Attentat auf Milliardär
Bollywood lässt grüßen

Ein Wirtschaftstycoon, ein manipulierter Helikopter und ein toter Zeuge - Indiens spektakulärster Kriminalfall der vergangenen Jahre böte genug Stoff für einen Spielfilm. Nach dem versuchten Attentat auf den indischen Milliardär und Wirtschaftsriesen Anil Ambani rätselt das ganze Land, wer hinter der heimtückischen Tat stecken könnte.

NEU-DELHI. Die Geschichte könnte das Skript für einen Bollywood-Thriller über die dunklen Intrigen in Indiens Welt der Superreichen sein. Unbekannte manipulieren den Helikopter eines der mächtigsten Tycoone des Landes. Ein aufmerksamer Mechaniker entdeckt in letzter Minute die tödliche Gefahr. Wenige Tage später liegt der Retter und wichtigste Zeuge tot auf den Gleisen einer Vorortbahn.

Was wie ein fiktiver Leinwand-Schocker klingt, beschäftigt seit Wochen Bombays Kriminalpolizei. Denn Anil Ambani, mit einem geschätzten Vermögen von 9,5 Mrd. Euro einer der reichsten Inder und Vorstandschef des Mischkonzerns Reliance ADAG, könnte haarscharf einem tödlichen Absturz entgangen sein.

Am Vorabend eines Flugs von Ambani mit seinem Helikopter entdeckt ein Mechaniker, dass der Öleinfüllstutzen zum Getriebe der Bell 412 nicht korrekt verschlossen ist. Er sieht nach und findet darin Kieselsteine. Ambanis Pilot erstattet daraufhin Strafanzeige. Jemand habe versucht, den Reliance-ADAG-Chef umzubringen, informiert er die Polizei. Und äußert auch gleich einen bösen Verdacht: Möglicherweise steckten Geschäftsrivalen hinter der tückischen Tat. Bollywood lässt grüßen - Ambani verdient sein Geld unter anderem in der Filmindustrie.

Die Polizei vernimmt Bharat Borge, den aufmerksamen Mechaniker, als wichtigen Zeugen. Aber auch der interne Sicherheitsdienst von Reliance interessiert sich für ihn. Angeblich tauchen mehrere Vertreter des Unternehmens bei Borge auf und kündigen an, ihn am nächsten Tag befragen zu wollen. Da aber ist der Mechaniker bereits tot, überrollt von einem Vorortzug. In seiner Hosentasche findet sich ein Brief, in dem er den Besuch der Reliance-Leute erwähnt. Er habe Angst, "benutzt" zu werden, schreibt Borge in sauberer Handschrift und setzt auch noch seinen Fingerabdruck dazu.

Für die Polizei ist der Fall schnell klar. Borge habe Selbstmord begangen, ein Fremdverschulden sei ausgeschlossen. Borges Familie aber will das nicht glauben: Der Vater dreier Kinder sei nicht der Typ dazu.

Seitdem ergeht sich Indiens Presse in wilden Spekulationen über die Urheber des versuchten Attentats. Steckt ein interner Streit in der Wartungsfirma für den Helikopter dahinter? Oder ein Wettbewerber im Service-Geschäft? Oder stimmt am Ende doch der Verdacht von Ambanis Piloten?

Indiens Geschäftswelt ist berüchtigt für ihre rauen Sitten. Berichte über Intrigen, Nötigung, ja sogar Mord füllen fast täglich die Zeitungsseiten. Doch ganz oben, im Olymp der Superreichen, da stimmte bisher die Fassade. Die Polizei ist denn auch sichtlich bemüht, die Geschichte möglichst schnell aus der Welt zu schaffen und verspricht baldige Ermittlungserfolge. Derweil geht Anil Ambani lieber auf Nummer sicher. Statt des Helikopters nimmt er jetzt das Auto für den Weg zur Arbeit.

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