Todesfahrt in Münster

Am frühen Sonntagmorgen wurde das Tatfahrzeug abgeschleppt.

(Foto: dpa)

Attentat in Altstadt Amokfahrer aus Münster hatte schon länger Suizidgedanken

Ermittler finden offenbar langen Brief des Täters. Er soll erfolgreich und wohlhabend gewesen sein – aber schwere psychische Probleme gehabt haben.
Update: 09.04.2018 - 08:56 Uhr 3 Kommentare

„Der Täter von Münster ist kein Islamist oder Flüchtling“

„Der Täter von Münster ist kein Islamist oder Flüchtling“

MünsterNach der Amokfahrt mit drei Toten in Münster verstärken sich die Hinweise auf einen psychisch gestörten Einzeltäter. „Es sieht ganz so aus, dass es sich um einen psychisch labilen und gestörten Täter handelt, der offensichtlich schon länger darüber nachgedacht hat, sich das Leben zu nehmen“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montagmorgen im Deutschlandfunk. Es würden zwar nach wie vor auch andere Hintergründe geprüft. „Aber es spricht schon sehr, sehr viel dafür, dass es ein Einzeltäter war.“

Der 48 Jahre alte Amokfahrer hatte sich nach Angaben der Polizei in einem langen Schreiben zu Suizid-Gedanken geäußert. Nach dpa-Informationen stammt der Mann aus dem sauerländischen Olsberg, wuchs in Brilon auf und lebte als erfolgreicher Industriedesigner in Münster.

Reul erklärte, der Mann sei bereits auffällig gewesen und der Polizei bekannt, weil er kleinere Straftaten begangen habe. Auch wussten die Gesundheitsbehörde von seinem angeschlagenen Zustand. Aber: „Wenn jemand darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen, ist dadurch nicht automatisch daraus zu schließen, dass er auch anderen Menschen Gewalt antun wird“, sagte Reul. Bei dem blutigen Zwischenfall vor einem Lokal in der belebten Innenstadt waren am Samstag etwa 20 Menschen verletzt worden. Zwei von ihnen schwebten am Montagmorgen noch in Lebensgefahr.

Seehofer: „Unsere Sicherheitslage ist extrem angespannt“

Seehofer: „Unsere Sicherheitslage ist extrem angespannt“

Die Ermittler wollen nun eine Art Bewegungsprofil des 48-jährigen Todesfahrers erstellen. „Wir konzentrieren uns jetzt mit unseren Untersuchungen insbesondere darauf, ein möglichst umfassendes Bild über das Verhalten des Täters in den Vorwochen zu erhalten“, sagte der Polizeipräsident von Münster, Hajo Kuhlisch, am Wochenende. So wollten die Ermittler dessen Motivation für die blutige Tat verstehen.

Nach Informationen von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ soll der Mann in der Mail an Bekannte aufgearbeitet haben, was in seinem Leben schiefgelaufen sei und wer daran Schuld trage. In der Wohnung des 48-Jährigen im sächsischen Pirna sei außerdem ein älteres, 18-seitiges Schreiben entdeckt worden. Darin verarbeite der spätere Amokfahrer Kindheitserlebnisse und frühe, von ihm als demütigend empfundene Erfahrungen. Dazu zählten laut WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ gravierende Problemen mit seinen Eltern, Schuldkomplexe, nervliche Zerrüttung und wiederkehrende psychische Zusammenbrüche.

Die Polizei bestätigte den Fund des Schreibens nicht. Sie teilte aber mit, dass Polizisten wegen der Mail die Wohnungen des Mannes in Sachsen und Münster aufgesucht, den Mann aber nicht angetroffen hätten. Es sei nun wichtig, „ein möglichst umfassendes Bild über das Verhalten des Täters in den Vorwochen zu erhalten“. So hofften die Ermittler auf eine Spur bei der Suche nach einem Motiv für die Tat.

Nach der Amokfahrt sprachen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Sonntag gemeinsam Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl aus. „Wir hoffen inständig und beten dafür, dass die Verletzten wieder gesund werden“, sagte Seehofer. Er dankte ebenso wie Reul Polizei und Sicherheitskräften - und auch den Medien, die sich verantwortungsbewusst verhalten und „sachgerecht“ berichtet hätten.

Laschet lobte die Besonnenheit und Solidarität der Münsteraner nach der Tat. Er wünsche sich, dass „diese besondere Münsteraner Erfahrung einer Friedensstadt“ auch diejenigen erreiche, die „ganz schnell bei Twitter und anderswo wieder das Hetzen begonnen haben“. Für die Angehörigen sei die Religion der Täter egal, sie hätten einen Menschen verloren. „Und diesen Respekt sollte man immer im Blick haben.“

Der Mann war am Samstag um 15.27 Uhr mit einen silberfarbenen Campingbus im Zentrum von Münster in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte gerast, danach hatte er sich im Wagen erschossen. Bei den beiden Todesopfern handelt es sich um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg (Niedersachsen) und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen). In der Uniklinik gab es außerdem mehrere Notoperationen. Mindestens drei der mehr als 20 Verletzten schwebten zunächst weiter in Lebensgefahr.

Die Polizei durchsuchte in Sachsen und Münster insgesamt drei Wohnungen des Amokfahrers und eine Halle. Auch aus diesen Durchsuchungen ergaben sich keine Hinweise auf ein politisches Tatmotiv, wie es hieß. Bei der Durchsuchung fand die Polizei eine nicht brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47. Experten des Landeskriminalamts aus Düsseldorf entdeckten im Wagen des Mannes zudem die Waffe, mit der sich der Täter erschossen hatte, sowie eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Festnahmen im Zusammenhang mit Berliner Halbmarathon
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Attentat in Altstadt - Amokfahrer aus Münster hatte schon länger Suizidgedanken

3 Kommentare zu "Attentat in Altstadt: Amokfahrer aus Münster hatte schon länger Suizidgedanken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ATTENTAT IN ALTSTADT
    Amokfahrer aus Münster hatte schon länger Suizidgedanken
    Ermittler finden offenbar langen Brief des Täters. Er soll erfolgreich und wohlhabend gewesen sein – aber schwere psychische Probleme gehabt haben.

    .....................

    ER LITT DARUNTER EUROPÄER UNTER DER FÜHRUNG DER EUROPÄISCHER UNION SEIN ZU MÜSSEN ?

    SUIZID RATE EUROPAS STEIGT STÄNDIG INNERHALB DIESER " EU " AUF REKORD HÖHE !!!

  • Wie krank muss man sein, wenn man selbst nachdem vieles geklärt ist, immer noch Hetze betreibt.

    Mein Beileid den Angehörigen, meine Verachtung für Alle, die diese Tat instrumentalisiert haben!

  • Wie schnell die Informationen da waren. Bereits kurz nach der Tat gab es bereits den Namen. Und jetzt ist schon die Tat geklärt. Eine passende E-Mail wurde ebenfalls gefunden.

    Fall abgeschlossen.

    Zeigt doch mal ein Bild des Täters, des richtigen Täters.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%