Atomkrise in Japan: Laut IAEA derzeit keine Kernschmelze

Atomkrise in Japan
Laut IAEA derzeit keine Kernschmelze

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Die aktuellen Nachrichten zu den Folgen des Erdbebens in Japan:

+++ 19:10 Uhr +++

Die UN-Atomenergiebehörde ist Befürchtungen entgegengetreten, die Atomkrise in Japan könne zu einem zweiten Tschernobyl führen. IAEA-Chef Yukiya Amano sagte, es sei „unwahrscheinlich, dass sich der Unfall so entwickeln“ werde. Die Strukturen seien anders, erklärte Amano. Noch sei es zu früh zu sagen, welche Auswirklungen die Krise auf die jüngste Wiedergeburt der Atomkraft haben werde. Allerdings ändere das Unglück nichts an der Tatsache, dass ein stabiler Energielieferant benötigt werde.

+++ 18:46 Uhr +++

In den teilweise zerstörten japanischen Reaktoren läuft nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA derzeit keine Kernschmelze ab. Dies sagte der IAEA-Experte James Lyons bei einer Pressekonferenz der UN-Behörde. „Wir haben keinerlei Angaben, dass dort momentan Brennstoff schmilzt“, sagte er. Die Situation sei aber dynamisch und könne momentan nicht abschließend bewertet werden.

+++ 18:32 Uhr +++

Die französische Atomaufsicht schätzt die Atomkatastrophe in Japan auf Störfallstufe sechs von sieben ein. „Es ist ein höheres Niveau als Three Mile Island, aber noch nicht so schlimm wie Tschernobyl“, sagte André-Claude Lacoste von der Behörde für Atomsicherheit in Paris. Es sei indes möglich, dass die Stufe von Tschernobyl erreicht werde, fügte er hinzu. Der Reaktorbrand im ukrainischen Tschernobyl wurde der höchsten Stufe 7 zugeordnet. Die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) hat den Unfall in Fukushima bisher auf Stufe 4 eingeordnet.

+++ 18:25 Uhr +++

Unverändert kämpfen Techniker und Behörden im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi gegen den drohenden GAU. In drei der vier Reaktoren ist eine Kernschmelze mittlerweile „höchst wahrscheinlich“, wie ein Regierungssprecher sagte. Weit mehr als 10.000 Menschen kamen bisherigen Schätzungen zufolge ums Leben. Doch stündlich werden weitere Leichen gefunden.

+++ 18:21 Uhr +++

Bundespräsident Christian Wulff hat alle Deutschen zu Spenden für das von mehreren Katastrophen betroffene Japan aufgerufen. „Ich werde das auch tun“, sagte er bei einem Treffen mit dem japanischen Botschafter Takahiro Shinyo in der japanischen Botschaft in Berlin. Wulff überbrachte sein Beileid im Namen der deutschen Bevölkerung. „Es ist mir ein ehrliches und aufrichtiges Anliegen, das Mitgefühl aller Deutschen auszudrücken.“ Der Botschafter bedankte sich bei Wulff für sein Mitgefühl. „Ich weiß, dass Sie in Krisenzeiten immer an unserer Seite gestanden haben.“

+++ 18:04 Uhr +++

Nicht nur Neckarwestheim 1 (Baden-Württemberg) könnte nach Überlegungen der Bundesregierung vom Netz genommen werden. Auch das umstritte Kernkraftwerk Isar 1 (Bayern) soll abgeschaltet werden, wie Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) nach Angaben informierter Kreise bei einer Telefonschalte des CSU-Präsidiums mitteilte. Der südhessische Atommeiler Biblis A geht nach Angaben der hessischen Landesregierung im Juni für zunächst einmal acht Monate vom Netz.

+++ 17:46 Uhr +++

Im Kampf gegen eine atomare Katastrophe in Japan könnte der morgige Dienstag wettermäßig ein „kritischer Tag“ werden. Das sagte der Meteorologe Martin Jonas vom Deutschen Wetterdienst (DWD). In der Nacht zum Dienstag und im Laufe des Tages drehe der Wind aus West in nördliche bis nordöstliche Richtung. Der Nordwind könnte radioaktive Substanzen vom Atomkraftwerk Fukushima nach Tokio transportieren.

