Asien
Länderkonferenz vertagt Entscheidung über Mekong-Staudamm

Umweltschützer fürchten verheerende Umweltschäden, die Wirtschaft hingegen will ihre Energieversorgung sichern. Der geplante Mekong-Staudamm in Laos könnte die gesamte Region beeinflussen - wenn er denn gebaut wird.
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Bangkok/VientianeDer geplante Xayaburi-Staudamm über den Mekong-Fluss in Laos bleibt umstritten. Die vier Länder am unteren Mekong - neben Laos auch Thailand, Kambodscha und Vietnam - konnten sich am Dienstag in der laotischen Hauptstadt Vientiane nicht auf eine gemeinsame Position einigen. Nun sollen Minister im Oktober oder November über das Projekt befinden. Das beschlossen die Länder bei einer Sitzung der zwischenstaatlichen Mekong River Commission (MRC), sagte deren Vorsitzender Te Navuth.

Die Entscheidung der Kommission ist allerdings nicht bindend. Laos kann den Bau auch ohne Zustimmung der anderen vorantreiben. Umweltschützer warnen vor verheerenden Folgen des Damms.

Zu dem Staudamm rund 350 Kilometer nördlich von Vientiane ist ein Wasserkraftwerk geplant, das 1260 Megawatt Strom für den Export nach Thailand produzieren soll. Das Projekt kostet 3,5 Milliarden Dollar (2,5 Mrd Euro). Vor allem Vietnam machte Bedenken geltend. Das Mekong-Delta ist die Reiskammer des Landes, und der Damm - sowie zehn weitere geplante Dämme - dürften den Wasserlauf erheblich verändern.

Wie Umweltschützer verlangte der vietnamesische Delegationsleiter ein zehnjähriges Moratorium, um die Folgen der Staudämme zu untersuchen. Dutzende Fischarten seien bedroht, ebenso das Auskommen von Millionen Menschen, die von Fischen leben und ihre Felder mit dem Wasser des Mekong bewässern, meint etwa die Umweltstiftung WWF.

Die Fischer am Mekong-Fluss in Laos sind resigniert. „Wir haben wenig zu sagen. Wenn die Regierung was entscheidet, müssen wir folgen“, sagt Fischer Tan (45) der „Bangkok Post“. Ihm und seinen fünf Kindern droht die Vertreibung. Das Dorf Ban Talan soll dem riesigen Stausee hinter dem geplanten Xayaburi-Damm zum Opfer fallen, insgesamt müssen 2000 Menschen weichen.

Umweltschützer laufen seit Monaten gegen den Staudamm Sturm. „Der Mekong ist so bedroht wie nie zuvor“, warnt Aviva Imhof von der Organisation International Rivers. Die Folgen des Projekts für Mensch und Tier seien unabsehbar.

Der Mekong, in der Region als „Mutter aller Flüsse“ verehrt, ist mit rund 4.800 Kilometern der längste Fluss in Südostasien. Er fließt aus China an Birma vorbei nach Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam. Das Flussbecken, mit dem das Land am Mekong und allen seinen Zuflüssen gemeint ist, ist so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen. 60 Millionen Menschen leben dort. Die Artenvielfalt ist fast einzigartig: Nur im Amazonas-Gebiet gibt es mehr Tier- und Pflanzenspezies.

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