Auf der Suche nach dem perfekten Hemd
Schnuppern Sie bitte mal

Kann es das geben: ein Hemd, in dem man auch am Ende von zwei superheißen Tagen nicht müffelt?Das Weekend Journal machte den Praxistest unter südlicher Sonne.

Die Werbung für das besondere Hemd bläht sich ganz schön auf: „Ich stinke nicht. Du kannst schwitzen oder dich in verrauchten Kneipen herumtreiben. Jeder Eigen- und Fremdgeruch wird von mir neutralisiert.“ Sollte Seidensticker aus Bielefeld mit ihrem „Splendesto fresh“-Konzept tatsächlich das perfekte Hemd erfunden haben?

Daran arbeiten auch andere: Die Heinrich Katt GmbH in Oldenburg bringt im Herbst ein Casa Moda Freshirt auf den Markt, auch so ein Geruchsfresser. Das Teil aus 100 Prozent Baumwolle enthält eine geruchsabsorbierende Ausrüstung, die unangenehme Gerüche permanent speichert und erst beim Waschen wieder freisetzt.

„Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings bei diesen Hemden“, warnt Christiane Müller von Seidensticker: „Irgendwann kann das Material keine Geruchsstoffe mehr aufnehmen. Dann muss das Hemd gewaschen werden, damit sich die ,Kelche’ wieder entleeren.“ Klingt logisch, ist aber auch ein Problem. Denn das Hemd arbeitet praktisch ununterbrochen und unterscheidet nicht zwischen angenehmen und unangenehmen Gerüchen. Das heißt, hängt es nach der Wäsche im Schrank, liegt eine Flugreise lang im Koffer, hat es sich dabei schon das eine oder andere Holz- und Ledermolekül geschnappt. Das braucht Platz, der hinterher für die wirklich üblen Gerüche fehlt.

Das Weekend Journal macht eine Art 3-Wetter-Taft-Test: 40 Grad in Mailand. Das Hemd hält (noch), was es verspricht. Doch auf seiner Oberfläche bilden sich kleine Seen. Die Verteidigung der Frische wird für den Träger zur Schwerstarbeit.

Doch es kommt noch schlimmer: Als Testperson, die sich in ihrer Lieblingsbar „L’Alter“ von mehreren Gästen den Zigarettenqualm auf die Hemdenbrust blasen lässt, erregt man Aufsehen und Neugier. Einer will wissen, ob auch Lippenstiftspuren vom Kragen verschwinden. Sollte man mal drüber nachdenken.

„Ich schreibe einen Test über dieses Hemd. Würden Sie bitte einmal schnuppern?“ Ein Angebot, das amüsiert und freudig angenommen wird: „Che bella camicia!“ – die Damen finden das klassisch blau- weiß-gestreifte Hemd aus Deutschland sehr schön. Und Italienerinnen verstehen was von schicken Hemden, schließlich leben sie mit Männern, die als die bestgekleideten der Welt gelten.

Also: Danke für das Kompliment – doch dies ist kein Flirt, sondern ein wissenschaftlicher Test, bei dem geht es um die inneren Werte – die des Hemdes. Um den gerade hinterlassenen guten optischen Eindruck nicht durch die durchaus originelle Anmache aufs Spiel zu setzen, empfiehlt sich der Wechsel zum Selbsttest. Auf die eigene Nase ist schließlich Verlass. Und sie wird auch fündig – an dieser heiklen Stelle unterm rechten Arm. Aber nach zwei heißen Tageseinsätzen während der Mailänder Modemesse dürfen nicht nur Männer, sondern auch Moleküle mal schlappmachen.

Doch auch dagegen gibt’s schon was, sozusagen ein Wellness-Hemd namens „Venti Revolotion“. Katt hat’s mit Aloe Vera ausgerüstet. Durch körpereigene Feuchtigkeitspartikel werden entspannendePflanzenextrakte freigesetzt. Also doch: Öfter mal das Hemd wechseln!

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