+++ 17:23 Uhr +++

Japan hat die Internationale Atomenergiebehörde IAEA um Hilfe gebeten. Die japanische Regierung habe bei seiner Behörde die Entsendung einer Expertenmission angefragt, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano. Man diskutiere mit Japan momentan die Details. Amano sprach außerdem Japan seine Anerkennung für die Bemühungen um die Stabilisierung der Reaktoren nach der Erdbebenkatastrophe aus: „Die Sicherheitsbehälter haben gehalten, und die Freisetzung von Radioaktivität ist begrenzt.“

+++ 17:12 Uhr +++

Die Lufthansa lässt aus Japan ankommende Flüge auf Radioaktivität überprüfen. Die Feuerwehr des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport nehme im Auftrag der Fluggesellschaft Messungen im Inneren der Maschinen und von außen vor, bestätigte ein Lufthansa-Sprecher einen Bericht von „Spiegel Online“. Bisher seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden.

+++ 17:10 Uhr +++

Die japanische Regierung hat nach Angaben der UN-Atomenergiebehörde 230.000 Dosen Jod an die Notunterkünfte nahe der beschädigten Kernkraftwerke in Fukushima verteilt. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, teilte die IAEA auf ihrer Facebook-Seite im Internet mit. Sie berief sich dabei auf Angaben japanischer Behörden. Jod kann dabei helfen, nach einem Strahlenunfall vor Schilddrüsenkrebs zu schützen.

+++ 17:04 Uhr +++

Das Erdbeben und der anschließende Tsunami haben in Japan insgesamt 72 945 Gebäude zerstört oder dauerhaft unbenutzbar gemacht. Diese Zahl nannte das Innenministerium in Tokio nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ 17:03 Uhr +++

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat die atomare Katastrophe von Fukushima als Zäsur für die globale Energiepolitik bezeichnet. „Das Undenkbare ist eingetreten“, sagte Oettinger in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. „Die Energiepolitik beginnt jetzt von Grund auf neu.“ Einen solchen Unfall in einem solchen High-Tech-Land habe niemand für möglich gehalten.

+++ 16:58 Uhr +++

Die US-Marine hat den Hilfseinsatz ihrer Schiffe vor der japanischen Küste wieder aufgenommen. Am Montagabend (Ortszeit) hatte sie die Aktion zunächst wegen einer leichten Verstrahlung von Hubschraubern und Besatzungsmitgliedern ausgesetzt.

+++ 16.40 Uhr +++

Die Bundesregierung will einige ältere Atomkraftwerke in Deutschland zumindest vorübergehend sofort abschalten lassen. Auf die Frage, ob damit Atomkraftwerke vom Netz müssten, die ihre Reststrommengen nach dem alten rot-grünen Ausstiegsbeschluss bereits aufgebraucht hätten, sagte Merkel soeben: „Das wäre die Konsequenz, ja.“ Zum Zeitpunkt sagte die Kanzlerin: „Ich würde mal sagen, wenn wir mit den Kernkraftwerks-Betreibern gesprochen haben.“

+++ 16.24 Uhr +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält ein sofortiges Abschalten von Kernkraftwerken in Deutschland für möglich. Dies sei die Konsequenz aus dem von der Regierung beschlossenen dreimonatigen Moratorium für die Laufzeitverlängerung der deutschen
Atomkraftwerke, sagt die CDU-Chefin in Berlin. Wenn Meiler nach dem früheren Atomkonsens von Rot-Grün keine Reststrommenge mehr hätten, könnten diese sofort abgeschaltet werden.

+++ 16.19 Uhr +++

Die Brennstäbe im zweiten Reaktor des Atomkraftwerks Fukushima Eins ragen nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo wieder in vollem Umfang aus dem Wasser heraus. Damit nimmt das akute Risiko einer bedrohlichen Kernschmelze weiter zu.

+++ 16.07 Uhr +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will die längeren Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke nach der Atomkatastrophe in Japan für drei Monate aussetzen. Das kündigte sie soeben im Beisein von Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) in Berlin an. „Es gibt bei dieser Sicherheitsprüfung keine Tabus.“ Deutschland könne aber noch nicht auf die Atomkraft verzichten.

+++ 16.00 Uhr +++

In drei Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima Eins droht eine Kernschmelze, wie Regierungssprecher Yukio Edano der Nachrichtenagentur Kyodo sagte. Im Reaktorblock 2 könnte die Kernschmelze bereits begonnen haben, sagte die Betreibergesellschaft Tepco. Die Radioaktivität rund um den Reaktor sei bereits erhöht.

