Anklage im Fall Freddie Gray
Die Stimme von Baltimore

Nach dem medizinischen Gutachten lautet die Anklage im Fall Freddie Gray: Mord. Die Polizeigewerkschaft weist jede Schuld der Beamten zurück. Doch eine Frau will für Gerechtigkeit sorgen – und lässt Amerika aufhorchen.
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San FranciscoDie Vorwürfe wiegen schwer. Mord mit bedingtem Vorsatz, fahrlässige Tötung, unterlassene Hilfeleistung und mehr. Das Unfassbare: Es sind sechs Polizisten denen diese Verbrechen vorgeworfen werden, begangen im Dienst. Medizinische Gutachter hätten den Tod des 25-jährigen Freddie Gray in der Stadt Baltimore in Maryland als Kapitalverbrechen eingestuft, teilte die zuständige Staatsanwältin Marylin Mosby in einer überraschend einberufenen Pressekonferenz am Freitag mit. Es gebe „hinreichenden Verdacht“, um Ermittlungen einzuleiten. Sie hat für alle beteiligten Polizisten Haftbefehle ausgestellt.

Das will eine lokale Polizeigewerkschaft so nicht stehen lassen. In einem offenen Brief wirft deren Vorsitzender Gene Ryan der Staatsanwältin „persönliche und professionelle“ Verbindungen zum Anwalt der Familie des Opfers vor und fordert sie auf, den Fall an einen unabhängigen Ermittler abzugeben. Die politische Karriere ihres Mannes, so schreibt der Gewerkschaftsfunktionär, werde zudem als Mitglied des Stadtparlaments in jedem Fall, „ob gut oder schlecht“, vom Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden. Und er geht noch weiter: „So tragisch die Situation ist, keiner der beteiligten Beamten ist für den Tod verantwortlich“, stellt er fest. Von den sechs Polizisten ist einer des Mordes angeklagt.

Es begann am 12. April. Der junge Afroamerikaner war kontrolliert, verhaftet und in einen Polizeitransporter geschleift worden, wie Videoaufnahmen von Zeugen zeigen. Was danach geschah beschreibt Mosby so: „Gray erlitt eine schwere und kritische Verletzung am Genick weil er an Händen und Füßen gefesselt ohne angelegten Sicherheitsgurt in einem Fahrzeug der Polizei befördert wurde.“ Und nicht nur das. Wiederholte Bitten von Gray um Hilfe seien ignoriert worden, lautet der Vorwurf. Das bei Gray während der Kontrolle gefundene Messer hatte er nach den Gesetzen des Staates Maryland zudem legal bei sich führen dürfen. Er habe kein Verbrechen begangen, so die Staatsanwältin. Somit habe noch nicht einmal ein Grund für die Verhaftung vorgelegen.

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