Anschlag stürzte Japan in tiefe Angst: Japanischer Sektenführer erhält Todesstrafe

Anschlag stürzte Japan in tiefe Angst
Japanischer Sektenführer erhält Todesstrafe

Der ehemalige Anführer der Aum-Sekte ist neun Jahre nach dem Giftanschlag auf die Tokioter U-Bahn als Drahtzieher zum Tod durch Erhängen verurteilt worden. Bei dem Attentat waren 1995 zwölf Menschen getötet und Tausende verletzt worden.

HB TOKIO. Die Anwälte des Angeklagten legten unmittelbar nach dem Schuldspruch am Freitag Berufung ein. Damit könnte das Verfahren noch ein Jahrzehnt dauern.

Das Tokioter Bezirksgericht erklärte den 48 Jahre alten Shoko Asahara, dessen wirklicher Name Chizuo Matsumoto ist, in insgesamt 13 Anklagepunkten für schuldig. Dazu zählt neben der Planung und Anordnung des U-Bahn-Anschlages eine Serie weiterer Taten, bei denen 15 Menschen getötet wurden.

„Seine Verbrechen hörten nicht beim Mord Einzelner auf, sondern weiteten sich in wahllose Akte des Terrorismus aus“, sagte Richter Shoji Ogawa in seiner Urteilsbegründung. In dem acht Jahre dauernden Verfahren hat sich Asahara stets für unschuldig erklärt. Als er am Freitag unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen in den Gerichtssaal geführt wurde, murmelte er vor sich hin und lächelte.

In der japanischen Öffentlichkeit wird der Verurteilte als ein Symbol des Teufels gesehen. Die Bilder von toten und verletzten Menschen auf den Gleisen der bis zum Anschlag als äußerst sicher geltenden Tokioter U-Bahn und von Soldaten mit Gasmasken hatten das Land in einen regelrechten Schock versetzt. Mehr als 5 500 Menschen waren verletzt worden, als Mitglieder der Aum-Sekte am 20. März 1995 mitten im Berufsverkehr das einst von Nazis entwickelte Nervengas Sarin in vollbesetzten U-Bahn-Zügen freisetzten. Ein Teil der Opfer leidet bis heute unter den Folgen.

„Diese Aktion stürzte Japan und die Welt in tiefe Angst“, sagte der Richter, der Asaharas Verbrechen „gnadenlos, teuflisch und brutal“ nannte. Sarin gilt als äußerst giftig. Wenn es in größeren Mengen eingeatmet oder über die Haut aufgenommen wird, lähmt es in kürzester Zeit die Muskeln im Bereich der Lunge. Der Anschlag hatte weltweit Besorgnis darüber ausgelöst, wie leicht biologische und chemische Massenvernichtungswaffen hergestellt beziehungsweise beschafft werden könnten.

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