+++ 15.58 Uhr +++

Bei der zweiten Explosion im Atomkraftwerk Fukushima Eins sind nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco sieben Arbeiter verletzt worden. Von ihnen seien fünf verstrahlt worden, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Zu der zweiten Wasserstoffexplosion kam es um 11.00 Uhr Ortszeit (03.00 Uhr MEZ) nach einem heftigen Nachbeben. Betroffen war diesmal ein zum Reaktorblock 3 gehörendes Gebäude. Nach Angaben der japanischen Behörden blieb der Reaktor selbst jedoch intakt.

+++ 15.55 Uhr +++

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) möchte über den Bundesrat einen Ausstieg aus der Atomenergie einleiten. Die rot-grüne Landesregierung will die Novelle zur Verlängerung der Laufzeiten nicht nur aussetzen, sondern komplett kippen.
Dazu wolle die Landesregierung am Freitag eine Bundesratsinitiative starten, kündigte Remmel in Düsseldorf an.

+++ 15.37 Uhr +++

Die drei Reaktoren des japanischen Atomkraftwerks Fukushima Eins, in denen auch nach Einschätzung der Regierung eine Kernschmelze droht, können nach Experten-Einschätzung fast nur noch sich selbst überlassen werden. „Es bestehen aus technischer Sicht kaum
Möglichkeiten, den Unfallablauf noch irgendwie zu beeinflussen“, sagt der ehemalige Geschäftsführer der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit, Lothar Hahn. Es gebe unterschiedliche Einschätzungen, ob es bereits Leckagen gebe. Die Tatsache, dass Mitarbeiter der Kernkraftwerke bereits in Krankenhäuser behandelt würden, lasse Schlimmstes ahnen.

+++ 15.33 Uhr +++

In den Zentralen der Energiekonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall herrscht derzeit große Hektik. Angesichts längerer Laufzeiten, einer ambitionierten Klimapolitik der Regierung und einer Renaissance der Atomkraft rund um den Globus war im stillen sogar auf
Neubauten in Deutschland gehofft worden. Das ist nun passé. Die Konzerne müssen bangen, dass ihre „Gelddruckmaschinen“ früher vom Netz müssen - mit einem abgeschriebenen Meiler lässt sich etwa eine Million Euro pro Tag verdienen.

+++ 15.28 Uhr +++

Auch die weltweite Chipbranche ist von der Katastrophe in Japan betroffen. Nachdem Werke der Halbleiterhersteller in Japan am Wochenende abgeschaltet wurden, werden sich die Abnehmer japanischer Chips wegen drohender Lieferengpässe vorerst verstärkt in Korea, Taiwan, Europa und den USA umsehen müssen. Chipfabriken brauchen in der Regel eine ununterbrochene Stromversorgung, die durch die geplanten Abschaltungen im japanischen Elektrizitätsnetz gefährdet ist. Nach einem Stromausfall kann es
mehrere Wochen dauern, bis eine Chipfabrik wieder ordnungsgemäß läuft.

+++ 15.19 Uhr +++

Eine der großen gemeinnützigen Jugendaustauschorganisationen in Deutschland hat seine Schüler aus Japan zurückgeholt. Den vier Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren gehe es gut, sie seien auf dem Rückweg, sagte eine Sprecherin des Vereins Interkulturelle Begegnungen AFS dapd-Nachfrage. Sie selbst hätten zurückgewollt. Ihr für ein Jahr geplanter Aufenthalt wäre im Sommer zu Ende gegangen.

+++ 15.16 Uhr +++

Die Sorgen um eine drohende Nuklearkatastrophe haben den Dax weiter ins Minus gedrückt. Am Nachmittag stand der deutsche Leitindex 1,11 Prozent tiefer bei 6904 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 1,18 Prozent auf 9894 Punkte. Für den TecDax ging es hingegen dank fulminanter Kursgewinne für Aktien aus der Erneuerbare-Energien- Branche um 0,73 Prozent auf 876 Punkte hoch. Zuletzt hat sich die Nachrichtenlage zu den japanischen Kernkraftwerken wieder verschärft.

