Auch Kardinal Ratzinger hat Chancen
Papst-Nachfolge ist völlig offen

Wenn die derzeit 117 Kardinäle unter 80 Jahren spätestens 20 Tage nach dem Tod des Papstes in der Sixtinischen Kapelle zusammenkommen werden, deutet vieles auf einen Kirchenführer aus Italien oder Lateinamerika hin. Als „Joker“ gilt der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger

HB ROM. Sollten sich die großen „Blöcke“ bei der Versammlung blockieren, könnte es auf den Mann aus Bayern hinauslaufen. Das wäre eine Sensation: Der erste deutsche Papst seit 500 Jahren. Viele wünschen sich nach dem langen Pontifikat Karol Wojtylas eine Art „Zwischenpapst“, einen älteren Kandidaten wie Ratzinger, der eher wenige Jahre regiert und keine grundlegenden Weichenstellungen vornimmt. Johannes Paul II. prägte die Kirche fast 27 Jahre lang.

Was den Namen anbetrifft, stochern die Experten allerdings im Nebel. „Wer als Papst in das Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus“, heißt ein altes römisches Sprichwort. Im Klartext: Auf so genannte Favoriten sollte man nicht allzu viel geben. Und arithmetische Überlegungen machen die Sache auch nicht leichter: Rund die Hälfte der Wahlberechtigten kommt aus Europa, die andere aus Nordamerika und der Dritten Welt. Schon seit geraumer Zeit werden Stimmen nach einem künftigen Kirchenführer „aus dem Süden“ laut. Immer häufiger fällt der Blick nach Lateinamerika. Dort leben fast die Hälfte der Katholiken in der Welt, die Kirchen sind lebendig und noch weitgehend unberührt vom Geist des Zweifels, der in so vielen Ländern Europas umgeht.

In der Konklave, der Versammlung der Kardinäle aus der ganzen Welt, wird streng abgeschieden in der Sixtinischen Kapelle der Papst gewählt. Die Kardinäle sind nach dem Papst die höchsten Männer in der Kirche. Seit Jahrhunderten gehen aus ihrem Kreis die Päpste hervor. Knapp die Hälfte der Teilnehmer der Konklave, nämlich 58, kommt aus Europa. Die Europäer haben damit allerdings bei weitem nicht die für eine Papstwahl zunächst erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Die zweitgrößte Gruppe mit 21 stellen die Kardinäle aus Süd- und Mittelamerika, aus Nordamerika kommen 14 Kardinäle. Afrika und Asien sind mit je 11 Würdenträgern vertreten, Ozeanien mit 2. Die größte Ländergruppe im Konklave stellt nach wie vor mit Abstand Italien mit 20 Kardinälen; Deutschland ist mit 6 vertreten.

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