lehrer des 18-Jährigen hatten angegeben, dieser sei für sein Faible für das Computerspiel Counter-Strike bekannt gewesen.

Auch der Jugendforscher Klaus Hurrelmann regte ein Verbot gewaltverherrlichender Computerspiele an. „Das wird natürlich nicht verhindern, dass sich jemand trotzdem das Spiel besorgt und sich in dieses Spiel hineinsteigert“, sagte der Wissenschaftler am Montag in einem Interview des Bayerischen Rundfunks. „Aber ein Verbot kann immerhin für eine öffentliche Sensibilisierung sorgen.“ Der Bielefelder Professor sprach sich dagegen aus, die Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Schulen zu verschärfen.

Frühwarnsystem gefordert

Unterdessen forderten Experten schon ein Frühwarnsystem und dauerhafte psychologische Betreuung an Schulen. „Wir brauchen an jeder Schule einen Psychologen“, sagte der Leiter des schulpsychologischen Dienstes der Stadt Düsseldorf, Stefan Drewes, der dpa. Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) erklärte, es gebe einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag, „alles dafür zu tun, dass sich Menschen nicht als Verlierer fühlen und jedes Selbstwertgefühl verlieren“.

Hinter Amokläufen wie dem in Emsdetten stehen nach Einschätzung des Kriminologen Christian Pfeiffer zumeist gescheiterte Existenzen. Irgendwann kompensierten diese Menschen dann ihre Ohnmacht durch einen Ausbruch von Machtgehabe. „Amokläufer wollen Macht ausüben, Todesangst einjagen, Herr über Leben und Tod spielen und anderen zeigen, wer die Macht hat“, sagte Pfeiffer der dpa. Der glückliche Umstand, dass kein Opfer getötet wurde, zeige, dass der Schütze während der Tat doch noch Tötungshemmungen bekommen hatte. „In der Fantasie wird er noch viel Schlimmeres vorgehabt haben“, erläuterte Pfeiffer.

Die deutschen Schulen sind nach Einschätzung der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) „längst ein Ort der Unsicherheit und Angst“ geworden. Ereignisse wie in Emsdetten könnten sich an jedem Tag wiederholen, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Wendt, am Montag in Berlin. „Die Polizei wird diese Entwicklung nicht stoppen oder auch nur nennenswert aufhalten können, jedenfalls nicht mit den vorhandenen Möglichkeiten.“

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