Atomreaktor von Tschernobyl Finanzierung von neuer Schutzhülle angeblich gesichert

„Das Problem ist vom Tisch“: Nach einer Geberkonferenz für den Bau eines neuen Schutzmantels um die Atomruine in Tschernobyl äußern sich die Beteiligten zufrieden. Doch noch ist kein Geld geflossen – und die Zeit drängt.
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Die Finanzierung der neuen Schutzhülle um den havarierten Atomreaktor von Tschernobyl soll gesichert sein. Quelle: dpa
Tschernobyl-Schutzhülle

Die Finanzierung der neuen Schutzhülle um den havarierten Atomreaktor von Tschernobyl soll gesichert sein.

(Foto: dpa)

LondonDer Neubau einer Schutzhülle um den explodierten Atomreaktor im ukrainischen Tschernobyl ist vorerst finanziert. Bei einer Geberkonferenz in der britischen Hauptstadt London kamen am Mittwoch zwar nur 530 der notwendigen 615 Millionen Euro zusammen. Die Verantwortlichen sind aber zuversichtlich, dass die Finanzierungslücke bald komplett geschlossen wird. „Das Problem ist vom Tisch“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, im Anschluss an das Treffen. „Es ist jetzt absolut klar, dass die Arbeit in Tschernobyl weitergehen kann.“

Unter anderem hätten Russland und China Mittel zugesagt, ohne einen konkreten Betrag zu nennen, sagte Flasbarth, der als Vertreter der G7-Staaten sprach. Die sieben führenden westlichen Industrienationen geben 95 Millionen Euro, 70 kommen von der EU-Kommission. Wie bereits zugesagt, übernimmt die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) mit 350 Millionen Euro den größten Teil. Weitere 15 Millionen Euro kommen von zahlreichen Ländern, darunter Dänemark, Österreich, Kuwait und Brasilien.

Der neue, über 100 Meter hohe und rund 2,1 Milliarden Euro teure Sarkophag soll die bisherige, einsturzgefährdete Schutzhülle aus Beton ersetzen. Nachdem am 26. April 1986 der Druckröhrenreaktor wegen einer Technikpanne explodiert war, hatten Soldaten eilig Tausende Tonnen Beton in die Ruine geschüttet. Feuchtigkeit und ein leichtes Erdbeben setzen dem Provisorium zu.

Ein Käfig für die Bestie von Tschernobyl
Kernkraftwerk Tschernobyl
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Arbeiter bauen am 19. März 2015 an der neuen Schutzhülle für den 1986 explodierten Kraftwerksblock des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine: Fast 30 Jahre nach der Atom-Katastrophe von Tschernobyl entsteht in der „Todeszone“ ein neuer Schutzmantel, ein sogenannter „Sarkophag“ für den explodierten Reaktor. Eigentlich hatte dieser 2015 fertig sein sollen – doch dann ging dem Tschernobyl-Fond das Geld aus. Auf einer Geberkonferenz unter deutscher Leitung trieben die G7-Staaten schließlich die nötigen Finanzmittel auf.

Teure Katastrophe
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Im Hintergrund ist der 1986 explodierte Kraftwerksblock zu sehen: Arbeiter stehen unter der neuen Schutzhülle des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Das Mammutprojekt soll nun 2017 beendet sein. Die fortwährende Strahlung macht die massive Schutzkuppel auch 30 Jahre nach der Katastrophe notwendig.

Käfig aus Stahl
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Die Außenansichten auf die Stahl-Spezialkonstruktion. Die alte Betonhülle, nach der Katastrophe 1986 hastig über den havarierten Reaktor gegossen, ist porös und droht einzustürzen. Von innen zerfrisst die Strahlung den Beton, von außen setzen ihm Wind und Wetter zu. Der Bau des neuen Sarkophags ist daher auch ein Wettlauf mit der Zeit, sollte die Anlage vor seiner Fertigstellung einstürzen, könnte das katastrophale Folgen haben.

Riesenprojekt
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Dabei ist auch die neue Schutzhülle nur ein Provisorium: Maximal 100 Jahre wird die Konstruktion halten können. Sie soll 108 Meter hoch, 162 Meter lang und 257 Meter breit werden – in der Fläche fast dreimal so groß wie der Petersdom.

Stopp, Radioaktivität!
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Am Ende steht dem Projekt dann noch ein gewaltiger Kraftakt empor – denn wegen der hohen Strahlenbelastung kann in unmittelbarer Nähe zum Reaktor gar nicht gearbeitet werden. Der 31.000 Tonnen schwere Bau muss deshalb nach seiner Fertigstellung erst noch über die Reaktorruine geschoben werden.

Lenin bleibt
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Ein bröckelndes Lenin-Standbild in der Todesszone von Tschernobyl: Die Geisterstadt Prypjat bildet das Zentrum des Sperrgebiets und hat wieder neue Besucher. In der Stadt wurden viele Gebäude renoviert, die als Unterkünfte für Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleute dienen.

Verlassenes Klassenzimmer
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Ein verlassenes Klassenzimmer in einer Schule der ehemaligen Fabrikarbeiterstadt Orevichi in der sogenannten Todeszone von Tschernobyl: Die verlassenen Gebäude sind ein radioaktives Mahnmal gegen die Gefahren der Atomkraft. Doch es gibt auch Anzeichen des Wandels...

Bereits 1997 hatten die G7-Staaten deshalb den Aufbau eines Fonds vereinbart, um einen Neubau zu finanzieren. Er soll im November 2017 fertig werden und die Umgebung rund 100 Jahre lang vor Strahlung schützen. An dem Projekt sind rund 40 Länder auf unterschiedliche Weise beteiligt.

Am Vortag war in der Nähe des Atomkraftwerks aus bisher ungeklärten Gründen ein Waldbrand ausgebrochen. Das Feuer sei aber „beinahe gelöscht“, sagte der ukrainische Umweltminister Ihor Schewtschenko, der ebenfalls an der Londoner Konferenz teilnahm. „Alles dort ist sicher und unter Kontrolle.“ Der Wind wehe vom Atomkraftwerk weg, es werde keine erhöhte Strahlung gemessen.

  • dpa
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