Ansturm erwartet
Warum der Lotto-Jackpot heute geknackt wird

Deutschland im Lotto-Fieber: Im ganzen Land verzeichnen die Annahmestellen einen erhöhten Andrang vor der Ziehung am heutigen Mittwochabend. Nicht ohne Grund. Denn rund 30 Millionen Euro füllen den viertgrößten Gewinntopf der Lotto-Geschichte. Und diese kommen heute in jedem Fall unter die Leute.

HB STUTTGART. Nach der Ziehung kommt der Lotto-Jackpot auf jeden Fall zur Ausschüttung, auch dann, wenn erneut kein Lottospieler die richtigen Zahlen einschließlich der Superzahl angekreuzt haben sollte. Denn spätestens bei der 13. Ziehung findet eine Zwangsausschüttung statt.

Der Jackpot wandert dann in die nächst niedrigere Gewinnklasse, bei der die richtige Superzahl nicht mehr nötig ist. Die sechs Richtigen würden für einen Gewinn ausreichen, bekräftigte der Sprecher. Es wäre das erste Mal in der deutschen Lotto-Geschichte, dass der Jackpot ohne Superzahl verteilt würde. Der Gewinntopf wurde zuletzt Anfang August ausgeschüttet. In den zwölf Ziehungen seither gab es insgesamt 46 Lotto-Sechser. In den mehr als 50 Jahren des Lottos sechs aus 49 gab es insgesamt 1 700 Millionengewinne (in Euro gerechnet), wie der Sprecher auf Anfrage mitteilte. Darunter waren fünf Einzelgewinne über 20 Mio. und 37 Einzelgewinne über zehn Mio. Euro.

Vor diesem Hintergrund forderte der Lotto-Experte und Hamburger Wirtschaftsjurist Michael Adams die Abschaffung des Jackpots. „Der Jackpot mit immer neuen Höchtssummen führt die Lottospieler in die Irre. Es wäre besser, den Jackpot abzuschaffen“, sagte Adams der „Leipziger Volkszeitung“. Adams schlägt vor, den Höchstgewinn bei etwa 10 Millionen Euro zu deckeln und dafür die Gewinnausschüttung in den unteren Gewinnklassen zu erhöhen. Für den Wirtschaftsjuristen steht mit der Jackpot-Aufregung auch die Seriosität des staatlichen Lottos in Frage. „Jedesmal erleben wir mit dem anwachsenden Lotto-Jackpot einen Rummelplatz der öffentlichen Aufregung. Dabei geht es nur darum, mit dem Verkaufsschlager Jackpot Kasse zu machen“, kritisiert der Wirtschaftsprofessor von der Uni Hamburg. Da die Wahrscheinlichkeitsrechung für viele Spieler ein Fremdwort ist, glaubten leider viele ernsthaft mehr zu gewinnen. Das Gegenteil sei aber der Fall: Durch die steigende Wahrscheinlichkeit, dass bei einer hohen Teilnahme an der Jackpotziehung mehrere Spieler sechs Richtige oder fünf Richtige haben, sinke sogar die Auszahlungssumme für den Einzelnen in den Gewinnklassen. „Für die Lottospieler ist der Jackpot wirklich nicht lohnend. Man sollte besser an einem anderen Wochenende spielen“, so Adams.

Hinzu käme, dass tendenziell mehr ärmere Spieler ihren Lottoschein regelmäßig ausfüllen und bei einem Jackpot zusätzlich investierten. „Da erleben wir zum Teil den Wahnsinn, dass einige ihre Sparbücher abräumen in der Hoffnung auf das große Los.“ Dabei sollte für Jeden klar sein, dass Lotto keine Probleme in der Haushaltskasse löst. „Die goldene Regel ist: Man sollte nur mit dem Geld spielen, was man wirklich übrig hat“, so Adams.

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung äußert Bedenken, dass mit der Jackpot-Hysterie die Spielsucht steige. „Grundsätzlich stellt eine solch hohe Jackpot-Summe eine große Verlockung dar“, sagt der Referatsleiter Suchtprävention Peter Lang. „Auch Menschen, die bislang nicht Lotto spielen, fühlen sich plötzlich von der Aussicht auf den vermeintlichen Traumgewinn angesprochen und tippen ohne großes Nachdenken.“ Zwar breche die ganz große Euphorie nach der Jackpot-Ausschüttung in der Regel zusammen.

Dennoch empfiehlt auch Suchtexperte Lang eine Jackpot-Begrenzung. „Wir sollten über eine verbindliche Lottogewinn-Obergrenze ernsthaft nachdenken, um diese Verlockung zu begrenzen“, so Lang. Dabei würde nach Erkenntnissen der Bundeszentrale selbst ein Höchstgewinn von 10 oder 15 Millionen normale Bedenken von Nichtspielern verdrängen und sie zum Tippschein-Ausfüllen animieren.

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