Armut
Mangelerscheinungen am Mittagstisch

Fünf bis zehn Prozent der Schulkinder bekommen nach Schätzung der Wohltätigkeitsorganisation „Die Tafel“ mittags kein Essen. Allein „Die Tafel“ versorgt schon jetzt etwa 200 000 Kinder mit Essen. Und die Zahl steigt weiter an.

HB BERLIN. Unter den etwa 800 000 Bedürftigen, die von der "Tafel" Essen und Lebensmitteltüten bekommen, seien etwa 200 000 Kinder und 90 000 Senioren, sagte der „Tafel“-Bundesvorsitzende Gerd Häuser im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Der Andrang hungriger Menschen nehme stetig zu. Vor zwei Jahren versorgte die Organisation rund 600 000 Bedürftige. „Die Tafel“ finanziert sich laut Häuser aus Lebensmittelgaben von Supermarktketten und Finanzspenden überwiegend von Privatpersonen.

Die Kluft zwischen Arm und Reich verlaufe zunehmend auch an Schulen. „Einige Schulkinder haben Pausenbrote dabei und andere können nur Leitungswasser trinken“, sagte Häuser. Der Staat habe „versagt“, weil er keine Mechanismen gegen die Kinderarmut gefunden habe. Der Staat müsse sich direkt um die Versorgung der Kinder kümmern und ein Pausenbrot sowie an Ganztagsschulen ein warmes Mittagessen garantieren. „Viele Lehrer haben sich beklagt, dass Kinder ab der vierten Stunde einen Energieabfall haben, weil sie kein Pausenbrot haben“, sagte der 59-Jährige, der seit Mitte 2007 ehrenamtlich der „Tafel“ vorsitzt und auch für die Gewerkschaft Verdi tätig ist.

Nicht nur in der jüngsten Generation, sondern auch unter allein erziehenden Müttern und Rentnern steige die Zahl der Bedürftigen stark. Als bedürftig gelten für die Organisation Hartz-IV-Empfänger und überschuldete Bundesbürger. Problematisch sei, dass die armen Rentner erst spät zu den kostenlosen Speisungen gingen, „weil die Schamgrenze relativ hoch ist“, erklärte Häuser. Der Andrang Bedürftiger wird nach seinen Worten weiter zunehmen. Schließlich seien Schätzungen zufolge in Deutschland derzeit schon 14 Millionen Menschen von Armut betroffen oder bedroht.

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