Anwalt: "Angeklagter ist schon genug gestraft"
Verteidiger des Autobahnrasers will Freispruch erreichen

Der Verteidiger des Karlsruher Autobahnrasers ist zuversichtlich, im Berufungsverfahren einen Freispruch zu erreichen. „Da sehe ich gute Chancen“, sagte der Pforzheimer Anwalt Ulrich Schweizer am Donnerstag.

HB KARLSRUHE. Die vom Amtsgericht Karlsruhe verhängte Haftstrafe von eineinhalb Jahren ohne Bewährung wegen fahrlässiger Tötung sei auf jeden Fall überzogen. „Wenn ich mir vergleichbare Fälle anschaue, dann gibt es bei Ersttätern in der Regel Bewährung.“ Der Medienrummel und der Verlust des Arbeitsplatzes seien für den Daimler-Chrysler-Ingenieur schon Strafe genug.

Das Amtsgericht Karlsruhe hatte es am Mittwoch als erwiesen angesehen, dass der Ingenieur im vergangenen Juli durch rücksichtslose Drängelei auf der Autobahn 5 den tödlichen Unfall verursacht hatte. Eine Mutter und ihre kleine Tochter waren bei dem Unglück gestorben.

„Seit dem Juli 2003 steht mein Mandant im Kreuzfeuer. Er ist fix und fertig“, sagte Schweizer. Bei der Strafzumessung habe der Druck der Öffentlichkeit auf das Schöffengericht sicher eine Rolle gespielt - „davon kann sich niemand frei machen“. Der Berufungsprozess am Landgericht wird nach Einschätzung des Anwalts frühestens im Sommer stattfinden. Vermutlich werde es nicht nötig sein, sämtliche Zeugen noch einmal zu vernehmen. Die vier Augenzeugen, die den durch einen Drängler verursachten Unfall beobachtet hatten, und der Vorgesetzte des Angeklagten müssten aber erneut geladen werden.

Nach Auffassung des Gerichts hatten die Indizien eindeutig gegen den Angeklagten gesprochen, der eine Verwicklung in den Unfall bestritten hatte. Die vier Hauptzeugen hätten das tragische Unfallgeschehen übereinstimmend und glaubwürdig geschildert, urteilte das Gericht.

Schweizer ist sich nach eigenen Angaben weiterhin „fast sicher“, dass der Vorgesetzte seines Mandanten der Täter ist. Der 40-Jährige war an jenem Morgen des 14. Juli ebenfalls über die Autobahn 5 zur Daimler-Chrysler-Teststrecke nach Papenburg gefahren und hatte nach Aussage der Richterin falsche Angaben zur Weg-Zeit-Berechnung gemacht, um sich zu entlasten. Die Richterin schloss den Vorgesetzten als Täter jedoch aus.

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