Attentat in Altstadt Täter von Münster hatte vier Wohnungen – keine Hinweise auf politischen Hintergrund

Die Ermittler geben erste Details zum Todesfahrer bekannt. Innenminister Horst Seehofer plädiert für mehr „Poller“ zur Sicherung von Straßen und Plätzen.
Update: 08.04.2018 - 15:22 Uhr Kommentieren
Polizisten stehen auf der Voßgasse in Münster. Zum Zeitpunkt der Tat war ein Streifenwagen der Polizei ganz in der Nähe gewesen. Quelle: dpa
Attentat in Münster

Polizisten stehen auf der Voßgasse in Münster. Zum Zeitpunkt der Tat war ein Streifenwagen der Polizei ganz in der Nähe gewesen.

(Foto: dpa)

MünsterNordrhein-Westfalens Innenministers Herbert Reul (CDU) hat die bisherigen Informationen zum Täter von Münster am Sonntag bekräftigt. Der mutmaßliche Amokfahrer sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ ein aus Deutschland stammender Einzeltäter und kein Flüchtling, sagte Reul in Münster.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit gebe es für die Tat keinen islamistischen Hintergrund. Es gebe „eine Menge Erkenntnisse“, dass das Motiv in der Person des Täters liege. Allerdings würden die Ermittlungen dazu noch Stunden und Tage dauern. „Wir sind noch lange nicht am Ende. Es ist die Stunde der Ermittler“, sagte der CDU-Politiker.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben bislang keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund. „Wir wissen nur so viel, dass die Tat offenbar mit der Person des Täters im Zusammenhang steht“, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin in Münster, Elke Adomeit, am Sonntag. Der Täter sei polizeibekannt.

In Münster habe es in den Jahren 2015 und 2016 drei und bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg ein Verfahren gegen ihn gegeben. Dabei sei es um eine Bedrohung, eine Sachbeschädigung, eine Unfallflucht sowie um einen Betrug gegangen. „Alle Verfahren sind eingestellt worden“, sagte Adomeit. „Auf den ersten Blick haben wir hier keine Anhaltspunkte auf eine stärkere kriminelle Intensität, die wir hier bei dem Täter feststellen konnten.“

Die Ermittler hätten die Nacht über die Wohnungen des Täters durchsucht, sagte der Polizeipräsident von Münster, Hans-Joachim Kuhlisch. „Sie werden verstehen, bei vier Wohnungen – zwei davon in Ostdeutschland, zwei in Münster – können wir jetzt nicht abschließend sagen, dass wir da gar nichts finden würden.“

Die erste Durchsicht habe jedoch keinerlei Hinweise auf einen politischen Hintergrund ergeben. Dies gelte auch für mehrere Fahrzeuge und einen Container, die dem Täter zugeordnet würden. „Bisher gehen wir auch deshalb davon aus, dass die Motive und Ursachen in dem Täter selbst liegen.“ Kuhlisch äußerte sich nicht dazu, weshalb der Täter vier Wohnungen hatte. Derartige Sachverhalte seien aber bei diesem Täterprofil nicht ungewöhnlich und müssten nicht unbedingt auf einen kriminellen Hintergrund hindeuten, sagte er.

Der Sprecher der Interessengemeinschaft des Kiepenkerlviertels, Martin Stracke, zeigte sich schockiert über die Tat. Besonders die Mitarbeiter und Betreiberfamilien der beiden Gaststätten am Tatort könnten das Geschehen kaum fassen. „Der Betrieb ruht im Moment - und zwar so lange, bis die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen, wir trauen uns das wieder zu, wir können die Arbeit wieder aufnehmen“, sagte er. „Wir hoffen, dass das Viertel zur Normalität zurückfindet. Aber wir sind sicher, das wird passieren.“

NRW-Innenminister Reul dankte wie zuvor Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den Medien für ihre zurückhaltene Berichterstattung. Sie seien den Bitten der Polizei, über Fakten zu berichten und nicht zu spekulieren, nachgekommen.

Der NRW-Minister verwies darauf, dass zum Zeitpunkt der Tat ein Streifenwagen der Polizei ganz in der Nähe gewesen sei. Das zeige: „Polizei vor Ort ist nicht ganz wertlos, sondern extrem wertvoll.“ Dennoch werde es eine absolute Sicherheit auf Plätzen und Straßen, in Zügen und Flugzeugen nicht geben. „Das geht nicht“, betonte Reul.

Seehofer hat den Opfern und den Angehörigen nach der Amokfahrt von Münster die „Solidarität und Anteilnahme“ der Bundesregierung überbracht. „Dieses feige und brutale Verbrechen hat uns alle sehr betroffen gemacht“, sagte er am Sonntag in Münster. Er hoffe inständig und bete dafür, dass die Verletzten wieder gesund werden.

Der CSU-Politiker lobte die Polizei und die Rettungskräfte, die „absolut professionell gearbeitet“ hätten. Der Vorfall zeige erneut, dass es leider keine absolute Sicherheit gebe. Er regte die Sicherung von Straßen und Plätzen durch mehr Beton-Hindernisse an.

„Poller hätten in dem konkreten Fall helfen können, aber es muss immer nach einzelnen Gesichtspunkten der Örtlichkeiten entschieden werden“. sagte der CSU-Politiker der Zeitung „Bild“ (Montagausgabe). Er räumte allerdings ein, dass Poller kein Allheilmittel seien, weil sie auch Rettungskräfte behindern könnten.

Wichtig sei auch eine deutliche Polizeipräsenz auf den Straßen, sagte Seehofer. In Münster sei ein Streifenwagen sofort in der Nähe gewesen, das habe vielleicht schlimmeres verhindert. Bei allen Bemühungen sei eine absolute Sicherheit leider nicht möglich, sagte der Minister beim Besuch des Tatortes am Mittag.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat in Münster sein Mitgefühl mit den Opfern ausgedrückt. Der Samstag sei „ein schrecklicher, ein trauriger Tag für die Menschen in Münster“ gewesen, aber auch für ganz Nordrhein-Westfalen und Deutschland, sagte Laschet am Sonntag in der Nähe des Tatorts. Er lobte die Besonnenheit und Solidarität der Bevölkerung und kritisierte diejenigen Nutzer sozialer Netzwerke, die dort kurz nach der Tat „das Hetzen“ begonnen hätten.

Der Bundesinnenminister Seehofer (l.) und NRW-Ministerpräsident Laschet besuchten den Tatort in Münster. Quelle: Reuters
Horst Seehofer und Armin Laschet

Der Bundesinnenminister Seehofer (l.) und NRW-Ministerpräsident Laschet besuchten den Tatort in Münster.

(Foto: Reuters)

„Für die Opfer ist es egal, welche Religion der Täter hat - hier habe ich einen Menschen verloren, und diesen Respekt sollte man immer im Blick haben“ , sagte er. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hatte kurz nach der Tat „WIR SCHAFFEN DAS!“ in Anlehnung an das Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Flüchtlingskrise getwittert und dafür Kritik geerntet. „Es gibt Menschen, die sind nicht integrierbar“, konterte der Kabarettist Dieter Nuhr ebenfalls via Twitter. „Beatrix von Storch gehört mit Sicherheit dazu.“

In Münster war am Vortag ein Campingbus in der Altstadt in eine Menschengruppe gerast. Zwei Menschen starben, weitere wurden verletzt. Der Fahrer erschoss sich nach Polizeiangaben im Wagen.

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