Attentäter stellt sich
Flugzeugentführung unblutig beendet

Die Entführung eines türkischen Passagierflugzeugs mit mehr als 100 Menschen an Bord ist am Dienstagabend ohne Blutvergießen im italienischen Brindisi zu Ende gegangen.

HB ROM/ISTANBUL. Der aus der Türkei stammende Entführer gab auf. Er hatte die Maschine der Turkish Airlines auf dem Weg von der albanischen Hauptstadt Tirana nach Istanbul in seine Gewalt gebracht. Bei dem Täter handelt es sich nach türkischen Behördenangaben um einen Militärdesserteur, dem in der Heimat Strafverfolgung drohte. Entgegen ersten Berichten wollte er mit seiner Tat nicht gegen Papst Benedikt XVI. protestieren. Laut türkischen Medien suchte der 28-jährige Kriegsdienstverweigerer, der sich zum Christentum bekennt, möglicherweise die Unterstützung des Kirchenoberhaupts.

In ersten Berichten war zunächst von zwei Entführern die Rede gewesen. Drei Stunden nach der Landung in Brindisi verließen auch die 107 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder unversehrt die Boeing 737. Der unbewaffnete Entführer hatte sich laut türkischen Medienberichten im Mai nach Albanien abgesetzt und sich dort vergeblich um Asyl bemüht. Bei einer Rückkehr in die Türkei hätte ihm die Festnahme gedroht. Er soll sich schon im August in einem Brief an Benedikt XVI. gewandt haben. Darin schrieb er laut türkischen Medien, er wolle als Christ nicht in einer muslimischen Armee dienen. Er habe im Christentum „das wahre Leben gefunden“. Zunächst hatte es geheißen, der Täter habe wegen der jüngsten Islam-Äußerungen des Papstes gegen einen im November geplanten Türkei-Besuch Benedikts protestieren wollen.

Nach der Landung in Italien hatte der Mann unter anderem verlangt, eine Botschaft an Benedikt überbringen zu dürfen. Der Entführer wolle jetzt politisches Asyl in Italien beantragen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos.

Die Boeing befand sich im griechischen Luftraum, als der Mann die Maschine in seine Gewalt brachte. Dass zunächst von zwei Entführern die Rede war, ging vermutlich auf einen „Bluff“ des Entführers zurück, vermuten Ermittler. So habe dieser, als er in das Cockpit eingedrungen sei, dem Piloten erklärt, er habe einen Komplizen unter den Passagieren.

Die Maschine wurde zunächst von griechischen, dann von italienischen Kampfflugzeugen nach Brindisi begleitet, wo sie sicher landete. Das zweistrahlige Flugzeug wurde auf einem abgelegenen Rollfeld geparkt und war stundenlang von Soldaten und Carabinieri umringt. Der Flughafen wurde abgeriegelt. Der Flugverkehr wurde am späten Abend wieder aufgenommen.

Italienische Sicherheitsbeamte beschrieben den Entführer nach Medienberichten als „nicht aggressiv“. Provinzpräsident Michele Errico sagte, der Entführer habe einen „verängstigten“ Eindruck gemacht. Beim Verlassen der Maschine soll er sich bei den Passagieren entschuldigt haben.

Der Vatikan hält ungeachtet der Flugzeugentführung an der für Ende November geplanten Papstreise in die Türkei fest, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Vatikankreise.

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