+++ 15.09 Uhr +++

Der Autozulieferer und Industrieausrüster Bosch holt seine deutschen Mitarbeiter und ihre Familien nach Hause. Bisher seien rund 200 Beschäftigte und ihre Angehörigen ausgeflogen worden, sagte ein Bosch-Sprecher in Stuttgart. Insgesamt hielten sich rund 400 bis 500 deutsche Beschäftigte und ihre Angehörigen in Japan auf. Ihnen stehe es frei, das Land zu verlassen.

+++ 14.59 Uhr +++

Mit Kettensägen und Spitzhacken arbeiteten sich Bergungstrupps an der verwüsteten Nordostküste Japans durch die Trümmer, um Tote zu bergen. Leichensäcke und Särge wurden knapp; die Entdeckung von rund 1.000 angeschwemmten Leichen entlang der Küste bringen auch die Krematorien im Katastrophengebiet an ihre Grenzen.

+++ 14.52 Uhr +++

Die Ölpreise sind vor dem Hintergrund der schweren Erdbebenkatastrophe in Japan gefallen. Experten der Commerzbank erwarten einen vorübergehend deutlich niedrigeren Rohölverbrauch in Japan und kurzfristig weiteren Preisdruck an den Ölmärkten. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 112,68 Dollar und damit 1,17 Dollar weniger als am Freitag. Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 1,44 Dollar auf 99,72 Dollar.

+++ 14.31 Uhr +++

Die US-Marine hat den Hilfseinsatz ihrer Schiffe vor der japanischen Küste wegen einer leichten Verstrahlung vorübergehend ausgesetzt. In der Umgebung, an Hubschraubern und bei ihren Besatzungsmitgliedern sei eine geringe Dosis Radioaktivität festgestellt worden, teilt die US-Marine mit. Weiter heißt es: Der Flugzeugträger USS Ronald Reagan und andere Schiffe der Siebten Flotte seien daraufhin an eine andere Stelle beordert worden, um nicht mehr Winden aus Richtung des beschädigten Atomkraftwerks
Fukushima ausgesetzt zu sein.

+++ 14.28 Uhr +++

Die japanische Automobilbranche wird vermutlich um Jahre zurückgeworfen. Große Hersteller wie Toyota, Honda, Nissan und Mitsubishi mussten die Produktion vorübergehend einstellen - weil Werke beschädigt sind, wichtige Teile von Lieferanten ausbleiben oder die Stromversorgung eingeschränkt ist. „Viele Japaner haben jetzt mehr damit zu tun, Reis und Wasser zu bekommen, als sich neue Autos zu kaufen“, sagte Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation.

+++ 14.23 Uhr +++

In Japan werden Strom, Lebensmittel und Kraftstoff immer knapper. Besorgte Bürger bilden lange Schlangen vor Supermärkten und Tankstellen. Immer wieder bebt die Erde. Im Nordosten der Hauptinsel Honshu graben Rettungskräfte weiter in den Trümmern nach
Opfern von Erdbeben und Tsunami. Die Polizei spricht aktuell von 5000 Toten und identifizierten Vermissten.

+++ 14.19 Uhr +++

Die EU-Energieminister beraten nach dem Atomunglück in Japan bei einem Sondertreffen über bessere Sicherheitsstandards in Europa. Morgen werden die Minister mit dem zuständigen Kommissar Günther Oettinger in Brüssel zusammentreffen, teilt die EU-Kommission in Brüssel mit. „Dabei geht es um die Frage, ob wir europaweit neue Regeln festlegen müssen“, sagte eine Kommissionssprecherin. Eine EU-Richtlinie von 2009 schreibt Mindestvorschriften für die Sicherheit kerntechnischer Anlagen fest.

+++ 14.13 Uhr +++

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) rechnet unabhängig von möglichen Änderungen bei den Laufzeiten der Kernkraftwerke weiter mit einer Abgabe der Atomkonzerne von jährlich 2,3 Milliarden Euro. Die sogenannte Kernbrennstoffsteuer sei eine
Teilkompensation von Lasten - etwa für das Atomendlager Asse, heißt es im Finanzministerium in Berlin. „An der Asse-Problematik ändert sich durch die bedauerliche Entwicklung in Japan nichts.“

+++ 13.52 Uhr +++

Die Nachrichtenlage zu Fukushima bleibt unübersichtlich. Eine Notkühlung des Reaktors Nummer 2 schien bereits gescheitert gewesen zu sein. Jetzt meldet die Betreiberfirma Tepco, dass der Wasserstand auf zwei Meter erhöht werden konnte. Die Stabilisierung schreite voran.

