
Berlin/PotsdamIm Lager von Christoph Scholz liegt die ganze kulinarische Vielfalt Brandenburgs: Pausbäckige Äpfel, Rote Bete und knackige Möhren. Auch Landbrot wie das „Uckermarker“. Und natürlich viele Kartoffeln. „Bei uns wird Regionalität ganz groß geschrieben“, sagt Scholz. Doch was macht der Karton mit Ananas im Lager? Wachsen die Südfrüchte jetzt auch in der Mark Brandenburg?
Scholz ist Geschäftsführer und Gründer der „Märkischen Kiste“. Der Betrieb in Berlin-Tempelhof hat sich zum Ziel gesetzt, die Hauptstädter mit Lebensmitteln vorrangig aus dem nahen Umland zu beliefern - direkt ins Haus. Eine gute Geschäftsidee, liegen regionale Produkte doch im Trend. Über 1800 Kunden beliefern Scholz und seine rund 20 Mitarbeiter pro Woche. 2012 lag der Umsatz bei knapp zwei Millionen Euro.

Die Chicken Nuggets von Vossko sehen tatsächlich aus wie Bauernhoftiere. Das war laut dem Lebensmittelhersteller der Grund dafür, das Produkt unter dem Namen "Unser Bauernhof" zu vermarkten. Das Fleisch kommt aber nicht vom Bauernhof aus der Region, wie der Name vermuten lässt - sondern aus Brasilien.

In Norddeutschland gibt es bekanntlich keine Kaffeeplantagen. Das hält die Coop eG jedoch nicht davon ab, in ihren Supermärkten Plaza und Sky "regionalen" Kaffee unter dem Namen "Unser Norden" anzubieten. Das Unternehmen verteidigt, dass immerhin Aufbereitung und Veredelung in Norddeutschland nach norddeutschem Geschmack geschehen.

Das breite "Unser Norden"-Sortiment wirbt mit einer genauen Kennzeichnung der Herkunft. Das ändert aber nichts daran, dass auch der "norddeutsche" Rotbusch-Tee in hiesigen Gefilden nur verarbeitet wurde. Der Name weckt aber die Erwartung, dass es sich um ein regionales Produkt aus Norddeutschland handelt.

Die Marke treibt aber noch wildere Blüten - den "norddeutschen" Langkorn Spitzenreis zum Beispiel.

Der Bayerische Leberkäse vom Fleischproduzenten Ponnath, wird in Bayern nach bayerischem Rezept hergestellt und das Wappen des Freistaates ziert die Verpackung. Das Fleisch kommt aber zum Teil aus Belgien und Holland. Damit ist es kein regionales Produkt, auch wenn man auf den ersten Blick etwas anderes vermuten würde.

In den Säften "Heimische Früchte" von Hohes C steckt auch die Acerolakirsche aus Mittelamerika. Auch wenn das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht den Anspruch hat, ein regionales Produkt anzubieten und diesen Anschein auch nicht erwecken will, suggeriert der Name eindeutig einen Regionalbezug.

Büsumer Feinkost sorgt gleich für doppelte Verwirrung. Die Flusskrebse von Büsumer Feinkost kommen weder aus Büsum an der Nordsee, noch aus dem amerikanischen Louisiana. Auf der Rückseite der Packung steht kleingedruckt: "Aus Binnenfischerei in China". Ein Nordseekutter in China? Der Hersteller erklärt: "Es könnte als verwirrend gesehen werden, mehrere angebliche Herkunftsangaben (...) auf einer Verpackung zu finden. Täuschend finden wir dies aber nicht."
Für das Milchverarbeitungsunternehmen Friesland Campina liegt Brandenburg anscheinend in Köln. Die Milch, die unter der Bezeichnung "Mark Brandenburg" verkauft wird und mit einer "Mark Brandenburg Qualitäts-Garantie" wirbt, wird in Köln abgefüllt.

