Armani "füllt die Räume"
Ruheloser Schöpfer

Modemacher Giorgio Armani wird 70 Jahre alt. Er ist präsent und präsentiert sich, von einem Nachfolger ist nicht die Rede.

Spekulationen um seine Nachfolge kann er nicht mehr hören. Fragen dieser Art erstickt er freundlich, aber bestimmt im Keim: „Ich habe noch viel zu tun, und das Geschäft macht mir eine enorme Freude.“ Wer ihn bei den Mailänder Modenschauen erlebt, wo er umjubelt im Theater seines ultramodernen Headquarters „seine Männer“ korrekt, aber befreit von allen Zwängen in weichen, weiten Hosen, hemdartigen Jacketts und dandylike mit Blumen im Knopfloch über den Laufsteg schickte, der weiß: Giorgio Armani – durchtrainiert und drahtig – will auch mit 70 Jahren nicht ans Aufhören denken.

Im wirklichen Leben ist er nicht so groß, wie es auf Fotos und Fernsehbildern den Anschein hat: Seine Ein-Meter-und-siebzig entsprechen italienischem Männerformat. Aber er füllt Räume. Er ist sich seiner wahren Größe, seiner „bella figura“, durchaus bewusst. Schlohweiß das Haar, stahlblau die wachen Augen, stets leicht bronzegetönt die Haut, jugendlich frisch - Armani ist präsent und präsentiert sich.

Und dennoch: Der Mann, den die Frauen lieben, begrüßt eher schüchtern. Hier ein flüchtiger Kuss, dort ein distanzierter Händedruck. Stets verbindlich und glatt, gibt er sich keine Blöße, wirkt zugeknöpft, fast menschenscheu. Ein wenig Small Talk und schon ist die Audienz vorbei: Der Meister der Schneiderkunst ist kein Kommunikationswunder, Spontanes ist nicht seine Stärke, lieber verschanzt er sich hinter seiner Arbeit. Das hat dann durchaus etwas von Ruhelosigkeit: „Mein größtes Problem ist die Zeit, die ich nicht habe. Kaum ist etwas geschafft, denke ich schon an meine nächste Aufgabe. Gehen lassen kann ich mich nicht.“

Das fängt bei seinem Körper an, den der lombardische Dickschädel höchst selten in einen Anzug steckt: „Ich habe erst mit 55 begonnen, mich in Form zu bringen.“ Damals kam er von den Oscar-Verleihungen zurück und sah sich im Fernsehen: „Ein Dickerchen.“ Seitdem absolviert er sein tägliches Fitness-Pensum aus Laufen, Krafttraining und Schwimmen.

„Am Anfang war es hart, aber jetzt frage ich mich, warum ich so lange gewartet habe“, verrät er. Sport nütze der Seele genauso wie dem Körper. Als Italiener ist er natürlich Fußballfan, aber „mich faszinieren die Langstreckenläufer, weil sie nur gegen sich selbst zu laufen scheinen.“

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