Aus aller Welt
„Auch ich war ein Gauner“

"In den ersten Nachkriegsjahren bestritt ich mein Leben als professioneller Dieb und Schwarzmarkthändler", erzählte Eduard Zimmermann der Bild-Zeitung. Bis 1954 dauerte seine kriminelle Karriere, von der er fast fünf Jahre im Gefängnis verbrachte.

Nach dem Krieg habe er angefangen, mit Zigaretten zu handeln. "Das Geschäft lief Monatelang störungsfrei", erzählt er. Irgendwann erwischte ihn die Polizei und verfrachtete ihn nach Santa Fu, das "gefürchtete Zuchthaus Fuhlsbüttel."

Zimmermann blieb dort nicht lange und verdingte sich anschließend als Brotausfahrer. Auch hier fand er schnell eine Möglichkeit, ein paar Mark extra zu machen: "Ich klaute Brotmarken und verkaufte sie Gewinn bringend weiter."

Auf Dauer war das jedoch nichts für ihn, und so versuchte er, sich nach Schweder aufzumachen. Pilot wollte er werden, schaffte es aber einfach nicht bis in das skandinavische Land. Nach drei illegalen Ausreiseversuchen wurde er schließlich in ein Jugendheim gesteckt.

Auch das Jugendheim brachte keine Läuterung. "Ich brauchte Geld, fiel nach meiner Entlassung schnell zurück in illegale Schwarzmarktgeschäfte", zitiert die Zeitung den Ex-Moderator. Wiederum zog es ihn nach Schweden, diesmal jedoch als Ingenieur. Da er weder Abitur noch das nötige Diplom hatte, fälschte er die Dokumente kurzerhand - und wurde eingestellt. Unter dem Decknamen "Herbert Peters" arbeitete er fortan als Straßenbauingenieur. "Das Bauamt war mit mir zufrieden", sagte er.

Das Glück währte nicht lange. Eine schwedische Zeitung, für die er nebenbei arbeitete, schickte ihn 1949 nach Ostdeutschland, um eine Reportage zu schreiben. Der sowjetische Geheimdienst hatte etwas dagegen und nahm ihn fest. "Die Anklage: Spionage zu Gunsten einer kapitalistischen Zeitung in Stockholm. Das Urteil: 25 Jahre Straflager Bautzen." Nach viereinhalb Jahren sorgte die Viermächtekonferenz 1954 jedoch für seine vorzeitige Entlassung. Zimmermann: "Dieser Tag wurde mein zweiter Geburtstag."

"Sie hat mich hart gemacht", sagt der 76-Jährige heute über seine Zeit als Krimineller. "Ich bin sozusagen der Beweis dafür, dass man von der schiefen Bahn wieder runter kommt, wenn man will."

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