+++ 13.40 Uhr +++

Beim Kamerahersteller Canon sind einige Werke so schwer beschädigt, dass die Produktion möglicherweise einen Monat oder länger ausgesetzt werden muss. Sollte dies der Fall sein, werde man auf andere Werke ausweichen, die nicht betroffen sind, schreibt Canon auf seiner Homepage. Besonders groß seien die Zerstörungen in der Optikfabrik in Utsunomiya, wo auch 15 Mitarbeiter verletzt worden waren, sowie bei einer Tochterfirma in Fukushima.

+++ 13.33 Uhr +++

In Russland ist kein Ende der nuklearen Stromerzeugung in Sicht – im Gegenteil: Moskau hält an ambitionierten Plänen zum Ausbau der Kernenergie fest und will die Position als eines der führenden Länder beim Bau von Atommailern ausbauen. Das betont Ministerpräsident Wladimir Putin in Tomsk vor Journalisten. Alexander Loschkin, Vize-Präsident der Atomenergiebehörde Rosatom, erwartet allerdings, dass die Katastrophen von Japan „perspektivisch ein gewisses Existenzrisiko für die Branche“ zur Folge haben könnten.

+++ 13.30 Uhr +++

Das Erdbeben und der anschließende Tsunami haben heute an den japanischen Aktienbörsen rund 200 Milliarden Euro an Marktkapital vernichtet. Dies entspricht dem Bruttoinlandsprodukt Dänemarks. Der Nikkei brach um 6,2 Prozent ein und schloss auf einem Vier-Monats-Tief von 9620,49 Punkten. Dies ist der größte Tagesverlust seit den Kursturbulenzen rund um die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Der Aktienumsatz erreichte mit 4,88 Milliarden Papieren den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg.

+++ 13.28 Uhr +++

Eine teilweise Kernschmelze hat möglicherweise im Reaktor 2 des japanischen Kernkraftwerkes Fukushima I stattgefunden. Das hat der Betreiber Tepco am Abend (Ortszeit) mitgeteilt. Der Versuch, den Reaktor mit Meerwasser zu kühlen ist offenbar gescheitert.

+++ 13.20 Uhr +++

Die Ratingagentur Fitch sieht keine Kapitalprobleme für die Versicherer. Die Branche könne mögliche Verluste ohne großartige Zahlungsprobleme oder übermäßige finanzielle Engpässe absorbieren. Die Hauptlast liege bei japanischen Versicherern. Fitch erwartet wie Moody’s, dass die internationalen Versicherer durch einen geringeren Anteil belastet werden als bei den jüngsten Ereignissen in Chile und Neuseeland. Denn nur Industrierisiken seien in den internationalen Markt gewandert. Gleichwohl müssten die Gewinnprognosen vieler Rückversicherer nach unten revidiert werden, so Fitch. Schließlich seien im Laufe des Jahres weitere Katastrophenschäden denkbar.

+++ 13.08 Uhr +++

Techniker im japanischen Kernkraftwerk Fukushima I haben einen neuen Versuch zur Kühlung des Reaktorblocks 2 unternommen und Meerwasser bis zu einer Höhe von 30 Zentimeter eingeleitet. Die Brennstäbe in Reaktor 2 lagen zuvor komplett trocken.

+++ 13.05 Uhr +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Verlängerung der Atomlaufzeiten stoppen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Laut „Focus“ habe Merkel die Entscheidung im kleinen Kreis vorbereitet und im CDU-Präsidium abgestimmt. Die Sicherheitslage in den deutschen Atommeilern soll überprüft werden. Für 16 Uhr ist eine gemeinsame Erklärung der Kanzlerin und von Vizekanzler Guido Westerwelle angekündigt.

+++ 12.55 Uhr +++

Das Handelsministerium in Tokio kündigt an, die Ölreserven anzuzapfen. Es sollen 1,26 Millionen Kiloliter aus den Reserven des Privatsektors freigegeben werden. Das entspreche etwa des Bedarfs von drei Tagen. Die Regierung hält Ölreserven für 113 Tage vor, der Privatsektor in Japan lagerte zuletzt Reserven für 85 Tage.