Der Begriff "Regional" scheint bei der Eigenmarke "Ein gutes Stück Heimat" des Discounters Lidl weit gefasst zu sein. Die Kartoffeln für das Fertigpüree kommen aus Mecklenburg, die Äpfel aus "deutschem Anbau" und die Erbsen im Glas aus Düren. Das "Stück Heimat", das Lidl verkaufen will, ist also einfach: Deutschland.

Immerhin setzt das Unternehmen auf Transparenz. Auf der Internetseite erfährt man, dass die Kirschen und Äpfel für den Saft der Marke "Ein gutes Stück Heimat" aus der Region Oberschwaben-Bodensee kommen. Zusätzlich stellen sich die Familien, denen die Obstplantagen gehören, auf der Seite vor.
Die Chicken Nuggets von Vossko sehen tatsächlich aus wie Bauernhoftiere. Das war laut dem Lebensmittelhersteller der Grund dafür, das Produkt unter dem Namen "Unser Bauernhof" zu vermarkten. Das Fleisch kommt aber nicht vom Bauernhof aus der Region, wie der Name vermuten lässt - sondern aus Brasilien.
„Wir erleben eine beispiellose Renaissance des Regionalen in Deutschland“, konstatierte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) jüngst zur Grünen Woche. Dort stellte Aigner ein neues Produktsiegel, das „Regionalfenster“, vor.
Knapp zwei Drittel der Bürger finden es wichtig, dass Lebensmittel aus einer bestimmten Region kommen - das ergab eine Umfrage des Ministeriums. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch sieht dagegen einen Trend zum „Regionalschwindel“. Denn was Region eigentlich bedeutet, ist unklar. Es gibt keine einheitliche Definition.
Bei der „Märkischen Kiste“ sind es 200 Kilometer. Diesen Umkreis habe der Verband Ökokiste so festgelegt, sagt Christoph Scholz. In dem Verband sind bundesweit 50 Betriebe organisiert, die Abokisten mit regionalen Lebensmitteln anbieten. Lieferanten der „Märkischen Kiste“ sind etwa das Ökodorf Brodowin oder „Lobetaler Bio“, wo Joghurt, Sahne und Dickmilch von Menschen mit Behinderung produziert werden. Hauptlieferant ist laut Scholz allerdings die Bio-Gärtnerei Watzkendorf. Die liegt im südlichen Mecklenburg-Vorpommern.

Der Kunde will mit "regional" ja doch nur "ein gutes Gefühl" kaufen. Und das bekommt er doch - ganz gleich wo das Zeug tatsächlich herkommt.
Regional ist doch nur ein an den Haaren herbeigezogenes Argument das den Kunden von objektiven Qualitätsmerkmalen "ablenken" - und ihm oft sogar noch einen höheren Preis schmackhaft machen soll.
Aus "regional" wird so gesehen auch erst dann ein Schuh wenn mit der Herkunft objektive Qualitätsanforderungen in Produktion und Weiterverarbeitung verbunden sind.
Und genau da liegt meist der Schwachpunkt von "regional". Denn gerade der "logistische Spielraum" der sich aus der Nähe zum Verbrauchger ergibt - wird von Produzenten und Handel "großzügig" genutzt um Kosten zu sparen und Gewinne zu maximieren.
Wichtiger als Regionalbezeichnungen wären also objektive Angaben zum Erntezeitpunkt und der Produktionsweise.

Eine Lösung für die Verbraucher wäre es als erstes das "hergestellt für ..." abzuschaffen und durch eine zwingende Herstellerangabe zu ersetzen.
Aber die Wirtschaft hat eben eine Lobby im Bundestag. Die Bürger nicht!
Und so kommt Schwarzwälder Schinken auch weiter nicht zwingend aus dem Schwarzwald!

Es sind die Lagerkosten für den heimischen Appel. Der aus Neuseeland hat deswegen trotz Transportkosten die bessere CO2 Bilanz, global betrachtet.
Regional betrachtet, ich kenne noch den Bratapfel aus dem eigenen Keller von Dezember bis zum ersten frischen Obst und Gemüse vom heimischen Feld. Aber dafür ist heute wohl kein Haushalt mehr ausgerüstet.
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