Atomreaktor
Evakuierungszone ist den USA zu klein

Die USA werden angesichts der Atom-Katastrophe in Japan langsam nervös - und mischen sich ein. Amerika empfiehlt eine größere Evakuierungszone um Fukushima und will zudem noch eine Aufklärungsdrohne schicken.
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WashingtonDie USA halten die Evakuierungszone um das japanische Katastrophen-Kraftwerk Fukushima für zu klein. Die Obama-Regierung legte den vor Ort ausharrenden US-Bürgern am Mittwoch ans Herz, das Gebiet im Umkreis von 80 Kilometern zu verlassen. Wer dies nicht könne, solle sich am besten nicht im Freien aufhalten. „Auf der Basis unserer Analyse ist es das, was wir tun würden, wenn sich dieser Vorfall in den USA ereignen würde“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Indirekt distanzierte sich die US-Regierung damit von dem japanischen Krisenmanagement.

Die Regierung in Tokio hat zum Schutz vor radioaktiver Strahlung bisher nur Gebiete im Umkreis von 20 Kilometern evakuiert. Wer zwischen 20 und 30 Kilometer entfernt wohnt, soll im Haus bleiben. Von Kritik an der Führung in Tokio wollte Carney aber nicht sprechen: Es gehe lediglich um die Sorge um die Gesundheit der eigenen Bürger. Die Empfehlung beruhe auf eigenen Studien.

Nach Angaben des Washingtoner Außenministeriums haben die US-Atomregulierungsbehörde NRC, das Energieministerium und andere Experten wissenschaftliche und technische Informationen über die Atomkatastrophe in Fukushima analysiert und auch Angaben der japanischen Regierung in Betracht gezogen. In Übereinstimmung mit den NRC-Richtlinien für derartige Situationen in den USA empfehle man vorsichtshalber die Evakuierung.

Zuvor hatte sich US-Energieminister Steven Chu unzufrieden mit dem Informationsfluss über die Geschehnisse in Japan gezeigt. „Wir hören widersprüchliche Berichte darüber, was genau in den verschiedenen Reaktoren passiert, die nun in Gefahr sind“, sagte er in einer Kongressanhörung am Mittwoch in Washington.

Daneben soll ein unbemanntes Flugzeug des US-Militärs mit seinen hochauflösenden Kameras nun mehr Klarheit über das Innere der havarierten Atomreaktoren in Fukushima bringen. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Die Drohne Global Hawk hat zudem Wärmebildkameras an Bord. Seit dem schweren Erdbeben und Tsunami vom Freitag kämpft Japan an den schwer beschädigten Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima gegen mögliche Kernschmelzen.

Hohe Strahlung und böiger Wind hatten am Mittwoch den Einsatz von Hubschraubern verhindert, die mit Wasser von oben die Reaktorblöcke drei und vier kühlen sollten. Beide Meiler sind durch Feuer und Explosionen teilweise zerstört. Der Einsatz war angeordnet worden, um die Brennstäbe mit Meerwasser und Borsäure zu kühlen. Alternativ prüften die Behörden den Einsatz von Wasserwerfern. Mit den Löschkanonen könnte das Innere der Meiler bewässert werden. Die Fahrzeuge wurden am späten Mittwochabend (Ortszeit) in Fukushima in Stellung gebracht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • jo mai,für Mexico haben sie Dronen über,für Japan habe sie Dronen über, nur für Lybien nicht ?

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