+++ 12.55 Uhr +++

Auf bis zu 35 Milliarden Dollar prognostiziert AIR Worldwide, ein Spezialist für Risikomodelle, allein die Belastungen für die Branche aus dem Erdstoß mit einer Stärke von 9,0 vom Freitag. Es gab allerdings noch mehrere starke Nachbeben. Und auch der zehn Meter hohe Tsunami ist in dieser Kalkulation noch nicht enthalten. Die Unfälle in mehreren Atomkraftwerken dagegen dürften die großen Assekuranzen der Welt nur bedingt treffen - hier sind primär der japanische Staat und viele lokale Anbieter in der Pflicht.

+++ 12.51 Uhr +++

Japan hat die Europäische Union gebeten, bis auf weiteres keine Experten, keine Ausrüstung und keine Hilfsteams mehr ins Land zu schicken. Die Helfer können nur schwer ins Katastrophengebiet gebracht werden. Experten der EU-Behörden für Katastrophenhilfe warten nun zunächst ab.  Nach Angaben der Kommission haben bisher 20 EU-Staaten Material und Personal für Hilfe in Japan zur Verfügung gestellt. Dabei gehe es unter anderem um Wasseraufbereitungsanlagen, Notunterkünfte und Feldlazarette.

+++ 12.47 Uhr +++

Viele Investoren sehen das Vertrauen in das Wachstum der Weltwirtschaft erschüttert. Sie zogen sich vor allem aus den Aktienmärkten zurück und steckten ihr Geld in vermeintlich sicherere Anlagen. In Frankfurt fiel der Dax um bis zu zwei Prozent auf 6848 Punkte, der EuroStoxx50 gab ein Prozent auf 2857 Zähler nach. Damit lagen beide Indizes auf dem niedrigsten Stand seit etwa zwei Monaten. Kurseinbrüche verzeichneten angesichts der drohenden Atom-Katastrophe in Japan vor allem die Betreiber von Kernkraftwerken. In Tokio war der Nikkei-Index zu Wochenbeginn um gut sechs Prozent abgerutscht.

+++ 12.44 Uhr +++

In den Großmärkten des Handelskonzerns Metro nahe Tokio gibt es inzwischen vermehrt Hamsterkäufe. „Die Leute bevorraten sich vor allem mit Wasser und Reis, aber auch mit Konserven“, sagt ein Sprecher in Düsseldorf. Alles laufe aber relativ ruhig ab. „Bis jetzt haben wir noch keine Lieferengpässe.“ Die neun SB-Großmärkte seien nur leicht beschädigt worden und hätten seit Samstag wieder geöffnet, sagte der Sprecher. Metro hat 1000 Mitarbeiter in Japan.

+++ 12.42 Uhr +++

Die New York Daily News berichtet, dass 17 US-Marineangehörige leicht kontaminiert seien. Sie gehören zur Besatzung des Flugzeugträgers USS Ronald Reagan, der zuvor seinen Rettungseinsatz vor der Ostküste abgebrochen hat.

+++ 12.36 Uhr +++

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer (CDU), hat vor vorschnellen Entscheidungen hinsichtlich der Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke gewarnt. Die Ereignisse in Japan seien bestürzend und sein Mitgefühl gelte den Menschen vor Ort. Aber: „Ein deutscher Alleingang und ein unüberlegtes Abschalten der deutschen Kernkraftwerke helfen weder den Japanern noch der deutschen Bevölkerung bei der Sicherung ihrer Energieversorgung“ sagt Pfeiffer dem Handelsblatt.

+++ 12.32 Uhr +++

Die Schweiz hat vorerst die Bewilligungsverfahren für neue Atomkraftwerke gestoppt. „Die Sicherheit und das Wohlergehen der Bevölkerung haben oberste Priorität“, sagt Umweltministerin Doris Leuthard.

+++ 12.27 Uhr +++

Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wird die japanische Industrieproduktion für unabsehbare Zeit beeinträchtigt sein. Dies gelte wahrscheinlich auch für Unternehmen, die außerhalb der Katastrophenregion liegen. Denn diese litten ebenfalls unter ausbleibenden Zulieferungen und Energieengpässen. Andererseits werde der demnächst beginnende Wiederaufbau einen gewaltigen Investitionsschub auslösen und die Konjunktur wieder ankurbeln.

