Angriff auf Deutsch-Äthiopier: Prozess um Attacke auf Ermyas M. hat begonnen

Angriff auf Deutsch-Äthiopier
Prozess um Attacke auf Ermyas M. hat begonnen

Unter großem Medienandrang hat am Mittwoch in Potsdam der Prozess um die Attacke auf den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. vor knapp zehn Monaten begonnen. Doch von dem ursprünglichen Grund, warum der Fall ganz Deutschland in Diskussionen versetzte, ist nicht mehr viel übrig.

HB POTSDAM. Die beiden 29 und 31 Jahre alten Angeklagten müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise unterlassener Hilfeleistung vor dem Landgericht verantworten. Zum Auftakt bestritten beide Angeklagten jegliche Tatbeteiligung.

Das Opfer war am 16. April 2006 nach einem Wortgefecht durch einen Faustschlag lebensgefährlich verletzt worden. Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, auch weil zunächst ein fremdenfeindliches Motiv angenommen wurde. Der Prozess mit rund 60 Zeugen ist vorerst bis Ende April terminiert. In der Anklage ist mittlerweile keine Rede mehr von einem fremdenfeindlichen Hintergrund.

Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Männern vor, Ermyas M. am frühen Ostersonntag 2006 nahe einer Straßenbahnhaltestelle in Potsdam als „Oller Nigger“ und „Scheißnigger“ beschimpft haben. Nachdem der Wissenschaftler den beiden wegen der Beleidigung gefolgt sei und versucht habe, Björn M. zu treten, habe dieser kräftig mit der Faust zugeschlagen und damit das Opfer lebensgefährlich verletzt, heißt es in der Anklage. Anschließend ließen die beiden den stark blutenden Mann liegen. Dieser hatte schwere Kopfverletzungen davon getragen und mehrere Wochen im künstlichen Koma gelegen.

Ermyas M. kann sich nach Auskunft seines Anwalts nicht an die Tat erinnern. „Es sind diffuse Bilder da, aber das hat mit Erinnerung nichts zu tun„, sagte Anwalt Thomas Zippel unmittelbar vor Prozessauftakt. Zugleich betonte er, dass nach Aktenlage eine fremdenfeindliche Motivation für die Tat „eine gewisse Wahrscheinlichkeit„ habe. Die Anwälte des 29 Jahre alten Hauptangeklagten kündigten an, Freispruch zu beantragen.

Der Vorfall hatte kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft eine Debatte über so genannte No-go-areas für Ausländer in Ostdeutschland ausgelöst. Zunächst hatte auch der damalige Generalbundesanwalt Kay Nehm die Ermittlungen an sich gezogen, weil er von einem rassistisch motivierten Mordversuch ausgegangen war. Später gab er das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Potsdam zurück.

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