Angeblich Mittelloser vor Gericht: Multimillionär hat seit 1994 keine Steuern gezahlt

Angeblich Mittelloser vor Gericht
Multimillionär hat seit 1994 keine Steuern gezahlt

Er hat seit zwölf Jahren keine Steuererklärung mehr abgegeben und auch keine Steuern bezahlt. Weil sein ganzes Geld für ihn - so sagt er - unerreichbar in Luxemburg auf einem Konto liegt, bezeihnet er sich selbst aus vermögenslos. Dieser vermögenslose Multimillionär muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Essen verantworten.

HB ESSEN. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 61-Jährigen Steuerhinterziehung in Höhe von 6,8 Millionen Euro vor. Obwohl er nach eigenen Angaben allein in Essen sechs Häuser besitzt, bezeichnet sich der Mann selbst als vermögenslos. Er lebe, so sagt er zumindest, von der Unterstützung durch Freunde. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass der 61-Jährige Konten in Luxemburg unterhält. Das dort lagernde Vermögen belief sich, so ergab der erste Verhandlungstag vor der 21. Strafkammer, im September 2005 auf 11,6 Millionen Euro. Dennoch lebt der Mann bescheiden. Er fährt ein Auto im Wert von etwa 10 000 Euro, das von der Lebensgefährtin finanziert wurde. Er habe ja nichts, wie solle er das Geld aus Luxemburg nach Deutschland bringen, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Der 61-Jährige ist gelernter Industriekaufmann und hat nach eigener Angabe bei Firmen wie RWE, Siemens und Hochtief im Finanz- und Rechnungswesen gearbeitet. Er sei immer vermögend gewesen, sagte er dem Gericht: In den 60er Jahren habe er für eine halbe Million Mark ein Haus in Essen gebaut und später für 1,5 Millionen Mark verkauft. Er habe „klein angefangen“, mit der Zeit hätten sich Werte aufgehäuft. Dennoch bezog er in den 90er Jahren 60 000 Mark Arbeitslosenhilfe. Nach eigenen Angaben zahlte er die Summe aber sofort zurück.

1993/94 habe er zehn Millionen Mark von Konten in Deutschland abgehoben und nach Luxemburg gebracht. Auf die Frage nach dem Grund, antwortete der Angeklagte: „Ganz normal, wegen der Zinsbesteuerung in Deutschland.“ Danach habe er dann keine Steuern mehr gezahlt, weil ihm die mangels Steuererklärung auf Schätzungen beruhenden Forderungen des Finanzamtes völlig überhöht erschienen seien.

Der Angeklagte ist nach Darstellung seines Rechtsanwalts ungewöhnlich geizig. „Er hat einen Igel in der Tasche“, sagte der Verteidiger. So habe er seine Häuser stets selbst renoviert. Dazu passt auch ein karges Matratzenlager in einem spartanisch eingerichteten Appartement, das die Polizei bei einer Hausdurchsuchung vorfand. Den Verdacht, der 61-Jährige wohne normalerweise eigentlich an einem anderen und komfortableren Ort, konnten die Ermittler freilich nicht belegen.

Der Prozess ist auf elf Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil ist für Mai vorgesehen.

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