Atom-GAU
Erinnerungen an Tschernobyl werden wach

Der Störfall in Japan erinnert an die Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren. Russische Experten, die damals die Katastrophe miterlebten, halten einen erneuten Unfall dieser Größenordnung aber für ausgeschlossen.
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MoskauBei den Fernsehbildern aus Japan werden schreckliche Erinnerungen wach: Weißer Rauch steigt aus dem havarierten Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima auf - ein Zeichen, dass radioaktives Material mit dem Sauerstoff der Luft reagiert. Auch im ukrainischen Tschernobyl, wo sich am 26. April 1986 die bis dato folgenschwerste Katastrophe der atomaren Stromerzeugung ereignete, trat dieser weiße Rauch auf.

Freilich sickern Details über Unfallhergang und Ursachen heute nicht gar so zäh an die Öffentlichkeit wie damals unter der ignoranten Sowjet-Herrschaft. Zur Stunde ist aber weiter unklar, ob es in Fukushima zu einer Kernschmelze, dem so genannten Super-GAU, kam oder ob die Reaktorhülle intakt ist. Darstellungen von Vertretern der Regierung und der japanischen Atomaufsichtsbehörde widersprechen sich.

Droht der Welt ein zweites Tschernobyl? Japans Regierung hat jedenfalls den nuklearen Notstand ausgerufen - eine Vorsichtsmaßnahme, wie es heißt. Aus den betroffenen Gebieten im Norden der Hauptinsel wurden laut Nachrichtenagentur Kyodo 300000 Menschen evakuiert. Rund um Anlage liegt die nukleare Strahlung bei 1.015 Mikrosiewert pro Stunde - der Grenzwert ist um das Zweifache überschritten.

Bei aller Vorsicht ob der ungefähren Nachrichtenlage geben Atomexperten aus Russland und der Ukraine Entwarnung: Rafael Arutjunjan vom Institut zur sicheren Entwicklung der Atomenergie in Moskau verspricht: "Ein schlimmeres Unglück als das von Tschernobyl kann nicht passieren." Fukushima-1 sei eine Anlage aus einer neueren Generation. Darin befinde sich ein sehr viel geringeres Volumen radioaktiven Materials, das austreten könnte. Technisch sei es im Übrigen möglich, den Reaktor wieder unter Kontrolle zu bringen, so der Moskauer Atomexperte, der zu den Liquidatoren des Tschernobyl-Unglücks zählte.

Ähnlich äußert sich Walerij Glygalo, vom ukrainischen Zentrum für Fragen zu Atomsicherheit, radioaktive Abfälle und Radioökologie: Der in Japan havarierte Reaktor sei einer von moderner Bauart. "Alle radioaktiven Substanzen sollten von einem so genannten Containment zurückgehalten werden", der Schutzhülle des Reaktors. Allenfalls ein Austreten von Gasen sei vorstellbar, so der Experte. Im Übrigen sei dieser Reaktor für den Betrieb in seismisch aktiven Regionen ausgelegt, was ein besonders starkes Containment nahe lege. "Insofern sollte sich ein solch ernster Unfall wie in Tschernobyl nicht wiederholen können."

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  • Liebe Leser und Redakteure,
    ich verfolge auch gespannt und entsetzt die Geschehnisse in Japan. Allerdings verstehe ich, als Laie, einige Zusammenhänge nicht. Wie kann es in einem Atomkraftwerk einen Stromausfall geben? Ich meine, wenn ein AKW keinen Strom hat, wer dann? Oder wurde die Anlage, insbesondere der Kühlkreislauf mit seinen Pumpen durch den Tsunami so stark beschädigt, dass die Systeme ausgefallen sind? Und was versteht man unter "runterfahren" ? Die Verbrennungsprozesse kann man doch nicht aufhalten, oder doch? Dachte immer, dass die Brennstäbe eben irgendwann ausgebrannt sind. Wie werden dort überhaupt noch Aktionen vorgenommen? Per Fernsteuerung? Wer hält sich denn dort noch freiwillig auf? Wäre für Antworten dankbar.

  • @virus: Stimmt, das "Containment" scheint noch zu halten:

    "Sicherheitsbehälter: Zumindest für längere Zeit scheint der Sicherheitsbehälter des Havarie-AKW Fukushima Daiichi, auch Containment genannt, das Austreten von radioaktiven Stoffen verhindert zu haben. Er ist nach der verschweißten Brennstabhülle und dem Reaktordruckbehälter die dritte Barriere, die das Entweichen von gefährlichem Nuklearmaterial nach außen verhindern soll. Das Containment wiederum ist von der äußeren Gebäudehülle umgeben. Diese war bei der Wasserstoffexplosion am Reaktor 1 beschädigt worden. Das Containment blieb nach bisherigen Angaben aber intakt.

    Ob der Druck- und Sicherheitsbehälter dauerhaft halten, muss sich noch zeigen."

    Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,750591,00.html

    Etwas irritierend ist es, wenn aus diesem Containment verseuchter Wasserdampf abgelassen wird, das dann zu einer Knallgasreaktion unter dem das C. umgebenden Daches führt und dieses wegsprengt:
    Es sind in großen Distanzen erhöhte radioaktive Werte gemessen worden, somit scheint dieser Wasserdampf nicht so harmlos zu sein wie es von Seiten der Regierung/des Unternehmens behauptet wird...

    Hoffentlich wird alles nicht noch schlimmer...

  • Mappus wackelt.....
    Merkel will einen AKW -Check
    ABER vorher haben beide die Laufzeiten verlängert.
    TRAUERspiel

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