Angst vor Inflation treibt Preis
Gold erstrahlt in neuem Glanz

Mehr als zwei Jahrzehnte fristete das gelbe Edelmetall ein stiefmütterliches Dasein an den Märkten. Zu tief saß der Schock über den Absturz des Weltmarktes für Gold im Jahr 1980 mit Milliardenverlusten. 2006 wird das lange verschmähte Edelmetall nach Expertenmeinung aber zu einer der lukrativsten Anlageklassen werden. Der Goldpreis könnte von derzeit knapp 500 US-Dollar auf bis zu 600 oder 650 $ je Unze steigen - das wären neue historische Rekordmarken.

HB FRANKFURT. "Das Thema Inflation ist in die Köpfe zurückgekehrt", sagt der Marktexperte des Hanauer Edelmetallkonzerns Heraeus, Wolfgang Wrzesniok-Roßbach. "Davon profitiert vor allem das Gold." Auslöser für die Inflationsangst war der Rekord-Ölpreis in diesem Jahr. Seit Jahrhunderten gilt Gold als Schutz vor einer möglichen Geldentwertung und ist gerade in Krisenzeiten gefragt. Bereits seit den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem folgenden Irak-Krieg hat sich Gold kontinuierlich verteuert. Von 258 Dollar ging es steil bergauf. In diesem Jahr legte der Goldpreis um 40 Prozent zu und erreichte Mitte Dezember mit 541 Dollar den höchsten Stand seit 25 Jahren.

Investoren gilt das Edelmetall inzwischen wieder als wichtiges Element zur Risikostreuung. "Wir empfehlen 2006 Gold zur Anlage als Krisenwährung", sagt der Währungsstratege des Bankhauses Metzler, Mario Mattera. Anleger können an den steigenden Goldpreisen auf verschiedenen Wegen teilhaben. Neben dem physischen Gold können sie Aktien der Minengesellschaften kaufen oder Zertifikate erwerben, deren Wert an den Goldpreis gekoppelt ist.

Gold glänzt wieder, weil das Misstrauen gegenüber den wichtigsten Weltwährungen Euro und Dollar wächst. Das doppelte Defizit im Haushalts und im Außenhandel der USA schwächt den Dollar. 2005 ist vor allem der Euro nach den fehlgeschlagenen Referenden über die EU- Verfassung in Frankreich und den Niederlanden ins Zwielicht geraten.

Gründe für die goldenen Zeiten beim Gold sind aber auch die steigende Nachfrage nach Schmuck aus Indien und China, sowie die nachlassende Produktion - Südafrika ist zum Beispiel auf das Niveau der 20er Jahre zurückgefallen. Auch die geringen Verkäufe der Zentralbanken aus ihren Gold-Reserven haben den Preis gestützt. Gold ist knapp: Schmilzt man alles Gold der Welt zu einem Würfel ein, so hätte er gerade mal eine Kantenlänge von 20 Metern.

Dank der Wechselkursentwicklung war 2005 auch für Anleger im Euro- Raum ein goldenes Jahr. "Zum ersten Mal seit langer Zeit haben diese Anleger wieder vom Gold profitiert", sagt Mattera. In den vergangenen Jahren war die Goldnotierung vorzugsweise dann gestiegen, wenn der Dollar abrutschte. Anleger im Euro-Raum hatten somit das Nachsehen. Doch in den vergangenen Monaten hat sich dieser Zusammenhang aufgelöst, und die Goldnotierung klettert inzwischen selbst dann, wenn die amerikanische Währung an Wert gewann. In Euro gerechnet hat sich seit Jahresbeginn beim Gold ein Plus von 30 Prozent ergeben - das war ein doppelt so hoher Zuwachs wie bei der Berechnung in Dollar.

Trotz der starken Rallye ist Gold noch weit von seinem Rekordhoch entfernt. Anfang 1980, kurz vor dem scharfen Preisverfall, kostete eine Feinunze mehr als 800 Dollar. "Vor einem halben Jahr hätte ich jeden als Spinner bezeichnet, der diesen Preis noch einmal für möglich hält", sagt Wrzesniok-Roßbach von Heraeus. "Inzwischen glaube ich, dass wir dort in den nächsten Jahren wieder landen werden."

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