+++ 12.19 Uhr +++

Swiss Re könnte mit Kosten bis zu einer Milliarde Dollar erwartet der Aktienanalyst von Standard and Poor’s, Tony Silverman. In einer Präsentation habe der Schweizer Rückversicherer angenommen, dass ein sogenanntes 200-Jahre-Ereignis, in der Region Tokio möglicherweise 1,8 Milliarden Dollar kosten könnte. Da das aktuelle Beben jedoch Tokio nur am Rande betroffen habe, rechnet Silverman mit Kosten vor Steuern von 0,6 bis zu einer Milliarde Dollar für den zweitgrößten Rückversicherer.

+++ 12.13 Uhr +++

Die Brennstäbe in Reaktorblock 2 des Atomkraftwerks Fukushima I liegen nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo komplett trocken. Zuvor war versucht worden, den absinkenden Stand der Kühlflüssigkeit mit Meerwasser aufzufüllen. Damit befindet sich dieser Meiler im bisher gefährlichsten Zustand. Bisher ist es nicht gelungen, dem Druckgefäß genug Meerwasser zuzufügen, um eine Ansammlung flüssigen Wassers um den Kern zu ermöglichen. „Damit setzt jetzt voraussichtlich eine Reaktion des Dampfs im Druckgefäß ein, bei der sich explosiver Wasserstoff abspaltet“, sagt Nuklearexperte Naoto Sekimura von der Universität Tokio. Die Gefahr einer Detonation steige dadurch deutlich an. Zudem erhöht sich dadurch das Risiko einer Kernschmelze.

+++ 12.10 Uhr +++

In Italien ist eine Diskussion um die Atomenergie entbrannt. Die Regierung hält aber an den Plänen fest, 2013 den Grundstein für die neuen Atomkraftwerke zu legen. „Bei der Atomenergie bleibt unsere Position die gleiche“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Berlusconi-Partei PDL, Fabrizoi Cicchitto. Die Umweltministerin Stefania Prestigiacomo nannte die neu entfachte Diskussion „instrumentalisiert und makaber“. Die Opposition dagegen fordert ein Umdenken.

+++ 12.05 Uhr +++

Die Weltwirtschaft ist nach Überzeugung von Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel robust genug, die ökonomischen Auswirkungen zu schultern. Selbst wenn der schlimmste Fall eintreten sollte und der Großraum Tokio infolge einer Kernschmelze in Atomkraftwerken evakuiert werden müsste, halte er eine neue weltweite Krise für ausgeschlossen, sagt Bargel: „Das würde nicht zu einem weltweiten Abschwung führen oder gar zu einer globalen Rezession.“

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  • Aus meiner Sicht ist und bleibt die Atomkraft eine Übergangstechnologie - mit oder ohne Laufzeiverlängerung. Zu vorschnellen Überreaktionen sollte es nun aber nicht kommen. Statt dessen sollten wir uns mit Ländern zusammensetzen, die hohe Risiken bergen...wie z.B. sehr alte Reaktoren (USA) oder vergleichbare Naturrisiken wie Japan haben.
    Auch die Luftfahrtindustrie ist schlecht für die Umwelt, aber nach einem Absturz spricht niemand über die Einstellung des Flugbetriebs.
    Ich frage mich v.a.: wie kann man 1.) in einer bekannten Erdbebenregion die Reaktoren nur auf ein Beben von max. 8,2 auslegen + 2.) so blöd sein das Ding direkt an die Küste zu bauen, wo ein möglicher Tsunami den Rest erledigen würde. An der Westküste wäre das Risiko immerhin noch etwas kleiner gewesen, aber im Osten direkt am risigen Pazifik??!!

    Hätte hier jemand nur ein wenig mitgedacht würde unser Augenmerk heute weiter Libyen gerichtet sein!

  • Frau Merkel sagte gestern mehrfach: "Nach Allem, was wir wissen, ist die Sicherheit unserer Kernkraftwerke gegeben." Hier möchte ich Ihnen, Frau Merkel, entgegnen, dass uns genau aber das, was wir nicht wissen, solche Sorgen machen muss, dass wir uns eine solch Tot-bringende Technik nicht leisten können und wir Bürger auch nicht wollen. Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt und wollen sie ihnen heil übergeben!
    http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/03/13/kernkraftwerke-und-warum-es-ein-wiegen-in-sicherheit-nicht-geben-kann

  • Der Schwarm

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