Auf dem Fahrrad durch Paris Mme. Vélo

Die Werbestrategin Karen Heumann liebt es, mit dem Fahrrad durch Paris zu rollen, bevorzugt durch die alten Quartiere. Das hat nur auf den ersten Blick nichts mit ihrer Arbeit zu tun. Das Weekend Journal traf die Chefstrategin Karen Heumann (41), Vorstand Strategische Planung & New Business bei Jung von Matt, beim Stadtradeln in der französischen Hauptstadt.
  • Uli Schulte Döinghaus
Der Eiffelturm in Paris: nur eine Station auf dem Weg durch die französische Hauptstadt. Foto: dpa

Der Eiffelturm in Paris: nur eine Station auf dem Weg durch die französische Hauptstadt. Foto: dpa

Um Karen Heumann zu verstehen, genügt es eigentlich, eine Straßenseite in Paris zu wechseln und mal hinter der Hausnummer 30 nachzuschauen, mal hinter der Hausnummer 31. Die Hausnummer 30 der „Rue Vieille du Temple“ ist die Adresse des Cafés „Au petit fer à cheval“ („Zum kleinen Hufeisen“). Sechs schräge Meter gegenüber, No. 31, ist das „Amorino“, eine Eisdiele.

Deren Markenprofil schätzt die Werberin Heumann hoch ein, kommt fast ins Anbeten, wenn sie von der ansteckenden Fröhlichkeit der schwarz gestylten Eisverkäuferinnen schwärmt, von der Wiedererkennbarkeit des Designs, der Qualität des Speiseeises natürlich und dem Logo der Firma, einem kleinen geflügelten Amor, dessen lüsterner Blick auf eine vierkugelige Eiswaffel gerichtet ist. So etwas sieht und schätzt sie mit dem geschulten Blick einer Expertin, die ihre Eiskugeln als Vorstandsmitglied bei der angesehenen Werbeagentur Jung von Matt verdient, verantwortlich für „Strategische Planung“ und „Neugeschäft“.

Sollten Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, also eines Tages über den wundersamen Aufstieg einer Eiskette namens „Amorino“ wundern, dann könnte das an Karen Heumann liegen und ihrem werbestrategischen Sachverstand für Märkte aller Art. Das vorwärts gewandte Denken in strategischen Möglichkeiten und Chancen ist ihr nicht erst zu eigen, seit sie Chefplanerin bei Jung von Matt in Hamburg ist. Stets und ständig, sagt sie, denke sie über die Dinge auf ähnliche Weise nach: „Könnte daraus was werden? Was passiert, wenn ...?“

Mit der Pariser Hausnummer 30, dem Café „Au petit fer à cheval“, hat es die Bewandtnis, dass es quasi die private Karen Heumann repräsentiert. Sie nimmt draußen, neben ihrem „Spiegel“-lesenden Ehemann Wolf, an einem der runden Winztische Platz, schiebt die Sonnenbrille in Richtung Pferdeschwanz, neigt den Kopf und vertieft sich in „Der hellwache Träumer“ von Monika Pelz – eine Biografie über Jean-Jacques Rousseau und eine Geschichte über einen Leidenschaftlichen wider Willen, dessen Leben in den Pariser Salons und anderswo die Leserin Heumann fasziniert.

„Im Grunde lehnte Jean-Jacques auch ab“, schreibt die Biografin Pelz, „was er mit solcher Besessenheit tat: Lernen, Arbeiten, systematisch Denken, Schreiben,Veröffentlichen.“

Für Karen Heumann ist Lesen nicht einfach nur das Versammeln von Buchstaben, Zeilen und Kapiteln zum Zwecke des Denkens, Lernens und Entspannens, sondern eine selbstverständliche Zwangsläufigkeit. Sie ist eine dieser Leserinnen, die sich in die Geschichte ihrer Protagonisten so einklinken, als wär’s ein Stück von ihnen selbst. Das belletristische Bücherlesen ist der studierten Germanistin zu einer fast unheimlichen Leidenschaft geworden, zu einer Lebenshaltung, zu der es auch gehört, dass aus Buchhandlungen Pilgerstätten werden, so wie das Buchcafé dort drüben, wo es eine Flasche Chablis, La Chablisienne 2005 für 14 Euro gibt und/oder den Bildband „Paris. Mon Amour“ auf Verhandlungsbasis.

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