Angst vor Flugzeugabsturz
Passagiere erzwingen Umstieg in Ersatzmaschine

Nach zwei missglückten Startversuchen haben Passagiere eines Air-Berlin-Flugs auf dem Nürnberger Flughafen den Umstieg in eine Ersatzmaschine erzwungen. An der nagelneuen Boeing 737-800 war eine elektronische Anzeige ausgefallen.

dpa NÜRNBERG. Sie hatten Angst vor einem Flugzeugabsturz und probten den Aufstand: Nach zwei missglückten Startversuchen haben etwa 170 Passagiere auf dem Nürnberger Flughafen die Bereitstellung einer Ersatzmaschine erzwungen. Sie weigerten sich, ein drittes Mal das Flugzeug zu besteigen, und starteten eine Unterschriftenaktion. Nach 15 Stunden Wartezeit wurden sie am Sonntagabend schließlich mit einer anderen Maschine unbeschadet zu ihrem Zielflughafen im portugiesischen Faro gebracht. Zwei Reisende, die an Flugangst litten, waren schon beim zweiten Startversuch nicht mehr eingestiegen.

Ursache der Panne war eine fehlerhafte elektronische Anzeige in der nagelneuen Boeing 737-800, wie eine Sprecherin der Fluggesellschaft Air Berlin am Montag sagte. Eine Gefahr habe für die Passagiere nicht bestanden.

„Die Anzeige des Landeklappensystems hat nicht richtig funktioniert“, sagte Air-Berlin-Sprecherin Alexandra Müller. Der Pilot habe den geplanten Start am frühen Sonntagmorgen deshalb bereits beim Anrollen zur Startbahn abgebrochen. Ein zweiter Versuch einige Stunden später verlief ebenfalls nicht erfolgreich. Daraufhin hätten einige Passagiere Unterschriften gesammelt und gefordert, nicht mehr mit dieser Maschine fliegen zu müssen.

„Wir waren zweimal im Flugzeug gesessen und sind auch zweimal auf die Startbahn gerollt, und jedes Mal musste der Start wegen eines Defekts abgebrochen werden“, erzählte ein Fluggast in der „Nürnberger Zeitung“ (Montag). „Wir standen dann immer wieder auf dem Flugfeld und wurden mit dem Bus zurückgefahren.“

„Die Passagiere waren sehr beunruhigt und reagierten panisch“, sagte Air-Berlin-Sprecherin Müller. Vor allem vor dem Hintergrund des Madrider Unglücks sei „ein psychologisches Moment“ im Spiel gewesen. Am 20. August war eine Maschine der spanischen Fluggesellschaft Spanair unmittelbar nach dem Start vom Madrider Flughafen abgestürzt und in Flammen aufgegangen. 154 Menschen starben, 18 wurden verletzt. Vor dem Absturz hatte der Pilot einen Startversuch abgebrochen. Passagieren war Berichten zufolge das Aussteigen verwehrt worden.

Wenige Tage nach dem Madrider Unglück waren beim Absturz einer Boeing 737 in Kirgistan mindestens 65 Menschen getötet worden. Am vergangenen Sonntag hat ein abstürzendes Aeroflot-Flugzeug vom Typ Boeing 737 in Russland alle 88 Insassen in den Tod gerissen.

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