Attentäter aus dem Nichts
Wer ist Anders B.?

Anders B. gibt der Polizei Rätsel auf. Bislang ist von dem mutmaßlichen Attentäter aus Norwegen nicht viel bekannt. Spuren finden sich jedoch im Internet - auf Facebook und Twitter und in nationalistischen Foren.
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Oslo/Stockholm„Ein Mensch mit einem Glauben hat die Kraft von 100 000, die nur Interessen haben“ - Das ist der einzige Satz, der unter dem Namen des mutmaßlichen norwegischen Attentäters Anders B. im Twitter zu finden ist. Datiert ist er auf den 17. Juli 2011. Nur fünf Tage später soll der 32-jährige Norweger mehr als 80 Jugendliche in einem Ferienlager kaltblütig ermordet und eine Bombe im Osloer Regierungsviertel gezündet haben. Insgesamt verloren mindestens 91 Menschen ihr Leben.  

Anders B. stammt aus Norwegens Hauptstadt und wird der rechts-nationalistischen Szene zugeordnet. Laut Polizeiangaben gehört der Verdächtige jedoch keiner der bekannten rechtsextremen Bewegungen Norwegens an und hatte in seiner Polizeiakte nur Einträge wegen kleinerer Vergehen. „Er war nicht auf unserem Radar und wäre er in einer Neo-Nazi-Gruppe in Norwegen aktiv gewesen hätten wir ihn auf dem Radar gehabt“, sagte ein Polizist. Trotzdem könnte es sein, dass er von der rechtsextremen Ideologie inspiriert worden sei. „Er kam aus dem Nichts“.

Einer auf seinen Namen registrierten Facebook-Seite zufolge, die wie andere Internetquellen von der Netzgemeinde noch in der Nacht zum Samstag aufgespürt und gesichert wurde, ist Anders B. christlich und konservativ, geht gerne jagen und spielt „World of Warcraft“. Er soll mindestens zwei registrierte Waffen besitzen.  Nach Angaben des TV-Senders NRK bewohnte der blonde, unverheiratete und kinderlose Mann bisher eine Wohnung am östlichen Stadtrand von Oslo. Vor einem Monat habe er sich bei den Behörden umgemeldet auf einen kleinen ländlichen Hof in Rena nördlich der Hauptstadt.

Im Handelsregister steht, er baue dort Gemüse, Melonen und Rüben an - der Kunstdünger könne als Sprengstoff benutzt werden, wird in den Medien spekuliert.  Als Idole von Anders B. sind auf der Facebook-Seite der britische Premierminister Winston Churchill (1874-1965) genannt und Max Manus (1914-96) - Widerstandskämpfer während der Zeit der deutschen Besetzung Norwegens. Die einzigen Einträge unter seinem Namen sind Links auf Musikvideos: Vorwiegend Trance, dabei outet ihn das Profil zugleich als Liebhaber klassischer Musik, Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und Adam Smiths „Der Wohlstand der Nationen“.  

Auf der islamkritischen Internetseite document.no sind unter dem Namen Anders B. Dutzende islamkritische und nationalistische Einträge zu finden - alle wortgewandt. Demnach teilt Anders B. die Welt in Multikulturalisten und kulturkonservative Menschen. In den schon älteren Einträgen wird Multikulturalismus als „kultureller Marxismus“ und eine „anti-europäische Hassideologie“ bezeichnet, deren Ziel es sei, die europäische Kultur, die Nationalstaaten und das Christentum zu zerstören.  Kulturkonservative, zu denen sich der Autor selbst zählt, würden dagegen als Rassisten abgestempelt - was genauso schlimm sei wie Judenverfolgung und Inquisition.

Ein Eintrag wendet sich gegen norwegische Alternative und Antifa-Gruppen, die die politisch Konservativen bewusst terrorisierten. Genannt werden sie - in Anspielung auf die Hitler-Jugend - die „Stoltenberg-Jugend“.  Weiteres über Anders B. ist auch von der Polizei nicht zu erfahren: „Wir wissen bisher auch nicht mehr als das, was die Medien zusammengetragen haben“, sagte Fahndungschef Øystein Mæland am Samstag.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Zitat: "Unklar ist, in wieweit die RAF von Geheimdiensten installiert, animiert und instrumentalisiert wurde."
    Na wenn du es nicht weißt, dann sag ichs dir: Nichts, aber auch gar nichts ist daran unklar!
    Dir ist nicht mehr zu helfen, du Hellseher. Das ist das dümmste, was hier seit langer Zeit zu lesen war.

    Zitat: "Es gelang der experimentelle Nachweis, wie schnell per Mediennutzung die Mehrheit der Bürger bereit ist, Freiheit, Teile der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit für angeblich mehr "Sicherheit" aufzugeben."
    Frage: Von welcher Verschwörungsseite hast du das denn gegoogelt? Das mußt du aus dem Internet haben, denn ich trau es dir gar nicht zu, daß du dir solch einen Mist ausdenken kannst. Die RAF ein Experiment des Staates, mein lieber Zeitzeuge, das tut weh!

  • @ EU-Jourist : Sie werden noch öfters Ihre "Freude" mit mir haben, verlassen Sie sich darauf. Ich hätte Ihnen mehr zugetraut, als eine solche substantiell weder neue noch überzeugenden Äußerung!

  • @ mission possible : Wie alt sind Sie? Was wissen Sie über die Maßnahmen, die damals etabliert wurden und bis heute systematisch fortgeschrieben werden, obwohl zumindestens damals keinerlei objektiv erkennbare Gefahr bestand, daß die BRD in irgend einer Weise in ihrem wirtschaftlichen, rechtlichen oder politischen Fortbestehen auch nur ansatzweise gefährdet war. Keine 1000 Leute waren damals bereit, es den RAF-Terroristen gleichzutun. Auch gab und gibt es bis heute keinerlei politisch relevante Bewegung oder andere Formen von Manifestationen, die die Absichten und Ziele der RAF in einer Weise aufgreifen, daß erneut reale Gefahren für das öffentliche Leben, eine angemessene öffentliche Ordnung oder den Bestand der BRD bestehen würden. Mit der Ergreifung und Verurteilung der RAF-Aktivisten war die Angelgenheit zu Ende und im Nachgang haben sich keinerlei stichhaltige Erkenntnisse hinsichtlich einer signifikanten Verwurzelung in der deutschen Gesellschaft ergeben. Unklar ist, in wieweit die RAF von Geheimdiensten installiert, animiert und instrumentalisiert wurde. Zumindest liefern die damigen Vorgängen sehr viel an Erkenntnissen, die für die Einführung des "Krieges gegen den Terrorismus" sehr nützlich waren. Es gelang der experimentelle Nachweis, wie schnell per Mediennutzung die Mehrheit der Bürger bereit ist, Freiheit, Teile der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit für angeblich mehr "Sicherheit" aufzugeben. Der Bürger selbst ist inzwischen zum "Hauptfeind" des Staates erklärt worden und so wird er auch behandelt, wenn er mit Behörden zu tun hat - natürlich auch zum entsprechenden Preis unter dem Vorwand allgemeiner Gerechtigkeit.

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