Armenien
Verleugneter Völkermord

Das konsequente Leugnen des Völkermordes an den Armeniern durch die türkische Regierung scheint das Interesse der Weltöffentlichkeit noch zu verstärken. Eine armenische Web-Site zur Erinnerung an die Morde verzeichnet Besucherrekorde.

DÜSSELDORF. Zudem hat eine gegen den Willen der Regierung verabschiedete Resolution des US-Kongresses, die die damaligen Ereignisse als „genocide“ bezeichnet, zur anhaltenden Verstimmung im türkisch-amerikanischen Verhältnisses geführt.

Die Internetseite www.theforgotten.org informiert über den Völkermord an den Armeniern (1915 - 1923). Die Zahl der Besucher in der Woche vor der Kongress-Entscheidung erreichte die 2-Millionen-Marke, wie das Armenian National Committee of America bekanntgab, das die Seite betreibt. In sechs verschiedenen Sprachen (darunter Deutsch und Türkisch) liefert sie Augenzeugenberichte, drastische Fotos und eine detaillierte Chronologie der systematischen Deportationen und Massaker. Auf der Seite sind vor allem Bilder zu sehen, die Armin Wegner, ein 1915 in der Türkei stationierter Sanitätsoffizier der deutschen Armee, machte. Das kaiserliche Deutschland war im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet. Zahlreiche Augenzeugenberichte deutscher Beamten und Soldaten sind wichtige Belege für den Massenmord.

Den auf osmanischem Territorium im Osten Anatoliens lebenden Armeniern warf die damalige türkische Führung – die treibende Kraft war Innenminister Talaat Pascha – pauschal vor, dem gegen Russland kämpfenden Heer in den Rücken zu fallen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine armenische Unabhängigkeitsbewegung, die auch Anschläge verübte.

Armenier sind Christen. Der heutige Staat Armenien mit der Hauptstadt Eriwan entspricht nur dem östlichsten Teil des ursprünglichen Siedlungsgebiets und war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schon von Russland erobert worden. Bei den größten Massakern 1915 bis 1917 sowie 1919 bis 1921 kamen je nach Schätzung 300 000 bis 1,5 Millionen Armenier um (bei höchstens zwei Millionen Armeniern im Osmanischen Reich). In den Methoden (Konzentrationslager, die zu Sterbelagern wurden) sehen viele Historiker Parallelen zu späteren Völkermorden. Elie Wiesel spricht vom „Holocaust vor dem Holocaust“. Eine Zusammenfassung des Forschungsstandes bietet der Züricher Historiker Hans-Lukas Kieser (http://sehepunkte.de/2007/03/pdf/ 10400.pdf)

Die türkische Regierung dementiert noch immer jegliche Verbrechen. Auf der Homepage des Tourismus-Ministeriums steht: „Die Ereignisse im Jahre 1915 waren eine reine Umsiedlungsaktion, die die osmanische Regierung gegen jene Armenier durchführte, die ihnen (sic) in den Rücken fielen.“ Türkische Historiker widersprechen kaum. Der Journalist Hrant Dink, der die Ächtung des Armeniermordes forderte, wurde am 19. Januar 2007 ermordet.

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